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Berliner bauen Berge Teufelsberg & Co

Berlin, Teufelsberg, ehemalige amerikanische Radaranlage © Axel Mauruszat

von Katrin Müller de Gámez

Berlin selbst ist verhältnismäig platt. Es liegt im Urstromtal der Spree an deren Ränder sich der Barnim und der Teltow als Hochebenen anschließen. Die Müggelberge im Südosten der Stadt sind die höchsten natürlichen Erhebungen.Einer der über zwanzig „selbstgebauten“ Berge in Berlin ist der 114,7 Meter hohe Teufelsberg.


Er wurde – wie alle anderen - aufgehäuft aus den 70 bis 90 Millionen Kubikmetern Trümmer, die der Zweite Weltkrieg in unserer Stadt hinterlassen hat. Gut 40 Prozent des Wohnungsbestandes von Berlin waren im Krieg zerstört worden. Viele ehemalige Häuser haben unter dem Grün ihre letzte Ruhestätte gefunden. Der im nördlichen Teil des Grunewalds gelegene Teufelsberg ist seit langem ein beliebtes Ausflugsziel - im Sommer wie im Winter.

Platz zum Torfstechen


Vor über 200 Jahren wurde in dem sumpfreichen Gebiet, auf dem sich heute der Teufelsberg erhebt, mit mäßigem finanziellen Erfolg Torf gestochen. Ein 1876 erbauter Wasserturm senkte aber den Grundwasserspiegel derart ab, daß die Entwässerungsgräben des Sumpfes austrockneten. Nur ein Exerzierplatz und ein Schießstand der Garde-Grenadiere in der Nähe belebten bis in das 20. Jahrhundert hinein die Gegend. Bezeugt wird diese militärische Nutzung heute noch durch den Namen der Heerstraße. Sie verband geradlinig und breit das Gebiet ab 1906 mit den in Döberitz liegenden preußischen Truppenteilen.

Größenwahns vorläufiges Ende


Die Siedlungen Heerstraße und Eichkamp sowie einige Sportanlagen wuchsen nur langsam heran. Erst in den 30er Jahren planten die Nationalsozialisten, im Rahmen des Ausbaus der so genannten Ost-West-Achse, an der Stelle des heutigen Teufelsbergs, die Errichtung eines Institutsgebäudes der Wehrtechnischen Fakultät der Technischen Hochschule.

In unmittelbarer Nähe von Olympiastadion und Messegelände sollte außerdem eine riesige Hochschulstadt entstehen. Albert Speer, erst Generalbauinspektor und danach Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion, sah hier nicht nur die Neuerrichtung der Berliner Universitäten vor, sondern auch die der Kliniken der Charité, des Zoologischen und des Botanischen Gartens.

Das sollte der erste Bauabschnitt der neuen Welthauptstadt ‚Germania‘ werden. Wie bekannt, hat der Krieg die Fertigstellung der Wehrtechnischen Fakultät verhindert. Der vorhandene Rohbau wurde kurz nach dem Krieg gesprengt, einiges Material für Neubauten verwendet.

Um eine weitere Nutzung der Anlage zu verhindern und da dringend Platz benötigt wurde, um die Trümmer der zerstörten Stadt zu beseitigen, wurde das Gelände ab 1950 als Deponie genutzt. 20 Jahre lang wuchs der Teufelsberg Meter um Meter auf dem Betonfundament der alten Nazibauten. Neben Häusertrümmern wurden auch Industrieabfälle abgeladen; insgesamt ungefähr 26 Millionen Kubikmeter Schutt.

’Mont Klamott’


Von Anfang an sollte der Berg auch als Freizeitgelände für die West-Berliner Bevölkerung dienen. Rund 180 000 Bäume wurden nach und nach angepflanzt. Eine Rodelbahn, ein Skihang mit Sprungschanze und Schlepplift sowie ein Kletterfelsen verwandelten das Gebiet in eine frühe Form des Erlebnisparks. Sand und Mutterboden bedeckten gnädig die Überreste des Krieges. Der Kalte Krieg vereitelte dann aber die ausschließlich friedliche Nutzung des Geländes.

Anfang der 60er Jahre begannen die Alliierten auf dem Teufelsberg eine Abhöranlage gen Osten zu installieren. Getreu dem Motto: In God we trust; all others we monitor (Auf Gott vertrauen wir; alle anderen überwachen wir), hatten sie die ideale Lage des Trümmerberges für diese Zwecke erkannt. Die futuristisch anmutenden Radaranlagen, fest umzäunt und streng bewacht, konnten bis weit hinein in das Gebiet des Warschauer Paktes lauschen.

Tag und Nacht wurde hier der Funkverkehr der östlichen Nachrichtensysteme registriert. Auf und auch tief im Teufelsberg entstand eine der großen Spionagezentralen, die ‚Field Station Berlin‘. Der Skilift fiel dieser Anlage zum Opfer, da sein Betrieb die Funkanlage störte.

Zauberhaftes Waldland

Zu Mauerzeiten war der Teufelsberg trotz Radaranlagen ein lohnendes Ausflugsziel. Für uns Kinder schon wegen der großen Rodelbahn und dem beeindruckenden Blick auf Berlin während der Sylvesternächte. In dem „zauberhaften Waldland“, wie Rainer Maria Rilke den Grunewald betitelte, konnte man Wildschweine, Hasen und allerlei anderes Getier beobachten. Daneben gab es Begegnungen mit amerikanischen oder britischen Soldaten in voller Montur zu Fuß und im Jeep, die hier Wachdienst schoben oder ein Training absolvierten. Alltag im Kalten Krieg.

In den 70er Jahren wurde vorübergehend sogar Weinanbau betrieben. Resultat war das ‚Wilmersdorfer Teufelströpfchen‘. Winzer, Mountainbiker, Downhillskater, Drachen- und Gleitschirmflieger, Jogger, Spaziergänger, Familien mit Picknickkörben und oben die Spione, der Teufelsberg hatte für alle Platz. Zur 750-Jahr-Feier unserer Stadt 1987 gab es einen Weltcup-Slalom auf dem Skihang. Berlin versteht es immer zu feiern.

Feindverlust


Nach Mauerfall und Wiedervereinigung hat sich die Situation am Teufelsberg grundlegend geändert. Am 3. Oktober 1990 wurde der alliierte Sonderstatus von Berlin aufgehoben, die Horchstation in den darauf folgenden Jahren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, mangels Feind abgebaut. Vorübergehend wurde die Radarstation für die Überwachung der zivilen Luftfahrt genutzt. Ein Investor erwarb das Gebiet und plante die Errichtung von Eigentumswohnungen, Restaurants und einem Hotel. Auch ein Spionagemuseum war im Gespräch.

Alle diese Ideen scheiterten. Unter anderem auch am Widerstand der „Aktionsgemeinschaft Teufelsberg“, die dafür stritt, den Teufelsberg wieder in das umliegende Naturschutzgebiet zu integrieren. Nach Jahren endlich verfügte der Senat, den Teufelsberg wieder als Wald zu nutzen.

Neue Baugenehmigungen werden wohl auf absehbare Zeit nicht mehr erteilt. Auch das letzte, ziemlich undurchsichtige Projekt der Errichtung einer „Universität der Unbesiegbarkeit“ der Maharishi-Weltfriedensuniversität, in der unter anderem Transzendentale Meditation gelehrt werden sollte, kam bislang nicht über das Ideenstadium hinaus.

Nun wird es auf dem Teufelsberg kein „Yogisches Fliegen“ geben. Aber dem Trümmerberg wird das nicht fehlen.

Berlins höchster Berg, entstanden aus unheilvoller Vergangenheit, braucht keine kommerzielle Bewirtschaftung. Eingebettet in den Grunewald ist er ein Ausflugsort, der den Berlinern und Besuchern für sportliche Aktivitäten und beschauliche Spaziergänge zur Verfügung steht. So sollte es bleiben.

Wie der Teufelsberg gehören auch der Insulaner, die Wilmersdorfer Sportstätten an der Fritz-Wildung-Straße, die Humboldthöhe im Humboldthain/Wedding und die Rixdorfer Höhe in der Hasenheide zu den über zwanzig Trümmerbergen in Berlin. Sie alle sind auch Mahnmal für die Tausenden von Trümmerfrauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg einen Großteil des Aufräumens übernehmen mußten.

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