Wieland Giebel

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Wieland Giebel

Wieland Giebel gründete 1971 mit 21 Jahren seinen ersten Verlag, jetzt schreibt er mit seinem in den Neunzigern gegründeten Unternehmen Geschichte: „Buchhandlung und Verlag liegt auf Platz Eins der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und des Buchhandelsverbandes Berlin jährlich erstellten Rankings. Damit ist „Berlin Story“ die erfolgreichste Buchhandlung Deutschlands des Jahres 2008. Weitere Projekte von Wieland Giebel sind der „Berlin Story Salon“, eine Bühne für Veranstaltungen zu Berlins Gegenwart und Vergangenheit, sowie die ambitionierte „Historiale“, Europas größtes Geschichtsfestival.

 


Worin liegt der Erfolg Ihrer Buchhandlung begründet? Und hatten Sie das erwartet?

Giebel: Ja, denn natürlich verfolgen wir die monatlich veröffentlichten Zahlen der Buchhandelspresse. Während der Buchhandel insgesamt stagniert, haben wir seit unserer Gründung vor 12 Jahren jährlich Steigerungsraten von 20 Prozent.

Für unseren Erfolg sehe ich drei Gründe: Zum einen die außerordentliche Qualifikation unserer Mitarbeiter. Jede(r) nimmt zweimal im Monat an einer Stadtführung teil, hinzu kommen externe Schulungen und interne gegenseitige Buchvorstellungen. So treffen unsere Kunden auf wirkliche Experten für Berlin-Literatur.

Ein weiterer Grund ist unsere Spezialisierung auf ein populäres Thema mit all seinen Facetten.Und nicht zuletzt profitieren wir von dem weiterhin steigenden, weltweiten Interesse an Berlin. Die Stadt ist heute beliebt wie kaum eine andere und zieht Besucher aus allen Gesellschafts- und Altersschichten an.

„Berlin Story“ ist nicht nur Buchhandlung, sondern auch Verlag. Was ist das Besondere daran, in einer Stadt wie Berlin über eben diese zu publizieren?


Giebel: Das besondere an Berlin ist seine gebrochene Geschichte. Hier wurde maßgeblich das Schicksal Europas  des 20. Jahrhunderts bestimmt, und das fasziniert die Menschen. Niemand reist nur zum Shoppen nach Berlin. Die Besucher kommen um der Geschichte willen und wollen etwas darüber erfahren.

Hinzu kommt, dass nach wie vor neue Themen entstehen, beispielsweise im Zuge der sich ständig verändernden Architektur-Landschaft. Wir veröffentlichen alle 14 Tage ein neues Berlin-Buch und bekommen laufend Angebote für neue interessante Bücher. Somit ist die Stadt ein unvergleichlich reiches Thema – ich glaube, es gibt keine Stadt, über die es mehr Bücher gibt als Berlin.

Den Vormarsch der digitalen Medien begleiten seit längerem düstere Prognosen über das Ende des klassischen Papierbuchs. Welche Chancen sehen Sie für den guten alten Schmöker im Duell mit dem E-Book?

Giebel: Den Abgesang auf klassische Papierbücher halte ich für Unsinn. Ein echtes Buch zu lesen hat eine ganz andere Wertigkeit und Bedeutung als die elektronische Alternative. In zehn Jahren wird der E-Book-Anteil vielleicht maximal 10 bis 15 Prozent betragen. Ich sehe das Hauptpotenzial bei schnell konsumierten Romanen (z. B. als Urlaubslektüre) oder hochspezialisierten, für eine kleine Zielgruppe verfassten Fachbüchern.

Die Diskussion ist übrigens nicht neu und wir verfolgen sie aufmerksam. Aber schon vor zehn Jahren wurden auf der CeBIT E-Reader vorgestellt, die technisch gut funktionierten, aber von einer Ablösung des Papierbuchs durch E-Books ist seitdem noch nichts zu bemerken.


Der kürzlich bekannt gegebene Umzug des Suhrkamp Verlags nach Berlin hat die Diskussion über Standorte für den Buchmarkt in Deutschland neu angeheizt. Welche Chancen und Perspektiven bietet Berlin für Verleger und den Buchhandel?


Giebel: Die Perspektiven sind gut, weil die Stadt insgesamt so dynamisch ist. Für einen Verlag ist es ja im Grunde egal, wo er sich befindet. Ich schätze es grundsätzlich, dass Deutschland vor allem im kulturwirtschaftlichen Bereich so dezentral ist, im Vergleich zu anderen Ländern eine so gleichmäßige Gewichtung aufweist.

Es gibt allerdings keine andere Stadt in Deutschland, die sozial so durchlässig ist, wo man auch kleine ambitionierte Projekte verwirklichen kann. Große und Kleine des Literaturbetriebs können sich hier treffen, vernetzen und gegenseitig inspirieren, und genau das macht den Standort so reizvoll.

 

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