Gorny Interview

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Von Downloads und CD´s: Musikindustrie im Umbruch<br><br>

Dieter Gorny ist so etwas wie das Urgestein der Popmusik und war jahrelang Geschäftsführer von Viva. Mitbegründer der Popkomm, die zunächst in Köln, jetzt in Berlin stattfindet, ist Gorny heute stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der Phongraphischen Wirtschaft. Hanno Fischer sprach mit Gorny im Rahmen im Rahmen des Projekt Zukunft.

Zur Popkomm startet die „Initiative Musik". Inwiefern wird damit ein Zeichen gesetzt, dass die Politik die Bedeutung des kreativen Sektors für die kulturelle, gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung erkannt hat?

Die „Initiative Musik“ ist der Startschuss für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft zur Förderung populärer Musik und eine Anerkennung der Musikindustrie als wichtiger Kultur- und Wirtschaftsfaktor. Ich hoffe, dass die Initiative dazu beitragen kann, das Image deutscher Popmusik im In- und Ausland weiter zu stärken und das es gelingt, konkrete Förderangebote für populäre Musik zu entwickeln.

Wie unterstützt der Phonoverband und Sie persönlich die Initiative?

Die Phonoverbände bilden die Schnittstelle zur Musikindustrie. Die „Initiative Musik“ kann auf unsere volle inhaltliche und organisatorische Unterstützung bauen. Ich persönlich werde gerne mein Wissen, mein Know-how und meine Kontakte einbringen, um die Initiative zu einem Erfolgsmodell zu machen.

Der erfolgreichste Tonträger der Welt, die CD, feiert in diesem Jahr 25jähriges Jubiläum und hat ernsthafte Konkurrenz bekommen. Musikportale im Internet, MP3 und Raubkopien setzen der Branche zu: In fünf Jahren hat die Musikindustrie mehr als 20 Prozent Umsatz verloren, bis 2010 werden weitere Rückgänge prognostiziert. Hat der Tonträgermarkt ausgedient oder belebt Konvergenz das Geschäft?

Es wäre ein Fehler, die CD heute schon abzuschreiben. Die CD macht immer noch 85 Prozent der Umsätze im Tonträgergeschäft aus und wird auch noch lange unsere wichtigste Erlösquelle bleiben. Aber wir befinden uns in einem radikalen Transformationsprozess. In der gesamten Medienbranche emanzipieren sich die Inhalte von ihren angestammten Trägermedien und Endgeräten. Für Musik bedeutet das, dass heute mehr Musik denn je gehört wird. Jetzt muss es uns nur noch gelingen, diesen Trend zu monetarisieren. Darin liegt eine große Chance, die wir nutzen werden.

Eröffnet das Internet der Musikindustire neue Vertriebswege, oder stehen Plattformen wie YouTube oder MySpace eher im Wege?

Digitalisierung, das Internet und das Web 2.0 eröffnen für die Musikindustrie völlig neue Wege. Sowohl für den Dialog mit den Kunden, wie auch für den Musikverkauf. Die Kunst liegt darin, das Neue zu tun ohne das Alte zu vernachlässigen. Die Labels testen zur Zeit viele neue Konzepte und Geschäftsmodelle. Am Ende entscheidet der Konsument, was davon erfolgreich sein wird.

Prof. Dieter Gorny
Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft
Oranienburger Straße 67/68
10117 Berlin
http://www.ifpi.de

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Zur Person:<br>Dieter Gorny

Prof. Dieter Gorny studierte zunächst in Köln Musik (Kontrabass, Klavier und Komposition), wurde Musiklehrer und spielte in mehreren Orchestern, u. a. bei den Bochumer Symphonikern und dem Wuppertaler Symphonieorchester. Er initiierte in den 1980er Jahren das Projekt „Rockförderung in Nordrhein-Westfalen“ und erteilte seit 1988 Unterricht an der Musikhochschule in Köln. 1989 erhielt er einen Lehrauftrag für die Musikhochschule in Hamburg. Ebenfalls 1989 rief Gorny die Popkomm ins Leben, die bisher deutschlandweit größte Musikmesse.

1993 gründete Gorny mit anderen Gesellschaftern den Musiksender VIVA und wurde dessen Geschäftsführer. Im Jahr 2000 wurde er Vorstandsvorsitzender der neugegründeten Viva Media AG und 2004/2005, mit der Übernahme durch den US-Medienkonzern Viacom, zu dem unter anderem auch der Konkurrenzsender MTV gehört, Executive Vice President bei MTV Networks Europe. Zum 31. Dezember 2006 gab er seinen Managerposten beim Musiksender MTV auf, obwohl er hier großzügige Freiräume hatte, wo er „gestalten, entwickeln und Ideen umsetzten“ konnte.

Seit 2004 ist Dieter Gorny Präsidiumsmitglied des deutschen Musikrats. Seit 2006 ist er stellvertretender Vorstandsvorsitzender der deutschen Landesgruppe der IFPI, der deutschen Organisation des internationalen Verbandes der Tonträgerhersteller. Als Nachfolger Hebberings wurde er Anfang 2007 zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Filmstiftung NRW benannt. Etwa zur gleichen Zeit wurde Gorny ebenfalls in den Aufsichtsrat des auf digitale Medien und IPTV spezialisierten Unternehmens I-D Media berufen. Zudem ist er seit 2005 nebenamtlicher Professor für Kultur- und Medienwissenschaft am Fachbereich Design der Fachhochschule Düsseldorf. Dieter Gorny ist künstlerischer Direktor der Ruhr 2010 GmbH, die Essen federführend für das gesamte Ruhrgebiet, als Kulturhauptstadt Europas 2010 ausrichtet. Seit November 2007 leitet er den neugegründeten Bundesverband Musikindustrie.

Gorny ist verheiratet und hat vier Kinder.

Quelle: Wikipedia

 

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