Villenvorort

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Lichterfelde: Ältester Villenvorort Berlins<bR><bR>

Eine der Burgen in Lichterfelde (Foto: Stadtverführungen)

Lichterfelde ist die erste größere Villenkolonie Berlins gewesen, noch vor Grunewald Westend und  Dahlem.

Im 14. Jahrhundert von flämischen Siedlern begründet, nahm der Ort nach 1860 einen starken Aufschwung. Dabei war es ein Bauunternehmer und Porjektentwickler, der mit seinen Gewinnen aus Projektentwicklungen in Hamburg Wandsbek, die Villenkolonie Lichterfelde gründete. Sein Name: Johann Anton Wilhelm von Carstenn. Er ließ auf eigene Kosten die Bahnhöfe Lichterfelde Ost und West errichten, um den Bewohnern eine besser Anbindug an die Deutsche Hauptstadt zu bieten.

Erste elektrische Straßenbahn der Welt


Um dem Villenvorort noch mehr Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, schenkte der Projektentwickler dem preußischen Staat eine große Fläche, auf der die preußischen Hauptkadettenanstalt errichtet wurde.

Hier fuhr auch die erste elektrische Straßenbahn der Welt, die die Kaserne mit dem Bahnhof Lichterfelde Ost an der Anhalter Bahn verband, mit der man wiederum eine optimale Verbindung zum Berliner Stadtzentrum hatte.

Lilienthal und Lichterfelde


Hört man heute den Namen Lilienthal, denkt man zumeist an den weltbekannten Flugpionier Otto Lilienthal, dessen Name seit 1988 Berlins Flughafen in Tegel trägt. Doch zu Unrecht steht der nur ein Jahr jüngere Bruder Gustav Lilienthal im Schatten seines großen Bruders. Gemeinsam haben sie in ihrer Jugend begonnen, den Traum vom vogelgleichen Menschenflug zu verwirklichen.

Während Otto ganz im Flugfieber aufging, hat Gustav auf vielen anderen Gebieten umfangreiche Spuren hinterlassen, besonders als Baumeister. Kein Wunder, hat er doch in seiner Geburtsstadt Anklam einer Maurerlehre abgeschlossen, später an der Berliner Bauakademie studiert und 5 Jahre als Baumeister im Staatsdienst im australischen Melbourne gearbeitet.

Erfinder des Anker Baukastens


Villen und Fertigteilhäuser in und um Berlin, Kunstgewerbe, pädagogische Spielzeuge (wie den Anker-Baukasten) und soziale Reformprojekte wie die Obstbaukolonie Eden bei Oranienburg oder die Wohnsiedlung Freie Scholle gehen auf seine Initiativen zurück. Dabei waren nicht selten die sich zuspitzenden ungelösten gesellschaftlichen und sozialen Probleme der Industrialisierung, Verstädterung und Verarmung Hauptantrieb für seine Arbeit.

Zu Gustav Lilienthals bekanntesten Bauten gehören die "Burgen von Lichterfelde". 30 Villen im englischen Tudor-Stil, verspielt mit Zinnen und Türmen, Miniatur-Burgen in der Berliner Villen-Vorstadt. Sie fallen auch heute noch auf den ersten Blick ins Auge. Zwar wirkten sie teuer, waren jedoch von Lilienthal als bezahlbare Häuser für die "unteren Schichten des Mittelstandes" gedacht. Eine der ersten Burgen – eine besonders kleine - bezog Lilienthal selbst. Sein späteres Wohnhaus in der Marthastraße 5 wird noch heute von seiner Enkeltochter bewohnt.

Gustav Lilienthal starb, am 1. Februar 1933, 40 Jahre nach seinem Bruder im Alter von 83 Jahren auf dem Weg zum Flugplatz Berlin Adlershof, wo er in den letzten Jahre seines Lebens einen riesigen Schwingenflieger konstruierte, der jedoch nie einen Meter vom Boden abhob.

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