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Das Nikolaiviertel


Das Nikolaiviertel vom Fernsehturm aus gesehen. Deutlich erkennt man die winkeligen Straßen und die Kirche St. Nikolai. Im Vordergrund das Rote Rathaus @ pixelio

Das Nikolaiviertel ist das älteste Stadtviertel Berlins. Hier verlief zur Gründungszeit der Doppelstädte Cölln und Berlin die alte Handelsstraße, die an dieser Stelle die Spree querte.

Schon um etwa 1200 wurde im Stil der Spätromanik ein Vorläuferbau der jetzigen Nikolaikirche geweiht.  1200 wurde die Kirche dann fertiggestellt, eine spätromanische Feldsteinbasilika, die im Laufe der Jahrhunderte jedoch mehrfach umgebaut wurde.

Mit dem Anwachsen der Stadt Berlin und dem gegenüberliegenden Cölln wurde im Laufe des 13. Jahrhundert an der heutigen Ecke Rathausstraße / Spandauer Straße ein neues Rathaus mit einer Gerichtslaube errichtet.

Im 1. Stock befand sich die Ratsstube, im Erdgeschoss wurde Gericht gehalten. Im Ratskeller, der zu jedem guten Rathaus gehört, wurde Bier ausgeschenkt.

Das Berliner Gericht war zunächst auch für das gegenüberliegende Cölln zuständig. Für den Rat der Stadt Berlin war dies eine interessante Einnahmequelle, denn viele Strafen ließen sich zu Geldstrafen umwandelnd, die dann an den Gerichtsherren - in diesem Fall an die Stadt Berlin entrichtet werden mussten.



Rund um die Nikolaikirche gibt es das alte Berlin noch zu spüren © Matthias 17/Flickr.com

Erhaltene Strukturen
Mit dem ständigen Wachstum Berlins entwickelte sich das Nikolaiviertel sozusagen zur Altstadt Berlins, wobei das Rathaus spätestens durch die Errichtung des Berliner Stadtschlosses an Bedeutung verlor. Bis zum Zweiten Weltkrieg behielt das Nikolaiviertel mit seinen krummen und engen Gassen sein ursprüngliches Gesicht, wurde dann aber durch Bomben und die letzten Gefechte um die "Festung Berlin" fast völlig zerstört. Nur sechs historische Häuser und die Außenhülle der Nikolaikirche waren den Kriegswirren entkommen.

Verfall und Wiederaufbau zum 750 Jahre Jubiläum
Auch zu DDR Zeiten führte das Viertel, das unweit des Palastes der Republik lag, ein eher kümmerliches Dasein. Es gab sogar Überlegungen der Stadtplaner, das Viertel zugunsten eines Hafenbeckens für Ausflugsschiffe auf der Spree ganz abzuräumen.

Erst mit dem Architekten Günter Stahn, der anlässlich der 750 Jahrfeier Berlins hier ein historisierendes Stadtviertel plante, konnte das Nikolaiviertel wieder aufleben.
Nicht alle Häuser wurden originalgetreu aufgebaut, beim genauen Hinsehen erkennt man, dass Stahn die typische DDR Plattenbauweise verwendet hat. Vielfach ist der Architekt kritisiert worden, weil nicht alle Bauten, die hier im Nikolaiviertel zu finden sind, originalgetreu hier gestanden haben.

Auch das alte Kopfsteinplaster ist wieder hergestellt worden. Böse Zungen sprechen über das Nikolaiviertel gar von Disneyland, weil vieles, was hier zu sehen ist, nicht originalgetreu an dieser Stelle stand.

Bunt zusammengewürfelt
So befand sich beispielsweise die Gerichtslaube in der Poststraße, bis sie 1871 dem bau des Roten Rathauses weichen musste. Sie wurde abgetragen und im Potsdamer Park Babelsberg auf der Lennéhöhe wieder aufgebaut. Mit dem Beschluss, das Nikolaiviertel wieder zu errichten, zog die Laube an ihren jetzigen Standort.

"Uns ging es nicht um die Rekonstruktion der Berliner Altstadt, sondern um die Rekonstruktion eines städtischen Raums, der das alte Berlin erlebbar macht."  sagte der Architekt einmal in einem Interview der Berliner Tageszeitung. Es war die Zeit, als auch in der DDR eine behutsame Stadterneuerung, Stadt Stadtabriss einsetzte und sich zum anderen an die historischen Identitäten zu erinnern begann.

Die im Zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern zerstörte Nikolaikirche wurde  wiederhergestellt. Eine Reihe von kleinen Bürgerhäusern, vor allem im Umkreis der Kirche, entstanden in historischen Formen vollständig neu.
Das Ephraim Palais, 1936 am Mühlendamm abgetragen, wurde unter Verwendung von Originalteilen der Fassade, um 12 Meter versetzt von seinem ursprünglichen Standort neu aufgebaut.

Darüber hinaus wurde  das berühmte Gasthaus „Zum Nußbaum“, dass einst Stammlokal prominenter Künstler wie Heinrich Zille, Otto Nagel und Claire Waldoff, war  am Nikolaikirchplatz wiedererrichtet. dabei handelt es sich jedoch um eine Kopie,  das um 1571 erbaute Original stand bis zu seiner Zerstörung 1943 auf der Fischerinsel.

Eine Bronzeskulptur von 1853, „St. Georg im Kampf mit dem Drachen“, die ursprünglich im Hof des Berliner Stadtschlosses. stand und nach dessen Demolierung im Berliner Friedrichshain eine Zwischenstation machte, schmückt heute den Nikolaikirchplatz.

Ob Architekturkritik oder nicht: Vor allem bei Touristen wird das Viertel gut angenommen. Und es ist eine beliebte Wohngegend, rund 2.200 Menschen wohnen in den engen Gassen rund um St. Nikolai.Mehr zur Nikolaikirche Mehr zum EphraimpalaisMehr zum Knoblauchhaus


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