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Die Suppenküche vom Teilen und Lächeln


Der markante Kirchturm der katholischen Kirche St.Marien weistBedürftigen den Weg zur Suppenküche @FTe

Eine Reportage von Katrin Müller de Gaméz

Es ist schon ziemlich kalt geworden, in diesen Oktobertagen, als ich mich auf den Weg mache, um die Suppenküche der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien am Bergheimer Platz in kennenzulernen.

Selbst im gediegenen Wilmersdorf, zwischen mondänen Wohnbauten aus der Kaiserzeit, lauert inzwischen Armut. Arm ist per Definition nicht nur, wer auf Sozialhilfe angewiesen ist, sondern alle, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens verfügen.

Was heißt arm?
Das Statistische Landesamt Berlin gibt das mittlere monatlich Einkommen eines Haushaltes mit 1500 Euro an.

Mit eklatanten Folgen. Armut ist auch in die bürgerlichen Bezirke der Bundeshauptstadt eingekehrt. Sie ist schon längst kein Phänomen mehr, dass sich auf sogenannte soziale Brennpunkte Berlins beschränkt.

So können sich in bestimmten Berliner Bezirken schon mehr als ein Drittel der Eltern das warme Mittagessen für ihre Kinder, die in Ganztagesbetreuung sind, nicht mehr leisten. "Hunger an Berliner Schulen", so ein Schulleiter, "ist inzwischen keine Seltenheit mehr."

Geduldiges Warten
Doch zurück zum Bergheimer Platz. Das ganze Jahr über wird hier seit 1993 an vier Tagen der Woche ein warmes Essen an Obdachlose und bedürftige Mitmenschen ausgegeben. Obwohl ich über eine Stunde früher da bin, warten schon einige Menschen auf den Einlass.

Der Ort ist vielen wohl bekannt. Man kennt sich. Als erstes dürfen die Älteren und Behinderten in den freundlich eingerichteten Raum.

Erst wenn sie alle mit Essen versorgt sind und in Ruhe einen Platz gefunden haben, können die anderen herein. Bei den vielen Besuchern ist es angebracht, mit derartigen Regelungen den Ablauf reibungsloser zu gestalten.

 



Das Arztmobil der Caritas hilft denjenigen, die durch fast allen Maschen des sozialen Netzes gefallen sind.©KmdG

Starker Andrang
An der Essensausgabe bildet sich schnell eine große Schlange. 50 warme Essensportionen werden von einer Großküche angeliefert und von den Helfern ausgegeben. Von einem Café aus der Umgebung können regelmäßig nicht verkaufte Brötchen und Kuchen abgeholt werden.

Die Brotkörbe sind reichlich gefüllt, der Kuchen appetitlich auf kleine Teller angerichtet. „Kuchenspenden halbieren wir, damit jeder was kriegt.“

Berliner Tafel hilft
Einmal pro Woche bringt die Berliner Tafel Obst und Gemüse, hin und wieder auch etwas Brot und Wurst. Diese zusätzlichen Lebensmittel können die Besucher auf Wunsch mitnehmen.

Die meisten sind darauf angewiesen, um „über die Runden zu kommen“. Dabei versuchen die Suppenküchen-Mitarbeiter, die „Tafel“-Spenden so aufzuteilen, daß für jeden Tag ein wenig Obst und Gemüse da ist.

In Zeiten großen Besucher-Andranges besteht die Möglichkeit, in der Küche Eintopf-Gerichte aus Büchsen aufzuwärmen. Ein kleines Lager wird für derartige Notfälle gehütet.

Armut in allen Altersgruppen
Die Klientel besteht zu aus Männern und Frauen, alle ungefähr zwischen 35 und 80 Jahre alt. Viele kommen regelmäßig hier vorbei und nehmen auch sehr gern das Angebot wahr, gegen eine geringe Gebühr in der vorhandenen Waschmaschine ihre Kleidung zu waschen und die Dusche zu benutzen.

Ärztliche Hilfe
Jeden Donnerstag parkt hier das Arztmobil der Caritas und bietet medizinische Hilfe an. Notwendig für die Menschen, die durch das immer weiter gespannte Netz der sozialen Hängematte gefallen sind.

Nehmen wir zum Beispiel Thomas K., einst gut verdienender Werbemanager in einem Berliner Unternehmen. Als er 42 war, bekam er ein einen neuen Chef, der zehn Jahre jünger war. Nach einem Jahr Mobbing gab er auf, das ist nun inzwischen fünf Jahre her.

Die Ersparnisse sind längst aufgebraucht, Frau und Kinder haben ihn verlassen. Zwischendurch versuchte er sich als freier Mitarbeiter in vielen Agenturen, aber: "Mit über vierzig gehört man in der Kommunikationsbranche zum alten Eisen". Zwischendurch nahm er Jobs im Callcenterbereich an, "um bloss nicht auf der Straße zu sitzen", doch als sich eine chronische Bronchitis einstellte, war auch diese Job passé. Inzwischen arbeitet er als "Ein Euro-Jobber", hat sich extrem eingeschränkt. "Ich komme hierher, um über die Runden zu kommen, " sagt er.

Kleiderkammer
An zwei Tagen der Woche besteht außerdem die Möglichkeit, vor der Essensausgabe in der Kleiderkammer der Gemeinde einen dringend benötigten Pullover, eine Hose, Jacke oder ähnlich Nützliches zu erhalten.

Ehrenamtliche Helferinnen
Nach zwei Stunden, vielen Gesprächen und einem ständigen Kommen und Gehen von Besuchern, sehe ich alle kirchlichen Helfer weiterhin freundlich lächeln und wundere mich, wie es die beiden Küchen-Feen geschafft haben, mit 50 gelieferten Portionen 69 hungrige Esser satt zu bekommen, ohne die eisernen Büchsen-Reserven angreifen zu müssen.

Aber das hat wohl mit der Erfahrung der beiden Damen zu tun, die von Anfang an dabei sind und für die der Dienst längst zu einem Teil ihres Lebens geworden ist.



Die Kleiderkammer ist für viele eine wichtige Anlaufstelle ©KMdG

Und wie wird das bezahlt?

Mit einem festen Stamm aus etwa 21 Ehrenamtlichen (20 Damen und ein Alibi-Herr) der katholischen Gemeinden des Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf, einem ehrenamtlichen Koordinator, einem Sozialpflegeassistenten sowie 3 kirchlichen Helfern.

Vier mal jede Woche heißt es: Einen Pfarrsaal in einen Essensraum verwandeln und die Küche vorbereiten.

Die von einer Großküche gelieferten 50 Portionen warmes Essen entgegennehmen. Das Essen, die Brötchen und Kuchen sowie Getränke (Kaffe, Tee) ausgeben. Einmal pro Woche die von der „Berliner Tafel“ gelieferten zusätzlichen Lebensmittel vorsortieren und den Besuchern bei Bedarf mitgeben.

Das Duschen und Wäsche waschen organisieren. Für Fragen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Am Schluß alles wieder auf- und umräumen sowie reinigen.

Ein Teil der benötigten Mittel kommt vom Bezirksamt: im Winter Geld von der Kältehilfe für 40 warme Essen, im Sommer aus Stiftungsgeldern für 24 warme Essen. Warum es im Sommer weniger obdachlose und bedürftige Menschen geben soll, bleibt dabei das ungelüftete Geheimnis des Bezirksamtes.

Alle anderen Mittel müssen durch Geld- und Sachspenden abgedeckt werden. Bei einer Ausgabe zwischen 50 und 90 Essen pro Tag wird klar, dass der Spendenbedarf enorm ist.

Spenden sind wichtig
Ein derartiges Projekt kann nur vom Engagement der Gemeinden, vieler Helfer und vieler Spender leben. Die Suppenküche vom Bergheimer Platz ist im Kiez verwurzelt und leistet dort unspektakulär viel Gutes.

Leider aber auch ohne die notwendige Medienaufmerksamkeit, die dafür sorgen würde, die finanzielle Basis zu sichern. Geld- und Sachspenden (Lebensmittel, Hygieneartikel, Kleidung) helfen, die Suppenküche weiter am Leben zu erhalten.

Kirche St. Marien Unbefleckte Empfängnis

Bergheimer Platz 2A
14197 Berlin;
Tel.: 030 - 82 79 19-0


Bankverbindung
Kontonummer: Katholische Kirchengemeinde St. Marien
"PAX-Bank"
Kontonummer: 6000 738 024 BLZ 370 601 93
Stichwort:Suppenküche

© KMdG

 



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