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Mit Herz, Huf und Pfoten Tiere als Therapeuten

‚Leben mit Tieren’ ist Name und Programm. Der 1988 gegründete Verein ’Leben mit Tieren e.V.’, nutzt die therapeutische Wirkung von Tieren auf Menschen. Mit Mensch-Tier-Begegnungshäusern, Kaninchen-, Meerschweinchen- und Hundebesuchs-diensten bereichern sie das Leben kranker und alter Menschen. Die Kommunikation ist für Vier- und Zweibeiner ein Gewinn.

„Das Gute, was wir tun können, ist die Langeweile zu vertreiben.“ Dr. Wolfgang Scharmann, Vorsitzender des Vereins ‚Leben mit Tieren’ spricht von der Eintönigkeit und Langeweile in den Seniorenheimen. „Viele Menschen werden heute so alt, dass ihre Verwandten und Freunde einfach nicht mehr da sind.

Sie erwarten Besuch, aber es kommt keiner. Da ist ein kleines Ereignis wie ein Kaninchengeburtstag ein Lichtblick. Die Menschen sitzen mit dem Geburtstagskind in einer Runde zusammen. Eine Wunderkerze wird abgebrannt. Sie feiern, tauschen sich aus und erinnern sich – auch an Tiererlebnisse und eigene Haustiere in ihrem Leben. Das Kaninchen genießt die Aufmerksamkeit.“


Tier-Mensch-Begegnung


In der Lentzeallee, auf dem Gelände des Seniorenheims Wilmersdorf, ist eine von drei Tier-Mensch-Begegnungsstätten des Vereins in Berlin. Zwei Esel, drei Kamerunschafe, zahlreiche Kaninchen und Meerschweinchen haben hier Heimat und eine Aufgabe gefunden. Randolf Rosenau, einer der Mitarbeiter, kommt mit dem Fahrrad und seinen zwei Hunden zur Lentzeallee. „Es ist schön, dass ich meine Hunde mitbringen kann.“ Schäferhündin Schirka arbeitet auch, wenn die Schafe den Kopf zu weit aus dem Tiergehege stecken. Yorkshire Terrier Paul ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und begrüßt Besucher. Herr Rosenau kümmert sich zusammen mit zwei weiteren Kollegen um die Tiere und das Gehege, säubert den Stall, striegelt Esel und Schafe. Wenn die Personalsituation es erlaubt, steht ‚Eselreiten’ auf dem Programm. Die Anwohner, Kinder mit ihren Eltern, schätzen die Aktivitäten. Das Gehege wird zu einem Ort der Kommunikation zwischen Anwohnern, Besuchern, Heimbewohnern und Tieren. Ähnliche Einrichtungen betreibt der Verein erfolgreich in Zehlendorf und Reinickendorf.

Die Idee


„Als sich der Verein 1988 gründete, war die Idee der Tier-Mensch-Begegnungsstätten eine ganz andere“, erläutert Wolfgang Scharmann. „Ein schönes Holzhaus ist in zwei Räume aufgeteilt. In einem leben die Tiere, im anderen finden die verschiedenen Therapien statt. Die Menschen sollten durch die Nähe der Tiere angeregt und aufgemuntert werden.“ Die Entwicklung in der Seniorenbetreuung – weg von geriatrischen Krankenhäusern und hin zu Diakoniestationen – ließ die Begegnungshäuser zu Streichelzoos werden. „Die Senioren bleiben heute so lange wie möglich selbständig zu Hause wohnen. Wenn sie dann in Pflegeheime kommen, ist ihre Mobilität oft stark eingeschränkt. Der Streichelzoo kann dann ein Ziel und Ereignis im Tagesgeschehen sein. In Rollstühlen gelangen sie an die Gehege – wenn Personal zur Verfügung steht. Im Sommer ist es auf dem Gelände mit Sonnenschirmen und Sitzgelegenheiten sehr schön.“

Ein Hund kommt nicht allein

Ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit ist der Hundebesuchsdienst in Senioren-einrichtungen, Kinderheimen und Schulen. Streicheln, Belohnungen verteilen, den Hund und sein Verhalten beobachten und das Zusammensein genießen sind wertvolle Erlebnisse im Alltag der Senioren. Immer mehr Einrichtungen wünschen den Besuchsdienst. Die therapeutische Wirkung ist inzwischen unumstritten. Demenzkranke können über das Gefühl wieder ein Stück zurück in die Gemeinschaft geholt werden. Die Lebensqualität wird verbessert. Bedeutungsvoll ist dabei, dass Mensch und Hund die Begegnung genießen. „Da läuft noch viel mehr zwischen Hund und Mensch ab.“ Wolfgang Scharmann, pensionierter Veterinär ist ganz sicher. „Hunde spüren Trauer. Sie merken, wenn ein Mensch Hilfe braucht. Sie setzen sich ein und kümmern sich richtig.“ Nicht jeder Hund ist für den Besuchsdienst geeignet. „Wir sprechen immer vom Besuchsteam. Das sind der Hund und sein Besitzer.“

Geprüft und geschult


Ein Informationsabend, die Begleitung eines Besuches und eine Eignungsprüfung des Hundes, die es zu bestehen gilt, sind Voraussetzungen für den Einsatz im Hundebesuchsdienst. „Die Tests sind intensiv. Ein Drittel der Hunde fällt durch die Prüfung, da ist dann große Trauer. Getestet werden vor allem die Aggressivität und der Gehorsam des Hundes. Der Hund wird dabei richtig provoziert. Hund und Besitzer sollen ein Team sein, wobei der Hund absolut gehorsam sein muss. Wichtig ist auch, dass der Hund nicht schreckhaft ist. Er muss sich praktisch alles gefallen lassen. Das ist bei einem normalen Hund, der artgerecht gehalten wird, nicht üblicherweise so.“ Die Hunde freuen sich genauso wie die Heimbewohner auf die Besuche. Es sind nicht nur die Leckerli, die sie erwarten können. Dass sie sich nicht verausgaben sollen, ist ein weiteres Detail, das der Verein den Hundebesitzern vermittelt. „Es ist wichtig, dass die Besitzer Anzeichen von Stress bei ihren Tieren erkennen und einen Rückzug ermöglichen. Die Hunde sind nach den Besuchen müde, das höre ich immer wieder. Sie legen sich dann hin und schlafen.“

Auch in Grundschulen, Kindertagesstätten und Kinderheimen werden Hundebesuchsdienste angeboten. Ängstliche Kinder können hier den Umgang mit Hunden erfahren, Zutrauen und Selbstbewusstsein gewinnen oder wieder erwerben. „Sie überwinden ihre Ängste und sind ganz stolz, wenn sie den Hund das erste Mal mit an der Leine führen dürfen.“

Kaninchen im Bett

Auch für Bettlägerige ist die Nähe zu Vierbeinern wichtig und möglich. Die Tierpfleger und ehrenamtliche Helfer des Vereins organisieren die Transporte von Kaninchen und Meerschweinchen auf das Zimmer der Pflegebedürftigen. Eine halbe Stunde Kraulen und Schmusen ist für alle Beteiligten Erfahrung, Wiedererkennen und Bereicherung. Kleine Hunde nehmen auch gerne direkt im Bett Platz. Für entspre-chende Hygiene wird dabei gesorgt.

Transporte stellen allerdings ein Problem dar. Wenn Tierbesuchsdienste in Heimen gewünscht werden, die kein eigenes Kaninchen - oder Meerschweingehege haben, müssen Fahrten organisiert werden. Auch der Hundebesuch muss für das Team zumutbar sein. „Bei der Größe Berlins ist das manchmal schwierig.

In Planung ist jetzt der Besuch von Wohngemeinschaften Demenzkranker, ein Projekt des Berliner Senats. Der Verein ist engagiert, neue Wege zu beschreiten und arbeitet an der Verbesserung der laufenden Einrichtungen.

Öffentlichkeitsarbeit ist ein Schwerpunkt der Arbeit von Dr. Wolfgang Scharmann. Wie gut, dass er seit März 2006 eine echte Kanzlergans zur Seite hat, die ihm die Aufgabe erleichtert. „Doretta“, die von Ex-Kanzler Gerhard Schröder begnadigte Gans lebt im Haus Schönow in Zehlendorf im dortigen Tier-Mensch-Begegnungshaus. Sie sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen in der Presse. „Kanzlergans wird Altenpfleger“ hieß es. Sobald es über Gerd Schröder wieder einmal etwas berichtenswertes gibt, wird auch gerne an „Doretta“ erinnert. Ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden ist dann unerlässlich – gute PR für den Verein.

In Zehlendorf ist die Gans ein Besuchermagnet. „Es gibt so viele ernste und schreckliche Nachrichten“, meint Wolfgang Scharmann, „dass es gut tut, etwas erzählen zu können, das erheiternd ist und die Menschen zum schmunzeln bringt.“ Auf der Homepage des Vereins wurde eigens eine Rubrik ‚Kanzlergänse’ eingerichtet.

Claudia Niessen

Nützliche Informationen

Möchten Sie mehr über den Verein wissen? Wollen Sie spenden? Haben Sie Interesse an einer Mitgliedschaft? Möchten Sie und Ihr Hund Besuchsdienste machen oder bei Kaninchenbesuchen helfen?

Leben mit Tieren e.V.: Alt-Lietzow 31, Haus D, 10587 Berlin, 030-701 77 953, info@lebenmittieren.de

Spendenkonto: Berliner Sparkasse, Kontonummer: 920003001, Bankleitzahl:     10050000

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