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19.02.20

Fly Berlin: Hauptstadtflughäfen zwischen Johannisthal, Schönefeld und Tempelhof

Wo Deutschlands Luftfahrtgeschichte ihren Anfang nahm

Der Flughafen Tempelhof kann auf eine 85-jährige wechselvolle Geschichte zurückblicken (Foto: Aenigmatis-3D/pixabay)



Wenn man die beiden Worte Berlin und Flughafen in einem Atemzug nennt, ist es selbst für Alteingesessene unvermeidlich, dass sie nur an „ihn“ denken – den BER, Deutschlands Pannenflughafen Nummer 1. Aber Berlin kann in Sachen Lufttransport auch völlig anders. Hier nahm Deutschlands Luftfahrtgeschichte ihren Anfang.

Der Erste: Johannisthal
Es ist schon lange her, dass erstmalig ein (Motor-)Flugzeug Berlin ansteuerte bzw. dort abhob.Und zwar an der Stelle, an der sich heute eine von Berlins grünsten Ecken befindet – im Landschaftspark Johannisthal/Adlershof.

1909 gründete der Unternehmer Arthur Müller, nach dem die Straße in Johannisthal benannt ist, zusammen mit Militärluftschiffer Georg von Tschudi die Deutsche Flugplatz Gesellschaft und ließ das Flugfeld in Johannisthal anlegen – wenig mehr als einige Hallen und eine planierte Piste. Aber es war Deutschlands erster „richtiger“ Flughafen, nachdem der erste, der Euler-Flugplatz bei Darmstadt, nur experimenteller Natur gewesen war.

Am Flugplatz Johannisthal endete 1909 am Eröffnungstag der erste deutsche Überlandflug, strömten in den darauf folgenden Jahren zehntausende Zuschauer zusammen, wenn die legendären und rar gesäten Piloten ihre Maschinen aus Holz, Stahlrohr und Stoff präsentierten. Aber dort ereignete sich 1913 auch ein schweres Unglück, als ein Zeppelin abstürzte.

Spätestens mit der Eröffnung Tempelhofs gelangte Johannisthal immer mehr ins Hintertreffen und wurde nur noch sporadisch genutzt, bis er 1995 mit einer letzten Flugveranstaltung, die tragischerweise auch noch von einem Unglück überschattet wurde, endgültig geschlossen wurde.

Der Große: Staaken
1915 wurde der Erste Weltkrieg auch von Luftschiffen aus geführt. So kam es, dass die Luftschiffbau Zeppelin GmbH, damals Deutschlands wichtigster Luftschiffhersteller, am äußersten Westrand von Spandau, in Staaken, eine Flugwerft errichtete, um hier Zeppeline und Bombenflugzeuge herzustellen. Dazu wuchs das Areal bis 1918 immer weiter und wurde zu einem (für die damalige Zeit) hochmodernen Flugplatz. 

1922 begann die eigentliche Hochzeit Staakens: Die Deutsche Luft-Reederei, Deutschlands erste zivile Fluggesellschaft, zog von Johannisthal nach Staaken. Zusammen mit der ein Jahr später gegründeten Deutsche Aero Lloyd AG wurde von dort aus der erste nationale und sogar bis nach London reichende internationale Verkehrsflugbetrieb aufgezogen. Auch als sich die ersten deutschen Airlines zur Deutsche Luft Hansa AG zusammengeschlossen und Tempelhof zu ihrem Heimatflughafen gemacht hatten, blieb Staaken für sie als Reparatur- und Testflughafen von Bedeutung.

Erst 1953 hob der letzte Flieger ab – eine sowjetische Militärmaschine. Heute finden sich nur noch einzelne Spuren in Form von Gebäuden.

Der Langlebige: Tempelhof
Tempelhof war schon vor dem Ersten Weltkrieg fliegereitechnisch bedeutend, weil hier vor allem die militärische Luftschifffahrt des Reiches ihre Basis hatte. 1923 aber wurde, nachdem das Tempelhofer Feld beinahe zugebaut worden wäre, hier der Verkehrsflughafen der Hauptstadt und des ganzen Landes aufgebaut: groß und vor allem perfekt zentral gelegen. In den ersten zehn Jahren wuchs die Zahl der beförderten Personen auf über 50.000. Als 1936 mit dem Flughafengebäude das damals größte Gebäude der Welt erschaffen wurde, war der Ruhm Tempelhofs beinahe perfekt. Aber nur beinahe.

Denn erst die Berlin-Blockade 1948/49 machte den zu dieser Zeit von den amerikanischen Luftstreitkräften betriebenen Flughafen zur Legende: Er war der wichtigste Landepunkt für die Rosinenbomber. Als er 1950 wieder der Stadt übergeben wurde, ging die Zahl der zivilen Flüge abermals durch die Decke. So blieb Tempelhof bis zur ersten Schließung 1975 (West-)Berlins wichtigster Airport. Und auch als Tegel diese Rolle übernommen hatte, blieb der Bedarf groß. So groß, dass man ihn 1981 wiedereröffnete und bis 2008 als Inlandsflughafen mit konstant hohen Passagierzahlen betrieb. Eine 85-jährige Geschichte!

Der Wechselvolle: Schönefeld
SXF, Flughafen Berlin Brandenburg – oder lapidar Schönefeld. Berlins südlichster Flughafen und der erste dieser Auflistung, der noch in Betrieb ist, mag viele Namen haben. Aber der Flughafen Schönefeld ist eines der zwei wichtigsten heutigen Drehkreuze der Großregion Berlin.

1946 begann die zivile Geschichte des ehemaligen Werksflugplatzes der Firma Henschel, als hier die sowjetische Aeroflot den fliegenden Betrieb aufnahm. Schnell wurde Schönefeld so zum wichtigsten Flughafen der ganzen DDR und blieb es bis zur Wende 1989/90.

Wer heute am Flughafen Schönefeld parken will und sich durch die Besuchermassen in den Terminals drängt, erkennt dabei nicht mehr, wie schlecht es um ihn in den Wendejahre bestellt war. Die Passagierzahlen sanken damals rapide, weil die DDR-eigene Interflug-Fluggesellschaft, deren Heimathafen Schönefeld gewesen war, aufgelöst wurde. Die erste Hälfte der 1990er hielt man sich mehr schlecht als recht als Charterflughafen über Wasser.

Dass Schönefeld heute jährlich weit über zwölf Millionen Besucher abfertigt, liegt nur daran, dass die Bundesrepublik sowie Berlin und Brandenburg 1996 einen großmaßstäblichen Ausbau beschlossen. Zum gleichen Termin wurde der Bau des BER entschieden. Aber man erkannte, dass für die Zwischenzeit unbedingt eine Entlastung notwendig war, da die Tage Tempelhofs gezählt waren und Tegel allein nicht ausgereicht hätte. Das rettete Schönefeld buchstäblich – und selbst wenn der BER offiziell fertiggestellt ist, ist Schönefelds Zukunft noch bis mindestens 2026 sichergestellt

Der Bedeutsamste: Tegel
Rein von den Passagierzahlen her ist Berlin Tegel der mit Abstand wichtigste Flughaften im östlichen Teil Deutschlands und liegt deutschlandweit an vierter Stelle. Rund 22 Millionen Menschen starten und landen hier pro Jahr.

Auch Tegel kann eine Fliegergeschichte vorweisen, die schon vor dem Ersten Weltkrieg mit Luftschiffen beginnt – damals noch als Luftschiffhafen Reinickendorf bezeichnet. In den 1930ern experimentierte u.a. Raketenpionier Wernher von Braun vom nunmehr Raketenschießplatz Tegel genannten Areal.
Da Tegel nach dem Zweiten Weltkrieg völlig zerbombt war, bestanden ursprünglich Pläne, hier eine Kleingartensiedlung anzulegen. Doch ähnlich wie bei Tempelhof kam die Berlin-Blockade dazwischen. Das im französisch kontrollierten Teil der Stadt gelegene Areal war das einzige in West-Berlin, das zeitnah zum Luftbrücken-Flughafen umgebaut werden konnte.

Und zeitnah war das Stichwort: Nur wenige Wochen nach Beginn der Blockade rückten Anfang August 1948 Heerscharen von Bauarbeitern aus Frankreich, Deutschland und den USA an. Unter enormen Anstrengungen beseitigten sie tausende Blindgänger, verschlossen Bombentrichter, bauten auf – am fünften November, exakt drei Monate nach Baubeginn, landete der erste Rosinenbomber hier.

Nach der Blockade sank die Bedeutung für einige Jahre, bis Air France ab hier einen Linienflugbetrieb aufzog. Mit der zunehmenden Überlastung Tempelhofs folgten weitere Airlines im Lauf der 1960er. Es wurde gebaut und erweitert, aufgrund des Berliner Viermächtestatus operierten hier jedoch nur ausländische Fluglinien.

Es dauerte bis Ende 1990, bis auch die Lufthansa von und nach Tegel flog. Ähnlich wie bei Schönefeld erfolgten Weiterbetrieb und Ausbau eher als Zwischenlösung bis zur Fertigstellung des BER. Nach der derzeitigen Planung soll der Flugbetrieb Ende 2020 enden – allerdings gab es in Berlins Flughafengeschichte schon so einige Verzögerungen. Als allzu sehr in Beton gegossen sollte man es vermutlich nicht ansehen.







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