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Think-Tank in Schöneberg


In dem kleinen Ladenbüro in der Eisenacher Straße wird über die „Schrumpfenden Städte" der Erde nachgedacht.
©Schrumpfende Städte, Büro Phillipp Oswalt.


Es ist eher unscheinbar, das Büro des Architekten Phillipp Oswalt an der Ecke Eisenacher Straße /Apostel-Paulus-Straße im Berliner Stadtteil Schöneberg und hat wenig von den gestylten Ateliers der großen Architekten Berlins. Aktenordner und Pläne auf den Tischen, die Passanten können durch die großen Ladenfenster direkten Einblick in die kreative Werkstatt nehmen. Dabei wird in dem Büro weltweit voraus gedacht. „Shrinking Cities – schrumpfende Städte" ist seit Jahren das Thema, das den Architekten bewegt.

Als Leiter des Projektes „Schrumpfende Städte“, ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes, war er mit einer Ausstellung zu diesem Thema weltweit unterwegs. Bis vor kurzem war die Schau in Cleveland, Ohio zu sehen. Auch eine der Städte, die im Schrumpfen begriffen ist.




Oben: Flag/Bastian Aubry, Dimitri Broquard, Zürich: No Title Grafik 2005 ©Flag/Schrumpfende Städte/Büro Phillipp Oswalt
Unten: Pillipp Oswalt ist ein ausgewiesener Spezialist zum Phänomen der „Shrinking Cities".
©Phillipp Oswalt

Wanderer zwischen den Welten
Phillipp Oswalt, 1964 in Frankfurt am Main geboren, hat in Berlin an der TU Architektur studiert und arbeitete nach seinem Studium einige Jahre bei der Architekturzeitschrift „Arch“.

Station machte er darüber hinaus als Architekt bei Rem Koolhaas in Rotterdam, bevor er sich 1998 in Berlin als Architekt niederließ. Allerdings ist Phillipp Oswalt ein Wanderer zwischen den Welten und verbindet elegant die Publizistik mit der Architektur.

Seit einigen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema der „Schrumpfenden Städte“. „Shrinking Cities“ sind nicht nur ein ostdeutsches Phänomen, sondern werden weltweit zum Problem.

In dem kleinen Schöneberger Büro befindet sich so etwas wie ein Think-Tank zu diesem Phänomen. Berlin-magazin.info sprach mit dem Architekten:

Wachsen und Schrumpfen parallel
Trotz ständig wachsender sogenannter Megacities vor allem in der Dritten und Vierten Welt habe Oswald in einer globalen Studie zum Thema feststellen müssen, dass schrumpfende Städte ein in den letzten Jahrzehnten stetig zunehmendes Phänomen sind. Der Anteil der schrumpfenden Städte an der Gesamtzahl der Städte sei stetig gestiegen, so der Architekt. „In den 90er Jahren sind ein Viertel aller Großstädte der Welt geschrumpft. Auf Grund des Fortwirkens verschiedener Prozesse, wie demografischer Wandel, Suburbanisierung, Deindustrialisierung und so weiter müssen wir davon ausgehen, dass dieser Trend anhält und zuweilen ganze Regionen und Landesteile betrifft.“ Gleichwohl, wägte er ab, ersetze nicht Schrumpfung als neues Paradigma das Wachstum. Vielmehr habe man es mit der Gleichzeitigkeit von Wachstums- und Schrumpfungsprozessen zu tun.

Natürlich sei das Schrumpfen einer einzelnen Stadt immer ein zeitlich begrenzter Vorgang, der gleichwohl Jahrzehnte fortdauern könne. „Entweder konsolidieren sich Städte auf einem niedrigeren Niveau, oder wachsen auch wieder an, oder – was selten der Fall ist – verschwinden ganz, womit die Schrumpfung auch beendet ist", erläutert der Architekt.

Wüsteneien in Deutschland
Im Übrigen, betont der Architekt, sei dieses Phänomen nicht ganz neu. Auch in verschiedenen Epochen der Vergangenheit habe man es mit aufgegebenen Siedlungen zu tun gehabt. Gemarkungen und Straßennamen wie „Wüstenei“ würden heute noch daran erinnern.



Schrumpfende Städte sind nicht nur in Europa ein Phänomen.
©Schrumpfende Städte,Büro Phillipp Oswalt

Parallele Entwicklungen
Auf die Unterschiede zwischen den nicht planbaren, ständig neu und chaotisch entstehenden (Slum)-Vierteln der „Megacities" und den verwahrlosenden  „Leerräumen" der schrumpfenden Städte angesprochen, die beide Nischen für sehr unterschiedliche Subkulturen und neue Überlebensstrategien seien, antwortete Ostwalt: „Überlebensstrategien sind Hinweise auf Armut, und die gibt es bei Schrumpfung, wie bei Wachstum. Man erinnere sich nur an die dramatischen Zustände in den Städten Westeuropas zu Ende des 19. Jahrhunderts mit Überbevölkerung und menschenunwürdigen Wohnverhältnissen.“

Parallelen von historischen Prozessen
Überhaupt gebe es Parallelen zwischen diesen urbanen Veränderungsprozessen. Es überwögen jedoch die Unterschiede: Beim Wachsen gebe es räumliche Knappheit, beim Schrumpfen einen Raumüberschuss. Wachstum gehe mit massiven physischen Veränderungen einher, Schrumpfung hingegen könne sich als dramatischer, städtischer Wandel nahezu ohne physischen Wandel vollziehen. Wachsende Städte seien von Zuwanderung und damit von exogenen Kräften und einer recht jungen Bevölkerung geprägt, schrumpfende Städte von Abwanderung, dem Fehlen äußerer Kräfte und einer stark alternden Bevölkerung.

Zahlreiche Veröffentlichungen
Phillipp Oswalt und sein Projektteam haben in den letzten fünf Jahren drei Bücher zum Thema veröffentlicht. Die 2004 in den Berliner Kunst-Werken gezeigte Ausstellung kehrt ab Herbst mit mehreren Schauen nach Europa zurück: an seine ursprünglichen Untersuchungsstandorte, die ehemaligen Industriemetropolen Manchester und Liverpool und ins Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main. Im Frühjahr 2008 wird die Ausstellung außerdem noch im Ruhrgebiet zu sehen sein, bevor sie dann in St. Petersburg ihre vorerst letzte Station bezieht.

weiterführende links:
www.shrinkingcities.com

 

 



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