Bunzlauer Keramik am Hohenzollerndamm

Anzeige

Schwämmeln und Sumpfen: Bunzlauer Keramik

Familie Kannegießer und Mitarbeiterin Sabine Mendyka (li.) Foto: Claudia Niessen

von Claudia Niessen

Seit 1958 wird in dem kleinen Geschäft am Hohenzollerndamm mit traditionellem Bunzlauer Porzellan gehandelt. Der Fabrikdirektverkauf ist weit über die Grenzen Berlins bekannt.


Die Geschichte der Firma, der besonderen Keramik, die eng mit der Familiengeschichte des Inhabers verwoben ist, erzählt Andreas Kannegießer. Zusammen mit seinem Vater führt der gelernte Töpfermeister die Keramikmanufaktur in Sachsen. Auf seinem Weg von Neukirch bei Bautzen nach Rheinsberg hat er für uns einen Zwischenstopp im Berliner Geschäft eingelegt.

Direktverkauf in Berlin


Der große Kombiwagen mit dem Bautzener Kennzeichen hält vor dem Laden am Hohenzollerndamm. Er ist bepackt mit Keramik, Katalogen und einem Teil der Familie. Partnerin Silke und der sechs Monate alte Martin fahren mit nach Rheinsberg zu Fachgeschäften.

„Im Mai 2006 haben wir den Direktverkauf hier in Wilmersdorf vom ehemaligen Besitzer Werner Heise übernommen, nachdem wir im Jahre 2005 seine Marke, die Heise-Original Bunzlauer Keramik gekauft hatten. Unter der Dachmarke Saxonia Feinsteinzeug-Manufaktur stellen wir beide Marken her.

Die Kannegießer- und die Heise-Keramik sind einander ähnlich und stehen beide in der Bunzlauer Tradition. Bunzlau selbst liegt seit dem Ende des zweiten Weltkriegs in Polen – Boleslawiece heißt es heute. Dort war früher auch die Keramikfachschule.“ Im Café, das wir aufgesucht haben, erzählt Andreas Kannegießer und breitet dabei Kataloge aus, um die Vielfalt der Produktion zu illustrieren. „Etwa 450 verschiedene Artikel mit über 50 Dekoren sind es inzwischen, allein in der Heise Linie“, berichtet der Töpfermeister. Der jüngste Kannegießer genießt sein Fläschchen und sitzt entspannt im Kinderwagen, als kenne er die ganze Geschichte schon.

Gerhard Kannegießer in der Manufaktur (Foto: Saxonia)

Firmentradition

1824 wurde die heutige Kannegießer Manufaktur in Neukirch begründet. Ein Töpferwandergeselle brachte damals die Lehmglasur als Neuheit mit in den Ort, gründete Familie und die Töpferei. 1910 übernahm Urgroßvater Kannegießer den Betrieb, der jetzt mit Andreas in vierter Generation geführt wird. Inzwischen ist die Werkstatt zu einer viergeschossigen Produktionsstätte angewachsen. Mehr als vierzig Mitarbeiter sind dort tätig, darunter viele Familienmitglieder und neun Auszubildende. „Zu DDR-Zeiten beschäftigten wir weniger als zehn Angestellte und wurden so nicht verstaatlicht“, erinnert er sich.

„Zweimal im Monat hatten wir Verkaufstage. Die Käufer begannen sich am Vortag anzustellen und verteilten Nummern untereinander. Wir sorgten immer dafür, dass jeder etwas bekam.“ Nach der Wende vergrößerte sich der Betrieb und die Kannegießers bemühten sich um eine weltweite Vermarktung ihrer Produkte. So knüpfen sie nicht nur Kontakte zu Rheinsberg sondern bis nach Tokio. „Für Japaner hat Handarbeit einen hohen Stellenwert“, weiß Andreas Kannegießer. „Sie wollen typisch Deutsches haben, nicht extra für den japanischen Raum gefertigte Ware.“ Eine Besonderheit leistet sich die Kannegießer Manufaktur. Sie beschäftigt eine Designerin. Mit ihr zusammen entwickelt Andreas Kannegießer neue Ideen und Trends.

Der Blütenkranz ist neu in der Kollektion (Foto: Saxonia)

„Zweimal im Monat hatten wir Verkaufstage. Die Käufer begannen sich am Vortag anzustellen und verteilten Nummern untereinander. Wir sorgten immer dafür, dass jeder etwas bekam.“ Nach der Wende vergrößerte sich der Betrieb und die Kannegießers bemühten sich um eine weltweite Vermarktung ihrer Produkte. So knüpfen sie nicht nur Kontakte zu Rheinsberg sondern bis nach Tokio. „Für Japaner hat Handarbeit einen hohen Stellenwert“, weiß Andreas Kannegießer. „Sie wollen typisch Deutsches haben, nicht extra für den japanischen Raum gefertigte Ware.“ Eine Besonderheit leistet sich die Kannegießer Manufaktur. Sie beschäftigt eine Designerin. Mit ihr zusammen entwickelt Andreas Kannegießer neue Ideen und Trends.

Die Schwämmeltechnik wird hier noch gepflegt (Foto: Saxonia)

Was ist "Schwämmeln"?

„Die Schwämmeltechnik ist die für die Bunzlauer Keramik bekannteste Methode, Farbe auf die Gefäße aufzubringen“, erklärt der Töpfermeister. Es funktioniert wie Kartoffeldruck. Inzwischen werden bestimmte Motive und Muster in Naturschwamm geschnitten. Ein Schwamm kann viel besser die Farben aufnehmen. Die Muster werden in Handarbeit auf die Töpferwaren ’gedruckt’. „Diese Technik entstand vor 1900, als das Blechgeschirr aufkam und eine Absatzkrise in der Keramik drohte. Die Töpfer, die damals hauptsächlich Bauern in der Produktion beschäftigten, suchten nach einer schnell erlernbaren Technik, die Farbe aufzubringen. Das ’Schwämmeln entstand.

Die Masse macht’s

„In der Keramik ist die Masse das A und O.“ Andreas Kannegießer spricht über den Grundstoff Ton. „Wir arbeiten mit einer sehr dichten Masse. Das hat für manche den Nachteil, dass alle eventuellen Fehler in der Produktion hervortreten. Sie lassen sich nicht verheimlichen. Wir können aber mit diesem Grundstoff sicher sein, dass unsere Bunzlauer Keramik den heutigen Ansprüchen wie unter anderem ’Spülmaschinenfest’, gerecht wird.“

Der Töpfer ist stolz darauf, dass ihre Manufaktur eine der wenigen im Land ist, die die Masse selbst herstellt. „Es ist schwere körperliche Arbeit“, beschreibt er den Vorgang. „Früher wurde das alles in einer Grube ‚gesumpft’ – so nennen wir das – Ton und Wasser, eine Schicht auf der anderen durchgeknetet, bis eine plastische Masse entstand.

In den 30er Jahren hatte mein Großvater eine kleine Tonaufbereitungsmaschine gekauft, die ähnlich einem Fleischwolf funktionierte. In den 60er Jahren baute er dann eine Anlage ein, um die Körnung zu verfeinern. Das ist am ehesten mit einer Fruchtpresse zu vergleichen.

So konnte man Verunreinigungen wie Steinchen und kleine Äste leichter entfernen. Zurück blieb der gut knetbare Ton.“ Die ganze Mühe lohnt, da ist er sicher. Er verrät auch, dass der jetzt verwendete Ton eine Mischung aus elf europäischen Rohstoffen ist.

Handwerk dauert

„Um ein Gefäß herzustellen, muss die Masse erst einmal ein halbes Jahr gelagert werden.“ Wenn ein Gefäß gedreht oder gegossen wird, trocknet es einen Tag, bevor ein Henkel angebracht werden kann. Dann trocknet das wieder zwei Wochen an der Luft. Jetzt erst kann das Dekor aufgetragen werden. Es wird vorgebrannt bei 900 Grad, einen Tag ausgekühlt und erhält dann die, das Dekor schützende Glasur. Bei 1260 Grad kommt es ein letztes Mal in den Brennofen und braucht einen weiteren Tag, um auszukühlen. Abschließend wird der Boden des Gefäßes geschliffen und - das Bunzlauer Geschirr ist fertig.

Zurück im Laden bewundern wir noch einmal die Bunzlauer Keramik, auf die Familie Kannegießer und Mitarbeiterin Sabine Mendyka mit Recht stolz sein können. Da stehen, liegen und hängen die unterschiedlichen Gefäße. Keines verrät den langen mühevollen Weg, den es gegangen ist, bis es hierher gefunden hat. Kleine Kostbarkeiten sind entstanden.

Heise Original Bunzlauer Keramik
Hohenzollerndamm 197
10717 Berlin
Tel.:  030 - 8732957

comments powered by Disqus
Anzeige

Bunzlauer Keramik

Bunzlauer Keramik werden keramische Erzeugnisse aus der Stadt Bunzlau in Niederschlesien (heute poln. Bolesławiec) und ihrer Umgebung bezeichnet. Sie hatte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine große wirtschaftliche Bedeutung und war darüber hinaus mit ihrem typischen Dekor stilbildend.

Ein besonderer Vorzug dieser Tonwaren, zum Beispiel im Vergleich zu Höhr- Grenzhausen / Westerwald, war ehedem ihre Feuerfestigkeit. Damit konnten aus diesem fast weiß bis leicht ocker brennenden Scherben Koch- und Schmortöpfe sowie Kannen zum Warmhalten der Getränke auf der Herdplatte hergestellt werden.

Bunzlauer Keramik, vor allem das Braunzeug, fand weite Verbreitung, nicht nur in Deutschland, sondern wurde auch nach Skandinavien, England, Holland, die Schweiz, selbst nach Übersee exportiert.

Der Vorzug der Feuerfestigkeit verlor allerdings mit der Einführung von emaillierten Gusseisen- und Stahlblechtöpfen und schließlich von solchen Gerätschaften aus Aluminium zum Beginn des 20. Jahrhunderts weitgehend an Bedeutung. Auch manches andere wurde durch neue Formen der Lebensmittelversorgung überflüssig: Vorratsgefäße verloren ihre Bedeutung durch bessere Versorgungswege, insbesondere in den Städten. Essensträger für die Land- und Fabrikarbeiter wurden schließlich nicht mehr benötigt.

Neuerungen im Töpferhandwerk förderte die 1898 in Bunzlau nach österreichischem Vorbild gegründete Königliche, später Staatliche Keramische Fachschule. Bis zuletzt gab es neben der industriellen Fertigung in Bunzlau und Umgebung eine Vielzahl von Handtöpfereien in Familienbesitz, die auf der Scheibe drehten bzw. in Gipsformen gossen. In unmittelbarer Konkurrenz zu den Töpfereien in der Stadt Bunzlau standen die Werkstätten in der Nachbarschaft, die durch abgewanderte Töpfer gegründet wurden (z. B. in Naumburg am Queis, Tillendorf, Ullersdorf).

Der Erfolg der Bunzlauer Keramik führte zu Nachahmungen in anderen Töpferorten, die dann auch unter diesem Gattungsnamen verkauft wurden. Die Töpfer in Bunzlau und Umgebung versuchten sich deshalb mit dem Markenstempel „Original Bunzlau“ zu schützen. Herstellermarken findet man vorzugsweise auf den mehr industriell gefertigten Produkten; auf älteren, insbesondere auf der Töpferscheibe gedrehten Tonwaren fehlen sie.

Mit der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung Niederschlesiens fand die Produktion ein jähes Ende. Altes Bunzlauer Geschirr ist heute noch in vielen Haushalten und auf Flohmärkten und Auktionen zu finden.

Quelle: Wikipedia

Anzeige