Tucholsky in Berlin

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Tucholsky in Berlin

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von Frank Tetzel

Er nannte sich Theobald Tiger, Peter Panther, Kaspar Hauserr oder Ignaz Wrobel. Unter dieser Pseudonymen schrieb Kurt Tucholsky seine teils scharfzüngigen, teils ironischen Artikel in den Gazetten der deutschen Zeitungen.

Googelt man heute den Namen Tucholsky und Berlin im Internet, steht der begnadete Schriftsteller nicht an erster Stelle, sondern ein Restaurant gleichen Names. Was hätte der Autor uns wohl dazu gesagt?

Tucholsky schrieb seit 1913 unter anderem für die "Schaubühne", die später in "Weltbühne" umbenannt wurde,  und deren Gründer Siegfried Jacobsohn zeitlebens ein menor Tucholskys bleiben sollte. Außerdem veröffentlichte er im "Berliner Tagblatt", im "Vorwärts" und in der "Vossischen Zeitung".

Der  politisch pointierte Autor lebte seit 1930 in der Nähe von Göteborg, nicht zuletzt, weil  er hellsichtig genug  die nationalsozialistische Gefahr in Deutschland aufziehen sah. Diese verboten nach der Machterübernahme umgehend die "Weltbühne" und verbrannten die Bücher Tucholskys.

Der Autor krank, resigniert und depressiv nahm sich mit einer Überdosis Schlaftabletten am 20. Dezember 1935 das Leben.

Nele Lenze hat für den Berlin Story Verlag als Herausgeberin die Tucholskytexte neu editiert. Schon seit ihrer Jugend beschäftigt sich die studierte Judaistin, Jahrgang 1981, mit Tucholsky und der Berliner Geschichte. Sie stieg tief in die Archive ein, um die besten und interessantesten herauszusuchen. Tucholsky war ein Vielschreiber. Er beschreibt Tanzbälle, die höhere Gesellschaft, einfache Leute wie Straßenbahnfahrer und natürlich immer wieder auch Politik.

Eine kluge Zusamenstellung der Texte, die zeigt, dass die Sprache Tucholskys und selbst manch ein Thema nicht veraltet ist, sondern immer noch die Frische der Entstehungszeit versprüht.

Der alte Fahrer
Vorwärts, 10.10.1913

Da sagen die Leute immer, der moderne Verkehr hebe alle Poesie auf. Das ist
gar nicht wahr. Ich meine nicht die Romantik der Eisenbahnen, eines Bahnhofs
bei Nacht und all der Dinge, in denen Gott Maschine eine beängstigende Rolle
spielt. Nein, auch die Idylle ist noch nicht ausgestorben.
Ich stand vorn auf der Plattform eines Wagens der elektrischen Straßenbahn
zu Berlin. Ich war mit dem Fahrer allein, – und wir sausen so die schnurgerade
Straße herauf bis zur Haltestelle. Da stieg ein Mann auf, mit einem fröhlichen,
roten Gesicht, blauen Augen, in ganz anständiger Kleidung.

Wir fuhren weiter. ... »Na«, sagte auf einmal der Mann zu dem Fahrer,
»ick habe auch ma jefahren bei euch!« – Das durfte er aber gar nicht
sagen, denn die Unterhaltung ist strengstens verboten. Er tats aber doch.
Und der Fahrer überschritt seinerseits auch die Schweigevorschrift,
drehte sich interessiert um und sprach: »So? – Wo denn?«
Der andere nannte die Linie, und gleich begannen sie sich über die
Einzelheiten des Dienstes zu unterhalten, über die strengen
Vorgesetzten, über die Gewohnheiten, die Handgriffe des Personals,
– und es hagelte Fachausdrücke und mir unverständliche Abkürzungen ...
Der Wind pfiff uns um die Ohren, – alles konnte ich nicht hören.
Aber einmal, da leuchteten dem Zivilisten die Augen. Sie sprachen von
der Schnelligkeit der verschiedenen Wagen. – Das hatte ich nun wieder
nicht gewußt, daß nicht alle Wagen gleich schnell fahren.
Nein, das taten sie nicht, »Mensch«, sagte er, »wie fährt denn die
Nummer 6784?«– Die Nummer wußte er auch noch! – »Das war ein Renner!«
– Und von 6714 wußte er noch und von 6857 und 4582 – das waren die
Wagennummern, die hatte er behalten!
– Und als sie alle alten Erinnerungen ausgetauscht hatten, – da bat er
den Kollegen: »Laß mich doch noch einmal fahren!«
– Und weil er gar so bat, tat der’s – obgleich er geflogen wäre, wenn’s
herausgekommen wäre.
Und stolz trat der Zivilist an den Führerstand und drehte die Kurbel und
bremste und ließ den Wagen laufen, wie dunnemals, als er noch Fahrer war.

berlin-magazin.info Bewertung +++

Nele Lenze (Hg.)
Tucholksy in Berlin. Gesammelte Feuilletons 1912-1930
Dezember 2007, Berlin Story Verlag
160 Seiten, ca. 20 Abbildungen
Broschur
ISBN 978-3-929829-71-6
14,95 €

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