Ephraim-Palais

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Ephraim-Palais: Von der Apotheke übers Palais zum Museum

Die Geschichte des Ephraim-Palais ist auch eng mit der jüdischen Geschichte Berlins verknüpft (Foto: elxeneize - Fotolia.com)

Die Geschichte des Ephraim-Palais ist verbunden mit der Person des Namensgebers Veitel Heine Ephraim. Dessen Bedeutung wird erst verständlich, wenn man sie in Zusammenhang sieht mit der Situation der Juden in Preußen zur Zeit Friedrichs II. – und den ständigen Geldnöten des Königs. Dieser hatte die Judenschaft in seinem Land in sechs Klassen eingeteilt, von den reichsten, die faktisch alle Bürgerrechte hatten, bis zu den beinahe rechtlosen Dienstboten; noch darunter rangierten die heimatlosen Betteljuden, die immer wieder aus dem Land vertrieben wurden.

Ephraim gehörte zu den privilegierten Schutzjuden des Königs. Er hatte als vermögender Händler und Bankier schon dem Kronprinzen, dem späteren König Friedrich II., Geld geliehen und sich dadurch dessen Wohlwollen gesichert. Später finanzierte er zu einem großen Teil die Feldzüge Friedrichs. Auf Befehl des Königs verringerte er die Qualität der Silbermünzen und übernahm – auch auf königliche Anordnung – die Verantwortung dafür. Die Bürger reagierten mit Spottversen: „Außen Silber, innen Zinn / außen Friedrich, innen Ephraim“, diese geringwertigen Münzen wurden Ephraimiten genannt.

Er erwarb als Münzpächter, Eintreiber von Kriegskontributionen in besetzten Gebieten, als Hofjuwelier und durch andere Geschäfte ein gewaltiges Vermögen. Einen Teil des Geldes investierte er in Manufakturen und Fabrikationsstätten und förderte so die wirtschaftliche Entwicklung Berlins. Um seiner Position entsprechend repräsentieren zu können, kaufte er 1762 das Stadthaus einer Berliner Familie und ließ es vollständig umbauen.

Auf dem Grundstück Poststraße/Ecke Mühlendamm stand einst die älteste Apotheke Berlins. Ephraim beauftragte den Architekten Friedrich Wilhelm Diterichs damit, hier ein ansehnliches Stadtpalais zu errichten. Diterichs war seit 1742 Oberbaudirektor in Berlin und hatte wichtige Bauten errichtet, darunter die Bethlehemkirche und das Prinzessinnen-Palais. Zwischen 1762 und 1769 entstand nun ein viergeschossiges Gebäude, dessen beide Flügel in einem stumpfen Winkel aufeinander stoßen.

Die schwierige Verbindung der Gebäudeteile gestaltete der Architekt als abgerundete Ecke, der ein Balkon vorgelagert ist, reich verziert mit einem filigranen, vergoldeten Gitter und mit Puttenfiguren und getragen von toskanischen Säulen, die ebenerdig das Hauptportal einrahmen. Diese Doppelsäulen setzen sich in der vertikalen Gliederung der Fassade fort; den Abschluss nach oben bildet eine mit Vasen besetzte Balustrade. Das charakteristische Motiv der gerundeten Ecke wird im Inneren aufgenommen. Dort werden die Räume der Seitenflügel über eine ovale Vorhalle erschlossen, dahinter liegt ein helles, ebenfalls ovales Treppenhaus mit spiralförmig ansteigenden Stufen. Die elliptische Form findet sich auch im Festsaal des Hauptgeschosses wieder.

Der Bauherr Ephraim wohnte selbst im Palais, vermietete aber auch Teile des Gebäudes; er starb 1775. Im 19. Jahrhundert befanden sich hier Dienstwohnungen von Polizeioffizieren und das Einwohnermeldeamt. 1892–1895 wurde eine Erweiterung durch den Architekten Hermann Blankenstein vorgenommen.

Als die Abtragung des Mühlendamms und seine Ersetzung durch die Mühlendammbrücke beschlossen worden war, wurde das gesamte Gebäude 1936 abgetragen. Das Grundstück diente als Zufahrt zu einer Behelfsbrücke, die den Verkehr während der Bauarbeiten aufnahm. Die Fassade und einzelne Bauteile wurden im späteren West-Berlin eingelagert und überstanden dort den Zweiten Weltkrieg. Zeitweise war beabsichtigt, das Palais an einem neuem Standort in der Kreuzberger Lindenstraße wieder aufzubauen und als Museumsgebäude für die geplante Jüdische Abteilung des Berlin-Museums zu verwenden.

Dieser Plan ließ sich nicht umsetzen, da sich die Konstruktionsunterlagen in Ost-Berlin befanden. Als in Vorbereitung der 750-Jahr-Feier Berlins mit dem Bau des Nikolaiviertels in Berlin (Ost) begonnen wurde, beschloss das Abgeordnetenhaus in Berlin (West), die erhaltenen Bauteile zur Verfügung zu stellen. Die DDR übergab als Gegenleistung unter anderem das Archiv der KPM an West-Berlin. Unter Leitung des Architekten Franz Klinger wurde das Ephraim-Palais 1985-1987 weitgehend originalgetreu wieder aufgebaut, etwa 12 m neben dem ursprünglichen Standort.

Die Innenräume erhielten eine Ausgestaltung mit vereinfachter Rokoko-Ornamentik. Ein Raum im ersten Stock enthält die Kopie einer von Andreas Schlüter gestalteten Decke aus dem 1889 abgebrochenen Wartenbergschen Palais. Nach rund vierjähriger Bauzeit fand am 19. Mai 1987 die feierliche Wiedereröffnung des Ephraim-Palais statt, nun als Teil des Märkischen Museums. Später wurde es der Stiftung Stadtmuseum Berlin eingegliedert. Auf drei Etagen werden wechselnde Ausstellungen zur Berliner Kunst- und Kulturgeschichte gezeigt. Das Haus beherbergt außerdem die Graphische Sammlung des Stadtmuseums.

Bevor Ephraim sein Palais baute, befand sich an dieser Stelle die älteste Apotheke Berlins (Foto: elxeneize - Fotolia.com)

Nützliche Informationen

Ephraim-Palais
Adresse
Poststr. 16
10178 Berlin - Mitte
030-24 002-162

Öffentliche Verkehrsanbindung
U-Bahn: Klosterstr., Alexanderplatz
S-Bahn: Alexanderplatz
Bus: M 48, 248 Tram: M2, M4, M5, M6

Öffnungszeiten
Montag       geschlossen
Dienstag      10 - 18 Uhr
Mittwoch       12 - 20 Uhr
Donnerstag      10 - 18 Uhr
Freitag      10 - 18 Uhr
Samstag      10 - 18 Uhr
Sonntag      10 - 18 Uhr
(Öffnungszeiten variieren an einzelnen Feiertagen)

Eintrittspreise (Stand August 2011)
Normal  5€
Ermäßigt 3 €
Schulklassen frei (nach Anmeldung)
Gruppen ab 10 Personen ermäßigt
Familienticket
Sonderausstellungen Normal
Sonderausstellungen Ermäßigt
Veranstaltungen Normal
Veranstaltungen Ermäßigt
Freier Eintritt von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre

Jeden 1. Mittwoch im Monat freier Eintritt

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