Alexanderplatz

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Alexanderplatz

Der Alexanderplatz mit der Weltzeituhr.Ein moderner Stadtplatz, der seit Jahrhunderten Veränderungen erfährt (Foto: www.visit-berlin.de)

Der Alexanderplatz ist neben dem Potsdamer Platz der bekannteste Platz Berlins. Hier spielte sich das wahre bürgerliche und kleinbürgerliche Leben ab.

Obwohl nur wenige hundert Meter vom einstigen Stadtschloss entfernt, lag der Ochsenplatz, wie der Alexanderplatz damals noch hieß, vor der Stadtmauer. Hier wurde ein Viehmarkt, später ein Wollmarkt abgehalten.

Darüber hinaus nutze man ihn als Exerzierplatz. Schnell entwickelte sich das Areal zu einer wichtigen Adresse: Zwischen 1752 und 1755 wohnte der Dichter Gotthold Ephraim Lessing hier. Heinrich von Kleist lebte – bis zu seinem Freitod im Kleinen Wannsee – im Gasthof „Zum Hirschen". Baumeister Schinkel logierte im gleichen Haus.

Seinen heutigen Namen erhielt der Platz 1805 anlässlich des Besuches des russischen Zaren Alexander II. in Berlin. Am und um den Alexanderplatz wurde schon immer gebaut und umgestaltet, das hat sich bis heute nicht verändert.

Der heutige Alexanderplatz von oben. Der Fernsehturm dominiert den dahinter liegenden Platz (Foto: Berlin Partner/FTB Werbefotografie)

Rasanter Aufschwung

Ende des neunzehnten Jahrhunderts erfuhr die Entwicklung des „Alex“ einen rasanten Aufschwung. Der Bau der Stadtbahn und einer Zentralmarkthalle in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts veränderten den Platz grundlegend. Jetzt herrschte hier der Verkehr.

Pferdedroschken, Karren und die ersten Autos stritten sich um den verhältnismäßig engen Raum. Die „Berolina-Statue“, am 17. Dezember 1895 aufgestellt und von Emil Hundrieser erschaffen, wurde zum Wahrzeichen des Vorkriegs-Alexanderplatzes.

Aufgrund des U-Bahn-Baues wurde die Statue 1925 demontiert und 1934 an einem neuen Standort vor dem Alexanderhaus wieder aufgestellt. 1944, im letzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkrieges, wurde das Wahrzeichen des Platzes für die Waffenproduktion eingeschmolzen.

Doch zurück zur Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert. Bis 1890 entstanden das Grand Hotel, das Polizeipräsidium und das Amtsgericht. Der Platz war eine ständige Baustelle. Allein 1911 eröffneten drei Warenhäuser: Tietz, Hahn und Wertheim.

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Schauplatz eines Romans

Auch nach dem Ersten Weltkrieg ging die Entwicklung des „Alex" rasant weiter. Neben der Stadtbahn hielt hier nun unterirdisch auch die U-Bahn. Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts (1929) siedelte Alfred Döblin seinen Roman „Berlin Alexanderplatz" hier an.

Kindlers Literaturlexikon schreibt dazu: „Der Roman von Alfred Döblin erschien 1929. Das Werk ist der bisher bedeutendste deutsche Großstadtroman. Erzählt wird die Geschichte eines gutwilligen, aber schwachen ‚kleinen Mannes', den dunkle, ungreifbare Mächte und Kräfte in ständiger Abhängigkeit halten, bis er am Ende seines Lebens endlich zur Besinnung kommt, seinen ‚alten Menschen' wegwirft und von nun an seine ‚Vernunft' zu gebrauchen beschließt.

Die (...) geschilderte Großstadt der Weimarer Republik aus Häusergewirr und Menschentrubel, Zeitungs- und Reklamegeschrei, unterirdisch brodelndes Verbrechertum, Schlachthausdunst und Jazzrhythmen, Hurenwinkel und Kaschemmenphilosophie, Zuhälterpack, Flittermoral und strahlender Lichterglanz ist der eigentliche Gegenspieler des ehemaligen Transportarbeiters Biberkopf, der aus dem Zuchthaus kommt und nun beschließt, ‚anständig zu sein'.

Ehrlich will er bleiben, wenn er als Straßenhändler und Zeitungsverkäufer am Berliner Alexanderplatz steht, in Bierschwemmen, Tanzlokalen und Zuhälterkaschemmen seine Abende verbringt, und ist doch, ohne es selbst zu wissen, schon verloren. Denn ‚verflucht ist der Mensch, der sich auf Menschen verläßt', das ist das Leitmotiv des Romans. Biberkopf (...) verlässt sich auf den Ungeeignetsten, einen skrupellosen Verbrecher, dessen dämonischer Macht er hörig wird. Er lässt sich von seinem neuen ‚Freund' Reinhold im Tauschhandel mit Frauen versorgen, wird in Verbrechen hineingezogen, verliert dabei einen Arm, weil der ‚Freund' den gefährlichen Mitwisser unter ein Auto stößt, und gelangt schließlich zu der Überzeugung, daß das Anständigbleiben in dieser Welt nicht lohne.

Er sucht und findet eine ‚Braut' und wird ihr Zuhälter; jetzt arbeitet er nicht mehr und macht wieder dunkle Geschäfte. Doch Freund Reinhold, der Dämon der Unterwelt und immer auf Biberkopfs Spuren, raubt ihm die Geliebte, vergewaltigt und erwürgt sie. ‚Ganz aus ist es mit dem Mann Franz Biberkopf', der als vermeintlicher Täter verhaftet wird: Er bricht zusammen und kommt in die Irrenanstalt.

Nach dem Prozeß, der die Wahrheit zutage fördert, kann er vor Erschöpfung kaum noch nach Hause gehen, doch ist ihm nun endlich der ‚Star gestochen': ‚Man fängt nicht sein Leben mit guten Worten und Vorsätzen an, mit Erkennen und Verstehen fängt man es an und mit dem richtigen Nebenmann.'"

In der Tat, war dieser Platz nie mondän, sondern eher von den Arbeitervierteln und dem jüdischen Scheunenviertel geprägt, die gleich hinter dem Platz anfingen.

Umgestaltung

Schon Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts drohte der Platz am Verkehr zu ersticken. Und so beschloss man ihn im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbes umzugestalten.

Die Vorgaben einer hufeisenförmigen Bebauung sind heute noch am Alexanderhaus und am Berolinahaus zu erkennen, die von Peter Behrens errichtet wurden, der übrigens nur den zweiten Platz des Wettbewerbes erreichte.

Zur vollständigen Umsetzung des Behrens-Planes kam es jedoch nie. Der Grund dafür waren ähnliche Probleme wie heute: Es fehlten die Investoren.

Tiefbunker

Während der braunen Herrschaft wurde lediglich ein Tiefbunker unter dem Platz gebaut, der seit langem bekannt ist.

Die Berliner Wasserbetriebe haben dies aber offensichtlich bei ihren Planungen für eine neue Wasserleitung vergessen. Sie stießen jüngst auf die Reste einer etwa vierzig Meter langen Bunkerplatte.

Der Alexanderplatz ist nachwievor ein beliebter Treffpunkt auch für Touristen (Foto: Berlin Partner/FTB Werbefotografie)

Sozialistische Neugestaltung

Im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, beschloss der Ostberliner Magistrat die „Grundsätze für die Neugestaltung der Berliner Innenstadt“, die eine 90 Meter breite Straße vom Osten über den Alexanderplatz zur Straße „Unter den Linden" vorsah.

Ab 1951 begann man mit den Bauarbeiten. Bei der Neuerbauung des Ost-Berliner Zentrums zwischen 1966–71 erhielt der Platz seine gegenwärtige Gestalt. Es entstanden der Bau des ehemaligen Centrum-Warenhauses, die sich anschließenden „Alex"-Passagen sowie ein 123 Meter hoher Hotelbau – heute das „Park Inn" – und der den Platz überragende Fernsehturm.

Zur gleichen Zeit wuchsen auf der Nordseite das zehngeschossige Haus der Elektroindustrie sowie 1971 das siebzehnstöckige Haus des Reisens empor. 1969 wurde der Platz selbst neu gestaltet. Die 1969 aufgestellte Weltzeituhr und der ebenfalls 1969 errichtete Brunnen der Völkerfreundschaft wurden beliebte Treffpunkte der Ostberliner und der Touristen. Hier demonstrierte die DDR Weltoffenheit. Der Platz war jetzt viermal größer als vor dem Krieg.

Auf dem Alexanderplatz fand am 4. November 1989 die größte Demonstration gegen das DDR-Regime statt, die damals schon live im DDR-Fernsehen übertragen wurde. Eine Million Menschen versammelten sich auf dem Alexanderplatz. Diese friedliche Demonstration trug zum Fall der Mauer einige Tage später bei.

Umgestaltung und Hochäuser

Nach der Wiedervereinigung stand eine neue städtische Umgestaltung des Alexanderplatzes an. Zum einen sollte die Straßenbahn an den Platz angebunden werden, zum anderen wurde die städtebauliche Entwicklung anders betrachtet, als in den Jahren zuvor.

Einen Architekturwettbewerb gewannen der Architekt Hans Kollhoff und seine Kollegin Helga Timmermann. Die denkmalgeschützen Bauten des Alexanderhauses und des Berolinahauses bilden die südwestliche Begrenzung. Ferner sollten im Umfeld des Alexanderplatzes dreizehn 150 Meter hohe Türme mit ca. 37 Meter hohen Sockelbauten einschließlich zweier zurückgesetzter Staffelgeschosse entstehen.

Und wieder wurde und wird am Platz gebaut: 1995 war die Sanierung des Behrenschen Alexanderhauses abgeschlossen, in das die Bankgesellschaft Berlin einzog. 1998 konnte die erste Straßenbahn fahren. Auch das Berolinahaus ist inzwischen saniert. Mit C&A als Hauptnutzer des ehemaligen Centrum-Warenhauses, das von den Architekten Josef und Jan Kleihues umgestaltet und 25 Meter verlängert wurde, ist vom Publikum gut angenommen worden.

Die Galeria Kaufhof ist das am meisten frequentierte Kaufhaus im Osten der Stadt. Bis Ende 2008 soll auch die Sanierung des U-Bahnhofes Alexanderplatz abgeschlossen sein.

Der Alexanderplatz wird mondän. Auf dem linken Bild erkennt man rechter Hand das ehemalige, von Vater und Sohn Kleihues umgestaltete Centrum-Warenhaus, heute Galeria Kaufhof, links daneben des Berolina Haus (Foto: Galeria Kaufhof)
Rechts: Es ist wieder schick am „Alex" einzukaufen. Die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz ist eines der meistfrequentierten Kaufhäuser der Stadt (Foto: Galeria Kaufhof)

Nützliche Informationen

Verkehrsanbindung:

Mit den S-Bahnen S 5, S 7, S 75 und S 9
Mit den U-Bahnen U 2, U 5 und U 8
Mit den Bussen 100, 148, 200 und 248

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