Tempelhof Wappen

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Wie Tempelhof zu seinem Wappen kam..Oder: was ein Wappen über Weltgeschichte erzählt

(MATI) Eigentlich ist es ja seit dem 25. März 2003 ein Doppelwappen, nachdem 2001 die Bezirksfusion von Schöneberg mit Tempelhof erfolgte. Aber während das Schöneberger Wappen dafür eine Hälfte einbüßte, wurde das Tempelhofer Wappen komplett übernommen, nur halt ein wenig kleiner.

Die über beiden Teilen liegende rote Mauerkrone mit den drei Türmen und dem Berliner Bären auf dem mittleren Turm, ist dabei das verbindende Kennzeichen aller Bezirkswappen der Stadt.

Ursprünge


Aber betrachten wir zunächst die Anfänge „auf dem Tempelhofer Felde“. Der Name geht zurück auf die Templer, christliche Ordensritter, die hier zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Ordenskomturei Tempelhof errichteten und sich kolonisatorischen und wirtschaftlichen Aufgaben widmeten.

Im Schutze der Wehranlage dieses Ordens legten Bauern das Angerdorf „Tempelhoffe“ oder „Tempelhove“ an. Die erste erhaltene Erwähnung des Namens findet sich in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1247.

Das Dokument enthält die Unterschrift von "Hermanus de Templo", der wahrscheinlich Komtur und höchster Amtsträger des Ordensgutes war. Erst im Jahr 1290 werden "Tempelhoffe" und "Tempelhove" ausdrücklich in einem Schenkungsbrief genannt.

Templerorden


Der Templerorden, gegründet um 1120 von 7 französischen Rittern, war nach dem Johanniterorden der zweite der geistlichen Ritterorden, der in Folge der Kreuzzüge entstand.

Sein Erkennungszeichen war in der Anfangszeit nur ein weißer Mantel über weißem Habit. Erst später verlieh Papst Eugen III. ihnen das Recht, am Mantel ein rotes Kreuz über der linken Schulter zu tragen. Dies war zu Beginn ein gleichschenkliges, das später zu einem Tatzenkreuz weiter entwickelt wurde. Der eigentliche Ordensname lautete „Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel“ und stand für die Verbindung der Ideale des Adels (Ritter) mit denen der Mönche, zwei bis dahin streng getrennte Stände.

Kreuzzüge


Die Ordensritter sollten die Pilger auf ihrem Weg nach Jerusalem gegen räuberische Überfälle schützen. Der Name "Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel" rührt daher, daß König Balduin dem Orden einen Teil seines Palastes, der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem, als Quartier angeboten hatte und dieser angeblich auf den Grundmauern des salomonischen Tempels erbaut worden war.

Unantastbar...
1139 wurden die Templer direkt dem Papst unterstellt und dadurch für weltliche Herrscher nahezu unantastbar. Sie waren nicht nur von der Steuer befreit, sondern durften selbst Steuern erheben.

Außerdem verliehen sie Geld gegen Zinsen, was eigentlich verboten war, aber stillschweigend geduldet wurde. Die Templer begannen sich langsam immer mehr auf dieses Geschäft zu konzentrieren und gegen Ende des 12. Jahrhunderts machten sie Geldanleihen zu einer regulären Betätigung.

Ihr finanzieller Ruf war dabei ausgezeichnet. Sie erfanden eine eigene Art der Kreditbriefe, die Vorläufer der heutigen Geldscheine, sowie fortschrittliche Techniken der Buchführung.

Etwa 15.000 Ordensmitglieder verwalteten um die 9.000 über ganz Europa verstreute Besitzungen, von denen aber nur sehr wenige eigenständige Komtureien waren.

Tempelhove: eine wichtiger Teil des Ordensbesitzes


Zu den bekanntesten zählte auch die Siedlung Tempelhove, das heutige Berlin-Tempelhof.

Da einerseits die Ritterorden eine militärische Macht waren, andererseits eine wachsende Wirtschaftsmacht, wurden sie, nach dem Erstarken der Königreiche, von den weltlichen Herrschern als Bedrohung empfunden.

Die beiden anderen großen Orden schafften es, im Gegensatz zu den Templern, sich eigene territoriale Herrschaftsbereiche zu sichern: die Johanniter auf Rhodos und die Deutschordensritter in Preußen.

Vernichtung des ordens


Der französische König Philipp IV., genannt "der Schöne", hochverschuldet – unter anderem bei den Templern -, suchte einen Vorwand, um die Templer zu vernichten und ihre Güter zu beschlagnahmen.

1305 war es soweit: die Mitglieder des Ordens wurden der Ketzerei und der Sodomie, im Sinne homosexueller Handlungen, angeklagt. Als Beweis diente hierfür ihr Siegel, das zwei gerüstete Ritter auf einem Pferd zeigt.

Was bedeutet das Siegel?


Die Deutung des Siegels ist strittig: sowohl das Armutsgelübde bei Eintritt in den Orden, als auch ein Symbol für den Grundgedanken der Brüderlichkeit könnten gemeint sein.

Der damals amtierende Papst Klemens V., mit Amtssitz in Avignon, war vom französischen König abhängig, daher konnte der Orden von ihm keinen Schutz erwarten.

Schwarzer Freitag


Am 13. Oktober 1307, einem Freitag, wurden alle Kommandanturen der Tempelritter und eine große Zahl dienender Brüder in Frankreich verhaftet.

Diese Tat ist übrigens eine der Erklärungen für den Ursprung des „Unglückbringenden Freitag, den 13.“ Da dem Inquisitionsprozeß jegliche reale Grundlage fehlte, mußte er erfolgreich sein.

Unter Folter wurden falsche Zeugenaussagen und Geständnisse erpreßt. Nach sieben Jahren endete das Spektakel mit Todesurteilen.

Regionale Entwicklung


Bereits 1310 ging der Besitz von Tempelhof an den Johanniterorden über, 1435 wurden Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde durch diesen Orden an Berlin und Cölln verkauft. Lichtenrade wechselte 1515 zu zwei Dritteln seiner Ländereien in den Besitz der Verwaltung des Berliner Domes.

Bis in das 19. Jahrhundert wechselten die Güter südlich von Berlin noch häufig ihre Besitzer; hinzu kamen Verwüstungen durch Brände, Seuchen und Kriege.

Renaissance des Templer-Ordens


Seit dem 18. Jahrhundert kam es verstärkt zu einer „Templer-Renaissance“. Neue Orden, die sich auf die Tradition der Templer berufen, sind wieder in vielen Ländern beheimatet.

So auch der wohl glaubwürdigste „Ritterorden des Tempels zu Jerusalem" - Ordo Supremus Militaris Templi Hierosolymitani - OSMTH, mit unzähligen Abspaltungen und autonomen Prioraten, 1705 neugegründet,

1804 durch Napoleon Bonaparte als Orden wieder bestätigt und zur Zeit mit weltweit über 5000 Mitgliedern. Dieser internationale OSMTH ist der einzige Templerorden, der von den Vereinten Nationen als NGO (Nichtstaatliche Hilfsorganisation) mit Konsultativstatus anerkannt ist.

Tempelhofer Wappen


Und nun noch mal zurück zum Tempelhofer Wappen und wie es dazu kam:

Der Hinweis auf den christlichen Orden gibt das Stichwort dafür, was auf dem Wappen zu sehen ist: Das Tatzenkreuz mit den sich verbreiternden Enden, in roter Farbe auf weißem Grund, das Wappen des Templerordens. Mit der kleinen Änderung, daß aus dem weißen Grund ein silberfarbener geworden ist.

Tempelhof hat in all den Jahrhunderten nie ein eigenes Wappen besessen. Erst 1949 wurde vom Bezirksrat Schmitz der Bezirksverordnetenversammlung ein Wappenentwurf vorgelegt.

Nach vielen Änderungswünschen und langen Beratungen dauerte es bis zum 3. Juni 1957, bis die Bezirksverordneten und der Senat von Berlin den mehrfach überarbeiteten Entwurf akzeptierten und dem Bezirk Tempelhof sein eigenes Wappen verliehen werden konnte.

Knapp 650 Jahre nach der Vertreibung der Templer wurde ihr Tatzenkreuz wieder zum offiziellen Symbol des Bezirks.

Den Templern begegnet der Tempelhofer übrigens in vielen Bereichen: bei Robin of Sherwood, im „Vermächtnis der Tempelritter“, bei Indiana Jones, im „Sakrileg“, beim „Foucaultschen Pendel“ von Umberto Ecco u.v.a.

Die Templer sind eine unerschöpfliche Quelle von Legenden und Verschwörungstheorien um das Wirken, die Geheimnisse, okkulten Praktiken und die Schätze des Ordens, die in der Literatur und im Film immer wieder ihren Niederschlag finden.

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