Raubritter

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Raubritter und Reformation

Die wirkliche Macht lag in den Händen des einheimischen Adels. Kriege, Raubrittertum, Wegelagerei und Fehderecht beherrschten für ein Jahrhundert das Land. Benachbarte Fürsten erhoben Ansprüche auf Landesteile.

Um sich gegen die Gefahr zu wehren, wurde die Stadt Mitglied im Hansebund, da sich die Kaufleute durch eine Städtegemeinschaft einen besseren Schutz der Stadt und ihrer Warentransporte versprachen.

Eine Zeitlang trieben es die räuberischen Edelleute so schlimm, dass die Berliner keinen anderen Rat wussten, als sich mit ihnen zu verbünden und Schutzgeld zu zahlen, um von Überfällen verschont zu bleiben.

Trotz dieser Hemmnisse wuchs die Stadt bis auf rund sechstausend Einwohner, für das Mittelalter eine sehr beachtliche Zahl. Bislang war sie eine Bürgerstadt gewesen, kein Landesherr hatte ihre Freiheit eingeschränkt.

Mit dem Jahr 1440 war das vorbei. Schon 25 Jahre zuvor hatten die Hohenzollern, die vormals Burggrafen in Nürnberg waren, vom Kaiser die Mark Brandenburg als Lehen bekommen. Die Hohenzollern blieben über Jahrhunderte: Zunächst als Markgrafen, dann als Kurfürsten, später als Könige in und von Preußen - bis 1918.

Doch zu Beginn war die Macht des Nürnberger Grafen Friedrich VI. nicht so groß, Berlin „unter die Finger zu bekommen“, war er doch lange genug mit dem Kampf gegen die räuberischen Ritter wie die von Bredows, von Quitzows, von Rochows oder dem Gans zu Putlitz beschäftigt gewesen.

Bezeichnenderweise ist die Einstellung der Geschichtswissenschaft zum Thema der Raubritter differenzierter. Das Land stöhnte in der Tat unter der Wegelagerei und den Plünderungen des Adels, sie konnte sich aber nur durch das Vakuum bilden, das sich im Übergang zwischen dem Askanierhaus und den Hohenzollern gebildet hatte. Zum anderen waren es die Adligen, die die Landesherrschaft bei der Kolonialisierung der Mark Brandenburg am stärksten unterstützt hatten. Drittens gab es im Mittelalter durchaus das Recht zur bewaffneten „Fehde“ unter den Rittern.

Von Nürnberg nach Berlin
1440 nun unterwarf der Sohn Friedrichs VI., Friedrich II., die Doppelstadt. Der Volksmund nannte ihn ob seiner Härte, die er an den Tag legte, „Eisenzahn“.

Das gemeinsame Rathaus der Doppelstadt wurde zum Sitz des landesherrlichen Gerichts umfunktioniert, die gemeinsame Verwaltung aufgehoben, der Grundstein für ein kurfürstliches Schloss in Cölln gelegt. Diese Maßnahmen gingen nicht ohne Gewalt vor sich: Schließlich waren die Berliner Bürger seit jeher bestrebt gewesen, ihre Rechte und die städtische Selbstverwaltung zu verteidigen. Doch lange hielten die Berliner Friedrich und seinen militärischen „Mannen“ nicht stand. 1442 stürmten sechshundert Reiter die Stadt.

Gut fünfhundert Jahre lang wird Berlin unter der Herrschaft der Hohenzollern bleiben.

Zwar begehrten die Bürger noch einmal auf, als sich nämlich nach Abschluss der Bauarbeiten das Schloss als Zwingburg herausstellte, doch auch dieser Aufstand wurde militärisch niedergeschlagen.

Der Kurfürst verbot der Stadt die Mitgliedschaft in der Hanse. Leipzig und die Leipziger Messe entzogen Berlin einen großen Handelsanteil, die Aufgaben der Elbschifffahrt wurden von den Hamburger Schiffergilden übernommen, nachdem die Berliner Gilde aufgehört hatte zu existieren.

Aus der aufstrebenden Stadt Berlin wurden wieder zwei arme und mickrige Landstädte an der Spree, die mehr oder weniger zur Bedeutungslosigkeit versanken.

Cölln wird Residenz
Da half es auch nicht viel, dass Cölln an der Spree 1470 Residenzstadt der Kurfürsten wurde. Die Stadt entwickelte zwar im Laufe der nächsten hundertfünfzig Jahre den bescheidenen Wohlstand einer mittleren deutschen Residenz, doch der große „Durchbruch“ gelang nicht.

Die Nachfrage nach Gebrauchs- und Luxusgütern stieg zwar an, und mehrere Handwerkern und Kaufleuten kamen als Neubürger nach Berlin. Doch für einen wirtschaftlichen Aufschwung waren diese Entwicklungen viel zu schwach.

Reformation
Am 1. November 1539 empfing der damalige Kurfürst Joachim II. in der Spandauer Nikolaikirche das Abendmahl in beiderlei Gestalt, das heißt nach katholischem und protestantischem Ritus. Die Reformation hatte ohne Blutvergießen in Berlin Einzug gehalten.

 

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