Chinesen in Berlin

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Chinesen vor der Siegessäule, historisches Foto © Heimatmuseum Charlottenburg

Chinesen in Berlin, wer denkt da nicht zuerst an „Ente süss-sauer" oder „Rindfleisch mit Nudeln" - Vielfach werden und wurden die Chinesen in Berlin über das Thema Gastronomie wahr genommen. Dabei kamen die ersten Chinesen schon Anfang des 19. Jahrhunderts an die Spree.

Berlin – Stadt der Kiefernwälder, nennen die Chinesen Berlin. Der Austausch zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Kulturen kam nur schwer in Gang. Die ersten Chinesen, die in Berlin bekannt wurden, hießen Assing und Haho. Sie waren Anfang des 19. Jahrhunderts eine Sensation und wurden gegen Bezahlung in der Berliner Behrensstraße zur Schau ausgestellt.

Später wurden sie Teediener am preußischen Hof Friedrich Wilhelm III. in Potsdam. Assing kehrte 1829 nach China zurück, während Haho vom König eine Villa in Potsdam geschenkt bekam.

Der eigentliche Austausch wurde jedoch vor allem durch Studenten in Gang gesetzt- 1881 traten zehn Studenten der Hochschule für Schiffbau von Fuzhou die lange Reise an die Spree an, um sich in Berlin ausbilden zu lassen.

Deutsche Interessen in China
Das Deutsche Reich hatte, was China anging, sehr eigennützige Interessen, wollte man doch auch, wie die europäischen Nachbarstaaten Deutschlands, „einen Platz an der Sonne“, sprich Kolonialgebiete haben.

Das Deutsche Reich engagierte sich im kleinen Fischerdorf Tsingtao, das als deutsches Pachtgebiet zu einer der modernsten Städte Chinas ausgebaut wurde. Der Geheimbund der „Boxer“ wendete sich gegen alles Fremde, besonders gegen christliche Missionare. Es kam zu blutigen Ausschreitungen, auch der deutsche Botschafter Klemens von Ketteler wurde ermordet. Das deutsche Reich beteiligte sich an einer Strafexpedition und Kaiser Wilhelm machte sich durch die sogenannte „Hunnenrede“, in der er seine Truppen zu einem extrem scharfen Vorgehen in China aufrief, keine Freunde.

Dennoch gab es inzwischen ein recht reges Interesse von Chinesen an Berlin. 1902 waren rund 120 Chinesen an den Universitäten und Hochschulen eingeschrieben.

Zwischenkriegszeit
Vor allem in der Zwischenkriegszeit kamen viele bekannte Chinesen nach Berlin, um hier zu studieren.

Der Geist von Marx und Engels hatte sich auch in China verbreitet, und einige studentische Anhänger wollten deren Werke in ihrem Ursprungsland studieren.

 

Chinesen vor dem Restaurant Nanking in der Kantstraße in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Charlottenburg und Wilmersdorf waren beliebte Stadtteile für die chinesischen Studenten. @ Heimatmuseum Charlottenburg

„Anfang September 1922 ging Zhu De auf das französische Schiff ‚Algier’. Im Haus eines chinesischen Kaufmanns in Paris, wo die beiden Freunde sich einlogierten, hörten sie von einer Gruppe Studenten, die soeben eine Sektion der Kommunistischen Partei Chinas gegründet hatten. Voller Neugier erkundigte sich Tschu bei seinem Gastgeber.

Der Hauptorganisator dieser Gruppe war, wie er erfuhr, ein Student namens Tschou En-lai. Zhu Dhe bestieg den Zug und kam Ende Oktober 1922 in Berlin an.

Sogleich suchte er Tschou En-lai auf. Nachdem Zhu Dhe die Geschichte seines Lebens erzählt hatten, sagte Tschou En-lai mit einem flüchtigen Lächeln, er werde ihm helfen, ein Zimmer zu finden und dafür sorgen, daß er der kommunistischen Gruppe in Berlin als Kandidat beitreten könnte.", so heisst es in einer Chronik.

Zhu De kam jedoch mit den Behörden in Konflikt, weil er an einer verbotenen Demonstration teilgenommen hatte, und wurde ausgewiesen.

Hängengeblieben auf dem Weg nach Moskau
Im übrigen sind viele chinesische Studenten, die eine Vorliebe für Paris hatten und nach Moskau, in der Keimstätte der Revolution wollten, in Berlin hängen geblieben. Neben idealen Studienbedingungen fanden sie hier und recht gute Wohnbedingungen, denn die Revolutionäre waren überwiegend Söhne und Töchter des gehobenen chinesischen Bürgertums.

Tschou selbst lebte im bürgerlichen Wilmersdorf, gab eine revolutionäre Zeitung heraus.

Der Trotzkist Zheng Chaolin, der 1923 von Paris nach Moskau siedelte und zwischenzeitlich in der Charlottenburger Kantstraße zur Untermiete wohnte, notierte in seinen Erinnerungen mit dem Titel „Siebzig Jahre Rebell": „In Frankreich habe ich nie in einer so schönen Wohnung gewohnt; aber nicht nur ich, sondern alle Studenten haben niemals in Frankreich in einer so hübschen Wohnung gewohnt. Die Vermieterin war eine Offizierswitwe; … um ihr Einkommen aufzubessern, vermietete sie die besten Zimmer an Ausländer."

Präsidentenwitwe im Wilmersdorfer Exil
Eine der damals bekanntesten Chinesinnen war Song Quingling, die nach dem Tod ihres Mannes, des Republikgründers Dr. Sun Yatsen, 1925 und der Niederschlagung der chinesischen Revolutionsbewegung 1927, nach Berlin ins Exil ging. Sie lebte in der Lietzenburger Straße in Wilmersdorf. In Berlin blieb sie bis 1932.

Ihre Sekretärin Hu Lanqi wurde Freundin von Anna Seghers. Seghers hatte unter anderem die chinesische Sprache studiert und beide hatten sich über den „Zirkel für chinesische Sprache", den die KP in Berlin unterhielt, kennergelernt. Nach dem Reichtstagsbrand landete Lanqui als Kommunikstin im Berliner Frauengefängnis, wo sie drei lange, quälende Monate bleiben musste. Über diese schreckliche Zeit veröffentlichte sie 1937 ein Buch unter dem Titel „In einem deutschen Frauengefängnis".

 

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Ausstellung zum Thema:

Bis zum 4. November ist im Heimatmuseum Charlottenburg
die Ausstellung "Chinesen in Berlin" zu sehen.

Öffungszeiten: Di-Fr 10:00 - 17:00Uhr,
So 11:00 -17:00 Uhr
Der Eintritt ist frei.

 

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