Rainer Rother

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Ein Museum ist kein nostalgischer Ort<br>Rainer Rother im Gespräch<br>

Dr. Rainer Rother, Jahrgang 1959, ist Film- und Literaturhistoriker. Zunächst war er als Dozent an der Universität Hannover tätig, ehe er nach Berlin kam und hier von 1991 bis 2006 Leiter der Kinemathek des Deutschen Historischen Museums wurde. Seit April 2006 ist Dr. Rainer Rother Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek - Museum für Film- und Fernsehen. Er ist Mitglied der Auswahlkommission für den Wettbewerb der Berlinale und Leiter der Retrospektive der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

von Hanno Fischer

In Zusammenarbeit mit dem Projekt Zukunft porträtiert berlin-magazin.info regelmäßig interessante Berliner Köpfe. Anlässlich der diesjährigen Berlinale sprach Hanno Fischer mit Rainer Rother, den künstlerischen Leiter der Stiftung Deutsche Kinemathek am Potsdamer Platz.

Das Museum für Film und Fernsehen zeigt neben Sonderschauen ständige Ausstellungen zur deutschen Film- und Fernsehgeschichte. Ist das Museum ein Ort für wehmütige Filmerinnerungen oder bietet es auch Platz für die Auseinandersetzung mit der heutigen Fernsehwirklichkeit?

Das Museum ist kein rein nostalgischer Ort. Museen leisten mehr als das Ausstellen von Vergangenheit. Wir zeigen eine Perspektive für die Zukunft auf. Die Kombination unserer beiden ständigen Ausstellungen zu den noch jungen Medien Film und Fernsehen ist einmalig in Europa. Die Ausstellungen ergänzen wir mit Workshops, Vorträgen und mit Filmvorführungen, um das Gespräch und die Auseinandersetzung mit unseren Gästen zu suchen. Wir bieten ein lebendiges Forum für Geschichte und Gegenwart des deutschen Fernsehens. Unseren Besuchern zeigen wir die Sternstunden der Programmgeschichte, bieten ihnen darüber hinaus die Möglichkeit zur eigenen Recherche und führen vor diesem Hintergrund aktuelle medienpolitische Debatten. Die Diskussion darüber, dass wir alle und insbesondere die Kinder zu viel fernsehen, haben wir mit unserer Ausstellung „Auf heißen Spuren ... Meisterdetektive im Museum“ aufgegriffen. Hier nehmen wir die Fernsehbedürfnisse der Kinder ernst und geben ihnen die Möglichkeit, spielerisch mit dem Fernsehen umzugehen und Neues zu entdecken.

Das Museum für Film und Fernsehen Gastgeber der „Zukunftsgespräche“ der Landesinitiative Projekt Zukunft. Kann das Museum mit der Diskussion über aktuelle Aspekte der Informationsgesellschaft breitere Besucherkreise ansprechen?

Die Zukunftsgespräche sind ein wichtiger Impulsgeber für die Arbeit des Museums. Dadurch, dass wir an den Diskussionen teilnehmen, schärfen wir unseren Blick für die Themen, die auch das Museum betreffen. Beispiele sind die Zukunftsgespräche zu den Themen „Handy-TV“ oder „Computerspiele“. Für ein „Museum der bewegten Bilder“ sind diese multimedialen Ausdrucksmöglichkeiten und die Diskussion darüber wichtige technologische und gesellschaftliche Geschehnisse, die wir berücksichtigen müssen.

Sind Sie mit der Unterstützung durch die öffentliche Hand zufrieden?

Als Stiftung des bürgerlichen Rechts wird die Deutsche Kinemathek zu hundert Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert. Mit der Unterstützung seitens des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sind wir sehr zufrieden, denn sie gibt uns Planungssicherheit für die Umsetzung unserer Ausstellungen und der Museumsarbeit.
Das Museum für Film und Fernsehen gehört zu den „Leuchtturm-Projekten“, die vom Bund gefördert werden. Darüber hinaus haben wir mit der Veolia Wasser GmbH einen starken Hauptsponsor an der Seite, der uns die Fernseh-Programmarbeit bis 2011 sichert.

Zu den Schätzen des Museums gehören auch die Film-Archive. Die Konservierung und Restaurierung des alten Nitrofilmmaterials ist kostspielig. Bleibt die Rettung des „Kulturgutes Film“ privaten Trägern überlassen oder ist es eine Aufgabe des Bundes?

Tatsächlich reichen unsere Mittel für die aufwändige Filmrestaurierung nicht aus. Kostspielig ist aber nicht nur die Konservierung von Nitrofilmen, auch alle Farbmaterialien und digitalen Filme müssen konserviert werden. Jüngstes Beispiel ist die aufwändige Restaurierung der Fassbinder-Verfilmung „Berlin Alexanderplatz“. Mit den Jahren hat das Filmmaterial derart gelitten, dass eine komplett neue Licht- und Farbbestimmung vorgenommen werden musste. Dank der Förderung durch den Bund ist die Filmfassung nun wieder zu sehen.

„Berlin Alexanderplatz“ ist nur ein Beispiel, auch viele weitere Filme in unseren Archiven müssen restauriert werden, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben. Die Erhaltung der Filme ist eine öffentliche Aufgabe und die Erhaltung des Filmerbes ist Sache der Länder. Mit unserem Etat können wir Ankäufe nur begrenzt tätigen, ansonsten sind wir auf Schenkungen angewiesen, denn auf internationalen Auktionen können wir nicht mitbieten.

Wie sehen Sie die Situation des deutschen Films?

Die Berlinale kann, wie andere Festivals auch, nur eine Momentaufnahme vom Zustand des deutschen Films zeichnen. Auch in diesem Jahr wird die Berlinale für den deutschen Film erfolgreich sein. Das gilt nicht nur für die Produktionen im Wettbewerb, sondern auch für andere während der Berlinale gezeigten Produktionen.

Die Oscar-Verleihung für „Das Leben der Anderen“ hat dem deutschen Film natürlich einen enormen Schub gegeben. Internationale Filmkritiker sprechen schon vom „neuen deutschen Film“, oder von einer „neuen deutschen Welle“.Für die große internationale Aufmerksamkeit sorgt sicher auch das größere Angebot an Filmproduktionen. Die stärker nachgefragte Filmförderung über Fonds führt zu einem stetig wachsenden Filmangebot. Zudem hat sich die Infrastruktur am Filmstandort deutlich verbessert und ist sicher ein Grund dafür, dass internationale Filmproduktionen den Drehort Berlin entdeckt haben.

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