Berliner Friedhöfe

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Gartendenkmal in Berlin: Friedhöfe

Jörg Haspel / Klaus von Krosigk

von Katrin Müller de Gámez

Als 27. Band der Reihe Denkmalpflege in Berlin ist gerade ein wunderbares, 2,1 kg schweres  Buch erschienen, dass 79 (!) als Gartendenkmal unter Schutz gestellte Friedhöfe in Berlin dokumentiert. Zudem wird die Entstehungsgeschichte einer großen Anzahl unterschiedlichster Grabstätten kurz beschrieben. Fotos, historische Aufnahmen, Pläne und Ansichten illustrieren diese Berliner Begräbnisstätten seit dem 13. Jahrhundert.

Berlin besitzt zur Zeit 224 geöffnete und geschlossene Friedhöfe auf einer Fläche von insgesamt 1176 Hektar. Da durch einen großen Rückgang der Sterbefälle in den letzten Jahrzehnten, die immer bedeutsamer werdende Urnenbestattung und die starke Zunahme von anonymen Beerdigungen – gut ein Drittel der Urnenbeisetzungen – werden in naher Zukunft gut 700 Hektar Friedhofsland überflüssig.

Meist handelt es sich um Grundstücke „in bester Lage“. Daher ist es dringend erforderlich, die geschichtliche, kunsthistorische und soziale Bedeutung der existierenden Begräbnisstätten einem größeren Publikum bekannt zu machen und so deren Existenz vor Begehrlichkeiten aus der Immobilienbranche zu schützen. Das vorliegende Buch erfüllt diese Voraussetzung im besten Sinne.

Kulturgeschichte über lange Zeiträume hinweg lässt sich an den Friedhöfen ablesen. Die Vielfalt im Grabstättenbau, mit all den Skulpturen, Inschriften und Materialien zeigt die Abfolge der Kunststile und Moden der Jahrhunderte. Friedhöfe als Erinnerungsorte sind Teil der Berliner Geschichte, ihrer Bewohner, ihrer Ereignisse. Auf manchen Friedhöfen liegt das ‚Who is who’ ganzer Epochen.

Ob Gottesacker, Totenfeld, Kirchhof, Begräbnisplatz oder Friedhof, nie sind es nur Stätten der Trauer und des Gedenkens. Es sind ebenso Stätten lebendiger Geschichte, Orte der Besinnung, geeignet für lehrreiche, unterhaltsame und erholsame Spaziergänge. Ob im Wald gelegen, zwischen Häuser gequetscht, mit oder ohne Kirchenanbindung, Friedhöfe gehören einfach dazu. Das Buch mit der sehr gut zu lesenden Einführung, bietet einen rasanten Ritt durch die Berliner Friedhofs- und Begräbnisgeschichte.

Dabei erfährt der Leser unter anderem, dass die „gepflegten und ansehnlichen Begräbnisplätze“ auf Martin Luther zurückgehen und vor seiner Zeit Friedhöfe eher wüste Trauerorte mit ungeordneten Beisetzungen waren. Erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts kam es zu planmäßig angelegten Feldereinteilungen, wo Schritt für Schritt die Grabquartiere genutzt wurden und eine angemessene Begrünung zur Harmonie beitrug. Auch die Tatsache, dass es eine Zeit gab, zu der auf den Friedhöfen die Maulbeerbäume für die einstmals angesagte Seidenraupenzucht gepflanzt wurden, kann dem Buch entnommen werden. Die Pflege der Bäume oblag den jeweiligen Pfarrern. Dies und vieles mehr macht die Lektüre reizvoll und weckt die Lust, die beschriebenen – und auch die anderen – Friedhöfe Berlins zu besuchen.    

Eine umfangreiche Liste mit weiterführender Literatur, ein Grabstättenverzeichnis, ein Künstler- und Firmenregister sowie ein Glossar und eine Symbolik-Erklärung runden den Band hervorragend ab.

Wahrlich ein (Kunst)-Werk, das für Kultur-, Garten- und Kunsthistoriker ebenso spannend ist wie für den Berlin-Flaneur und Liebhaber alter Friedhöfe. Ein einziges Manko hat das Buch: als ‚Reiseführer für die Tasche’ zu den beschriebenen Orten ist der Wälzer ob seines Gewichtes leider nicht geeignet. Daher ist es unmöglich, mit dem Buch in der Hand über die Friedhöfe zu schlendern, sich unter einem schattigen Baum auf eine Bank zu setzen und in der erholsamen ‚Friedhofsruhe’ die entsprechenden Textpassagen nachzuschlagen.

KMdG

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