Jüdisches Museum

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Jüdisches Museum

Das Jüdische Museum in der Lindenstraße aus der Luft gesehen (Foto: Land Berlin/Thie)

Das Gebäude:

Der Libeskind-Bau ist ein zinnverkleidetes Gebäude, mit einem in Blitzform gezackten Grundriss, das in seiner Ungewöhnlichkeit vom ersten Tag an das Interesse der Menschen auf sich zog. Der Grundstein wurde im November 1992 gelegt, fertiggestellt wurde das Haus Ende 1998. Zwischen Anfang 1999 und Herbst 2001 haben über 350.000 Menschen das leere Haus besichtigt und sich an den Öffnungstagen stundenlang geduldig in Warteschlangen eingereiht.

Der Architekt:

Daniel Libeskind wurde in Polen geboren. Er ist Amerikaner und lebt in Berlin und New York. Dort wurde sein Entwurf für die Neugestaltung der ehemaligen „Twin-Towers“ (WTC) ausgewählt.

Die Diaspora ist Grundidee seiner Planung: Ein – dem Stern nachempfundener – zackiger Grundriss kreuzt das Hauptgebäude und soll gleichzeitig Symbol sein für die Leere, die durch das untergegangene jüdische Leben entstanden ist. Mit der Realisierung dieses Bauwerks hat die Stadt Berlin ein eindeutiges Zeichen gesetzt, das weltweit große Anerkennung gefunden hat.

Intention:

Der Entwurf basiert auf drei Grundgedanken: Die Berliner Geschichte ist unmöglich zu verstehen, ohne den enormen intellektuellen, kulturellen und wirtschaftlichen Anteil jüdischer Bürger einzubeziehen. Der Holocaust muss physisch und geistig in das Bewusstsein und Gedächtnis der Stadt gepflanzt werden. Die Zukunft jüdischen Lebens ist nur durch die Verarbeitung der Vergangenheit möglich.

Die Ausstellung:

Am 13. September 2001 eröffnete das Jüdische Museum seine Dauerausstellung. Die Ausstellung gibt einen Überblick über Vergangenheit und Gegenwart der deutschjüdischen Geschichte und befindet sich zum Großteil im ersten und zweiten Obergeschoss auf 3.000 Quadtratmetern. Bisher wurden mehr als 3 Millionen Besucher gezählt. Damit gehört das Museum zu den drei erfolgreichsten Museen Berlins.

Eine Achse des gezackten Grundrisses führt hinaus in den „Garten des Exils und der Emigration“. Eine Anordnung aus 49 sechs Meter hohen Stelen erzeugt Verunsicherung.

Da der Boden geneigt ist, verspüren die Besucher Gleichgewichtsprobleme. Das harte Kopfsteinpflaster des Gartens ist nur mühsam begehbar. Besucher bewegen sich auf fremdem, ungewohntem Terrain und sollen die Verlorenheit und Einsamkeit von Emigration nachempfinden.

Eine weitere Achse führt in eine Sackgasse, die thematisch im Holocaust endet. Der Gang zum Turm muss düster und beklemmend sein. Im Inneren des Turms befindet sich der Besucher an einem dunkeln, feuchten und vom Leben der Außenwelt abgeschirmten Ort. Spärliches Licht fällt durch einen Schlitz, die Umwelt ist hörbar, aber unerreichbar.

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Die Architektur des Jüdischen Museums in der Lindenstraße ist ein Entwurf von Daniel Libeskind. Sie ist aufsehenerregend. © Jüdisches Museum/Jens Ziehe
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