Grunewald

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Grunewald: Wohnort der Reichen, Schönen und Erfolgreichen

Text von Michaela Schubert und Wolfgang Bernschein aus dem Buch Berlin Reisen - ein Film

Die Villenviertel Dahlem und Grunewald gehören heute zu den attraktivsten Standorten Berlins. Die bevorzugte Lage resultiert aus der Nachbarschaft zum Grunewald und der Nähe zu den Seen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts und den darauf folgenden Jahrzehnten entstanden dort hochherrschaftliche Anwesen.

Aus dem Berlin der Markgrafen von Brandenburg, zu Beginn des Jahrhunderts, mit noch nicht einmal 250.000 Einwohnern war die große deutsche Kaiserstadt geworden.

Sie hatte zurzeit der Proklamation Wilhelm I. bereits die Millionengrenze überschritten.

Die Innenstadt Berlins bot kaum noch Möglichkeiten für ein familienfreundliches Wohnen.

Geschäftshäuser und öffentliche Gebäude verdrängten die Wohnhäuser.

Die Stadt fraß sich immer mehr in die ländlichen Bereiche.

Neue, groß angelegte Straßen sollten die Umgebung Berlins erschließen.

Für die Anbindung an den Grunewald spielten der Kurfürstendamm und die sich anschließende Koenigsallee eine große Rolle.

Viel zu eng war jener Kudamm geworden, um den Verkehr, die Pferdedroschken und die neu hinzugekommenen Automobile und Motorräder Richtung Westen ohne große Verzögerung durchzuleiten.

Beim Ausbau dieser Straße zu einer großen Verbindung half unter anderem die Vorliebe des damaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck für den Prachtboulevard Champs-Elysées der Weltstadt Paris.

Planung der neuen Villenkolonie

Die Maßnahmen zur Erschließung der Villenkolonie Grunewald erstreckten sich vom Ausbaggern der dort vorhandenen Moore über die Anlage von Königs-, Hertha-, Diana- und Hubertussee.

Reiche Leute aus der Wirtschaft, Künstler und Gelehrte fühlten sich angezogen und gehörten zu den ersten Bewohnern der Villenkolonie Grunewald.

Sie waren sich der Exklusivität ihres Domizils bewusst. Die Attraktivität dieses Wohnsitzes hatte auch handfeste finanzielle Vorteile für Spitzenverdiener, denn bis zur Eingemeindung 1920 gehörte die »Landgemeinde Grunewald« zum Kreis Teltow. Dieser lag mit seinen Steuersätzen deutlich unter denen Berlins.

Es gab einzelne Menschen, die die Bewohner des noblen Wohnortes bedauert haben. So schrieb Christopher Isherwood 1939 in seinem Buch »Leb wohl, Berlin«:»Die meisten reichen Berliner Familien wohnen im Grunewald. Warum – ist schwerlich zu verstehen. Ihre Villen in allen bekannten Spielarten kostspieliger Hässlichkeit, von überspannten Rokoko-Torheiten bis zu den kubistischen Stahl-Glas-Kästen mit flachem Dach, sind in diesem feuchten, trübseligen Kiefernwald dicht zusammengedrängt … In panischer Angst vor Einbruch und Umsturz hat diese unselige Gesellschaft sich in eine Art Belagerungszustand zurückgezogen. Sie haben hier weder Ruhe noch Sonne. Der Stadtteil ist ein regelrechter Slum für Millionäre …«

Dies beeindruckte die meisten Fimschaffenden nicht. Sie ließen sich gerne in der Villenkolonie nieder.

Spaziergang durch die Villenkolonie auf den Spuren der Filmstars

Bei einem Spaziergang lassen sich zahlreiche noch existierende Häuser und Villen vergessener oder in Erinnerung gebliebener Filmstars entdecken. Die Bauten vermitteln einen Eindruck früherer glanzvoller Berliner Jahre.

Viele der Schauspielerinnen und Schauspieler haben in der Regel nicht für ein ganzes Leben dort gewohnt, manche nur für eine sehr kurze Zeit.

Grethe Weiser

beispielsweise hat überall in Berlin Spuren hinterlassen. Sie zog um, so wie andere verreisen, behauptete sie selber.

Deshalb stößt man auch in der Villenkolonie Grunewald auf sie.

Grethe Weisers Karriere begann bereits in den zwanziger Jahren. Sie trat überwiegend in Nebenrollen auf.

Erst mit der Verkörperung der echten Berliner Göre, Jette Schönborn, in dem Film „Die göttliche Jette" gelang ihr 1937 der Durchbruch.

Nach dem 2. Weltkrieg präsentierte sie sich als Berlinerin mit »Herz und Schnauze«.

Harry Liedke

Der Liebling der Frauen, Harry Liedtke, wohnte in der Bismarckallee 16 und in der Teplitzer Straße 14. Er war der erste männliche Star des deutschen Films.

Bekannte Regisseure jener Zeit wie Ernst Lubitsch oder Joe May engagierten ihn für „Die Augen der Mumie Ma“, „Madame Dubarry" oder „Sumurun.“.

Die Umstellung zum Tonfilm war für Liedtke verhängnisvoll. Es erging ihm wie vielen seiner Kolleginnen und Kollegen. Seine Stimme erwies sich als nicht ausreichend. Erst 1942 gelang ihm in dem Film „Sophienlund“ unter der Regie von Heinz Rühmann ein Comeback.

Am Ende des 2. Weltkrieges starb Harry Liedtke unter tragischen Umständen. Rotarmisten erschlugen ihn und seine Frau in ihrem Haus in Bad Saarow.

Ilse Werner

Das Haus eines Stars der vierziger Jahre, Ilse Werner, findet sich in der Gustav-Freitag-Staßer 6–8. Als Tochter eines niederländischen Plantagenbesitzers aus Jakarta spielte und sang sie sich in die Herzen des deutschen Publikums. Außerdem konnte sie, welch ungewöhnliche Gabe für eine Frau, pfeifen. Dies machte sie noch populärer. Ilse Werner tat das, was in der Zeit des Krieges so dringlich gefordert wurde – sie unterhielt das Publikum in Filmen wie „Bel Ami“ (1939), „Die schwedische Nachtigall“ (1940) oder „Wir machen Musik“ (1942). Mit Carl Raddatz stand sie in dem nationalsozialistischen Propagandafilm „Wunschkonzert“ vor der Kamera.

Raddatz, ebenfalls ein Ufa-Star der NS-Zeit, starb 2004 hochbetagt in Berlin. Etwa ein Jahr später verschied Ilse Werner. Sie wurde auf eigenen Wunsch auf dem Goethefriedhof in Potsdam-Babelsberg beigesetzt. Ihren Nachlass übertrug sie dem Filmmuseum Potsdam.

Joachim Gottschalk

Nicht so glücklich war der Schauspieler Joachim Gottschalk im Dritten Reich, der 1940-41 in der Toni-Lessler-Straße 2 (ehemals Seebergsteig) wohnte. Dort vergiftete er sich und seine Familie mit Gas. Der Anlass für die schreckliche Tat war, dass man den populären Schauspieler zwingen wollte, sich von seiner jüdischen Frau scheiden zu lassen.

So schrieb Klaus J. Hennig in einem Beitrag zum 100. Geburtstag von Gottschalk am 1. April 2004 in »Die Zeit«:»Goebbels bietet Gottschalk an, die Familie nach der Scheidung in die Schweiz gehen zu lassen. Gottschalk lehnt ab; angesichts des Siegeszugs der Wehrmacht, der unaufhaltsamen Eroberung Europas kann er nicht an das Fortbestehen der Schweiz glauben. Dann zitiert ihn Hans Hinkel zu sich ins Propagandaministerium. Der SS-Offizier und Blutordensträger ist »Sondertreuhänder der Arbeit für die kulturschaffenden Berufe«, Goebbels’ Büttel für die »Entjudung« des Kulturbetriebs: »Sie werden sich scheiden lassen, Herr Gottschalk!« und »Wen interessiert es schon, was aus einer Jüdin wird?«

Schüler der Grunewald-Grundschule warteten im November 1941 vergeblich auf ihren Klassenkameraden Michael Gottschalk, den Sohn von Joachim und Meta Gottschalk. Die Beisetzung fand auf dem Stahnsdorfer Friedhof statt. Einige Kolleginnen und Kollegen erwiesen dem Schauspieler und seiner Familie die letzte Ehre.

Einer der ersten Defa-Filme, Ehe im Schatten, des Regisseurs und Defa-Mitbegründers Kurt Maetzig bezog sich auf das Schicksal der Familie Gottschalk.

Mit einer Rolle in diesem Film begann auch die Filmkarriere von Ilse Steppat, die als Theaterschauspielerin gemeinsam mit René Deltgen (der 1939 ebenfalls in der Toni-Lessler-Straße 2 wohnte) und Joachim Gottschalk auf der Bühne stand.

Ilse Steppat

wurde in der Bundesrepublik Deutschland besonders populär durch ihre Rollen in den Edgar-Wallace-Verfilmungen der sechziger Jahre. In dem James-Bond-Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät" erschoss sie als Irma Bunt die angetraute Braut Bonds.

Willy Birgel

Anders als die Karriere von Joachim Gottschalk verlief die von Willi Birgel. Er gehörte zu den großen Stars der Ufa und residierte über mehrere Jahre in der Grunewalder Villenkolonie in der Wissmannstraße 31.

Der Staatsschauspieler Birgel erwarb sich das Markenzeichen »Herrenreiter des deutschen Films« („…reitet für Deutschland“ aus dem Jahre 1941). Aufgrund seiner Mitwirkung an tendenziösen Filmen im Dritten Reich fiel er nach dem Krieg bei den Alliierten in Ungnade. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte konzentrierte er sich verstärkt auf die Theaterarbeit an verschiedenen deutschen Bühnen. Birgel starb mit 72 Jahren in Hamburg.

Zeitenwende

In die sechziger Jahre und ins alte Westberlin führt das Haus Am Rupenhorn 9, welches nicht zur Villenkolonie gehört, aber im Grunewald, ganz in der Nähe der Havel steht.

Bubi Scholz

Dort hatte der Boxer Gustav Scholz gewohnt, über den Ende der neunziger Jahre ein zweiteiliger Fernsehfilm ausgestrahlt wurde: „Die Bubi Scholz Story.“ Die Rolle des Berliner Boxers »Bubi« Scholz, ehemaliger Europameister, übernahmen Benno Fürmann und Götz George.

Scholz verkehrte im alten Westberlin mit Leuten von Rang und Namen; die Schauspieler Harald Juhnke, Harry Meyen und Hardy Krüger gehörten zu seinem Freundeskreis.

Er hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes hoch geboxt, zum Europameister, in die feinen Kreise der Inselstadt.

Geboren wurde er im Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg, in der Choriner Straße 54, als Sohn eines Schmiedes.

Zu Beginn der sechziger Jahre stand »Bubi«Scholz als Schauspieler vor der Kamera: „Marina“ und „Schlagerparade 196“1 – zwei harmlose Unterhaltungsfilme.

Wie viele Aufsteiger hatte Scholz Schwierigkeiten mit Ruhm und Geld umzugehen. Nach dem Ende seiner Boxkarriere machten ihm Alkohol, Tabletten und Frauengeschichten zu schaffen; schließlich der Schuss aus einem Gewehr auf seine eigene Frau in der Grunewaldvilla.

Der Prozess endete mit seiner Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung.

Harald Juhnke

Auch sein Freund Harald Juhnke, eine Berliner Institution, hatte verschiedene Wohnsitze im Grunewald. Die längste Zeit verbrachte er in seiner Villa in der Lassenstraße 1.

Bekannt wurde Juhnke durch seine Theaterengagements, seine Auftritte als Entertainer, über siebzig Filme und nicht zuletzt durch seine zahllosen Eskapaden.

Der außerordentlich begabte Schauspieler litt unter seiner Alkoholkrankheit, die er immer wieder versuchte zu bekämpfen.

Juhnke starb in einem Pflegeheim für Demenzkranke. Wenige Monate später wurde ihm zu Ehren unweit seines Elternhauses in der Fordoner Straße im Berliner Wedding ein steinernes Denkmal enthüllt.

Angehörige der Familie Juhnke waren bei der Denkmalenthüllung nicht anwesend. Die Begeisterung über dieses Symbol hielt sich bisher in Grenzen. Man denkt bereits über ein neues Denkmal nach.

Harry Meyen und Romy Schneider

Ebenfalls zu der »Gang«, wie Juhnke, Scholz und Hardy Krüger sich bezeichneten, gehörte der Schauspieler und Regisseur Harry Meyen. Sein Schicksal gestaltete sich ähnlich tragisch wie das von Juhnke und Scholz.

Meyen heiratete auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Regisseur von Boulevardstücken die Schauspielerin Romy Schneider und bezog mit ihr in Grunewald das Haus in der Winkler Straße 22.

Doch diese Ehe schien Meyen kein Glück zu bringen, denn während es mit der Karriere seiner Frau ständig bergauf ging, geschah mit der von Harry Meyen das Gegenteil.

Die Verbindung wurde nach neun Jahren geschieden. Romy Schneider war inzwischen zum Filmstar in Frankreich geworden. Sie hatte das Image der heute schwer erträglichen »Sissi«-Filme abgestreift, in denen sie an der Seite des jungen Karl-Heinz Böhm zur Freude von Millionen Deutschen und Österreichern die Rolle der Prinzessin Elisabeth verkörperte.

Für die Filme „Nachtblende“ und „Eine einfache Geschichte“ erhielt sie 1976 den César, das französische Äquivalent zum amerikanischen Oscar.

Harry Meyen war alkohol- und tablettenabhängig geworden und litt an Depressionen. Er erhängte sich Ende der siebziger Jahre mit einem Seidenschal an einer Feuerleiter.

Danach kam der Sohn von Harald Meyen und Romy Schneider bei einem schrecklichen Unfall ums Leben. Er verletzte sich tödlich beim Überklettern eines Gartenzaunes.

Ein Jahr später, 1981, wurde Romy Schneider in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Ein großer Teil der Presse sprach von Selbstmord.

Die Rolle Hildegard Knefs

Auch Hildegard Knef redete in ihrer Biografie »Romy – Betrachtungen eines Lebens« von Selbstmord.

Diese zuerst in der Illustrierten »Bunte« veröffentlichten Aufzeichnungen der Knef zu Romys Leben riefen die erboste Mutter Magda Schneider auf den Plan. Sie, die ihren früheren Filmpartner Wolf Albach-Retty, Romys Vater, geheiratet hatte und dann von ihm verlassen wurde, widmete sich mit Leidenschaft der Karriere ihrer Tochter.

Hildegard Knef beschrieb in der Biografie das Wirken der Mutter von Romy nicht nur positiv. Die »Bild-Zeitung« lieferte den Rahmen für eine Schlammschlacht: Magda Schneider bezichtigte die Knef der Lüge, da sie behauptete, Romys Freundin gewesen zu sein, was nicht gestimmt haben soll.

In schauspielerischer Hinsicht zumindest bewunderte Hildegard Knef Romy Schneider uneingeschränkt. Bekannt war die Knef auch mit Romy Schneiders Mann Harald Meyen. Mit ihm und Karl-Heinz Böhm stand sie in der dritten Verfilmung des Romans von Hanns Heinz Ewers »Alraune« vor der Kamera.

Sie löste nun Brigitte Helm in der Rolle der Alraune ab; Meyen verkörperte die Rolle des Grafen Geroldingen. Der Wissenschaftler ten Brinken, dem die künstliche Befruchtung der Prostituierten gelingt, wurde von dem US-amerikanischen Schauspieler österreichischer Herkunft Erich von Stroheim gespielt. Die Regie bei diesem Film führte Arthur Maria Rabenalt, ein Regisseur, der im Kino des Dritten Reiches für Unterhaltung und Propaganda sorgte.

Hildegard Knef schrieb zu diesem Film in ihrer Romy-Biografie: »Während ich in den USA gewesen, hatte sie ihre drei Sissi- und zehn anderen Filme gedreht; ich hatte keinen gesehen, lediglich einige kitschig anmutende Fotos mit dem als Kaiser Franz Josef verkleideten Karl-Heinz Böhm, der einst mein Partner in dem recht bedauerlichen Schinken Alraune, in dem Harry Meyen ebenfalls ein liebeskrankes Opfer der männerverschlingenden Maid darstellt. « Alraune wurde 1952 produziert.

Ihr erstes Domizil im Grunewald bezog die Knef allerdings erst 25 Jahre später in der Bettinastraße 12.

Viktor de Kowa

Unmittelbar nach dem Krieg kam sie nach eigenen Angaben bei dem Schauspieler Viktor de Kowa unter. Ihr Geliebter Ewald von Demandowski hatte ihr eine Empfehlung geschrieben.

De Kowa wohnte in Berlin-Charlottenburg, Wacholderweg 7b. Ende der dreißiger Jahre lebte er in Grunewald in der Königsmarckstraße 9.

Viktor de Kowa gehörte in der NS-Zeit zu den meistgefeierten Ufa-Stars, war Staatsschauspieler und wurde als »Bonvivant der leichten Muse« bezeichnet. Zusammen mit

Hildegard Knef spielte er 1947 in dem Film „Zwischen gestern und morgen – Ein Mann kehrt aus dem Exil zurück“. Er wird des Diebstahls verdächtigt, kann sich rehabilitieren und rettet ein Mädchen vor dem sozialen Abstieg.

Neben Knef und de Kowa wurden die anderen Rollen ebenfalls mit prominenten »Daheimgebliebenen« wie Erich Ponto, Willy Birgel, Viktor Staal oder Sybille Schmitz besetzt. Regie führte der »Regisseur der leichten Muse« Harald Braun.

Curd Jürgens
Mitte der fünfziger Jahre spielte Viktor de Kowa in dem Film Des Teufels General von Helmut Käutner nach der Vorlage von Carl Zuckmayer die Rolle des SS-Gruppenführers Schmidt-Lausitz. Er verkörpert den Gegenpol zu dem eigensinnigen Luftwaffengeneral Harras. Der General erkennt, dass er für eine verlorene Sache kämpft und wählt den Freitod.

Der Flieger Ernst Udet lieferte dem Schriftsteller Zuckmayer die Idee für die Figur des Generals Harras. Für den Schauspieler Curd Jürgens bedeutete sie den Durchbruch in seiner Karriere.

Jürgens, der vor dem Krieg keine bedeutenden Rollen beim Film erhielt, wuchs im vornehmen Berlin-Westend in der Oldenburgallee 57 auf. Das Haus wurde im Krieg zerstört.

Seine erste von insgesamt fünf angetrauten Frauen war die Theaterschauspielerin Lulu Basler. Jürgens zog zu ihr in die Grunewalder Douglasstraße 13-15. Mit Curd Jürgens traf Hildegard Knef dann, wie bereits erwähnt, in dem »Staudte«-Film „Die Dreigroschenoper“ zusammen.

Hier dominierten neben den Hauptdarstellern bereits die Stars des bundesdeutschen Kinos wie Gert Fröbe und Walter Giller. Die großen Ufa-Schauspieler waren in die Jahre gekommen.

So wie die Zeit der alten Ufa unwiederbringlich vorbei war, verlor auch das bundesdeutsche Kino der fünfziger Jahre seine Attraktivität.

Neues vom deutschen Film
Man revoltierte gegen den Unterhaltungs- und Heimatfilm. »Papas Kino« war nicht mehr gefragt.

In der Furtwänglerstraße 19 steht ein Haus, welches eng mit dieser Zäsur verbunden ist.

Die Schamonibrüder
Dort lebte Ulrich Schamoni, eine der führenden Persönlichkeiten des Neuen Deutschen Films. Zusammen mit seinem Bruder Peter Schamoni unterzeichnete er 1962 das Oberhausener Manifest, in dem eine Erneuerung des bundesdeutschen Films gefordert wurde.

Die Brüder Schamoni wurden in Berlin geboren. Die Eltern arbeiteten beim Film – der Vater als Filmwissenschaftler und Regisseur, die Mutter als Drehbuchschreiberin.

1968 drehte Ulrich Schamoni den Film „Quartett im Bett“ mit der damals populären Band »Insterburg & Co.«. Hier wurde auf witzige Art das Lebensgefühl der 68er »Protestgeneration« wiedergegeben.

Karl Dall, damals Mitglied jener Musikgruppe, erlangte später Popularität durch seine Arbeit für das Fernsehen.

Ulrich Schamoni wurde in Berlin auch bekannt durch die Gründung des ersten privaten Radiosenders der Stadt »Hundertkommasechs«.

Für „Quartett im Bett“ zeichnete die Peter Schamoni Filmproduktion Berlin. Ein Jahr vorher produzierte Peter Schamoni den erfolgreichen Film „Zur Sache Schätzchen“ mit Uschi Glas und Werner Enke. Regie führte May Spils.

Diese Komödie aus dem Münchener Studentenmilieu, in der ein Müßiggänger mit der bürgerlichen Welt hadert, wurde zu einem Kultfilm der 68er-Ära.

1987 verfilmte Peter Schamoni einen Roman von Horst Bienek unter dem Titel „Schloss Königswald“.Der Film, in dem acht alte Damen auf einem Schloss in Böhmen das Ende des 2. Weltkrieges erwarten, ist eine Hommage an die Stars des Vorkriegskinos.

Schamoni gelang es, für diesen Film Marika Rökk, Marianne Hoppe, Carola Höhn und Camilla Horn zu verpflichten. Offenbar waren sie für die anstrengenden Drehs nicht zu alt.

Camilla Horn, die »Fürstingroßmutter« in Schamonis Film, wohnte 1936/37 in der Knausstraße 10-12.

Berühmt wurde sie als Gretchen in Friedrich Wilhelm Murnaus »Faust«-Verfilmung Sie arbeitete vorübergehend in den USA, ging zu Beginn der vierziger Jahre nach Italien, wo sie in einigen Produktionen auftrat.

In dem Film „Friedemann Bach“ spielte sie die Tänzerin Mariella Fiorini an der Seite von Gustav Gründgens.

Gustaf Gründgens
Gustaf Gründgens hatte, bevor er 1937 Generalintendant des Preußischen Staatstheaters am Berliner Gendarmenmarkt (das heutige Berliner Konzerthaus) wurde, ein Domizil in der Hagenstraße 31a.

Gründgens war ein exzellenter Schauspieler. Seine Verkörperung des Mephisto ist in die Theatergeschichte eingegangen.

Die Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg mit Gründgens als Mephisto wurde 1960 von Peter Gorski für den Film adaptiert. Den Part des Faust übernahm Will Quadflieg.

Die Rolle von Gustaf Gründgens im Dritten Reich wird bis heute kontrovers diskutiert. Er ging Kompromisse ein, um zu überleben. Sein Schutzpatron war Hermann Göring persönlich.

1936 heiratete er die Schauspielerin Marianne Hoppe, die vor dieser Ehe in der Caspar-Theyss-Straße 14 gewohnt hatte. Sie war ein gefeierter Bühnen- und Filmstar und wird heute als Jahrhundertschauspielerin bezeichnet.

Zehn Jahre hatte die Ehe zwischen Marianne Hoppe mit Gustav Gründgens Bestand. Diese Verbindung war für den homosexuellen Staatsintendanten Gründgens, dessen Affären mit Männern nicht verborgen blieben, in der Zeit der Nazi-Diktatur von existenzieller Bedeutung.

Marianne Hoppe sagte später, sie sei diese Ehe eingegangen, um Gründgens zu schützen.

Nicht schützen konnte sie sich vor dem frechen Maul des Volkes, welches dichtete: »Hoppe, Hoppe, Gründgens, wo bleiben denn die Kindgens«.

Nach dem Krieg sah man sie wieder auf der Bühne und im Film. Sie starb 2002 in einem Altersheim in Bayern. Der Regisseur Werner Schroeter setzte ihr mit dem Film „Die Königin – Marianne Hoppe“ ein Denkmal.

Diese Leseprobe ist ein Kapitel aus dem Buch von Michaela Schubert und Wolfgang Bernschein Berlin Reisen - ein Film aus dem Wolbern Verlag Berlin - Potsdam.

Alle hier gezeigten Bilder stammen aus dem oben genannten Buch und wurden uns mit freundlicher Genehmigung des Verlages überlassen.

Wir danken für die freundliche Kooperation.

 

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