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Kreditkrise ohne Ende?
Ein Gespräch über Ursachen und Auswirkungen



Hansgeorg Hauser ist Beauftragter des Vorstandes der Commerzbank AG und Parlamentarischer Staatssekretär a.D. © Commerzbank

Tagtäglich neue Nachrichten von einem Markt, den eine Zeit lang nur Eingeweihte zu verstehen schienen. Sorgenfalten in den Mienen der Politiker und Banker. Die deutsche Konjunktur bedroht?

Grund genug für berlin-magazin.info einen Mann zu befragen, der als Steuerberater, ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und heute als Beauftragter des Vorstandes der Commerzbank AG eine tiefere Einsicht in die Dinge hat: Hansgeorg Hauser. Wir sprachen mit ihm über die sogenannte Subprime-Krise und ihre Auswirkungen auf die Banken und insbesondere die mittelständische Wirtschaft in Berlin und im Rest der Republik.

berlin-magazin.info:
Herr Hauser, haben wir mit der Subprime-Krise eine Banken - oder eine Wirtschaftskrise?

Hansgeorg Hauser:
Wir haben zunächst eine Vertrauenskrise innerhalb der Banken. Was in normalen Zeiten selbstverständlich war, nämlich dass sich Banken gegenseitig Geld ausleihen, ist zum Erliegen gekommen, weil keine Bank genau weiß, wie tief die Kollegen in die Krise geraten sind.

berlin-magazin.info:

Wie ist es zu dieser Krise gekommen?

Hansgeorg Hauser:
Die Subprime-Krise begann damit, dass die zuvor steigenden Immobilienpreise in den USA stagnierten oder sogar fielen, während gleichzeitig immer mehr Kreditnehmer ihre Kreditraten nicht mehr zahlen konnten. Davon waren vor allem Kredite betroffen, die in den USA an Kreditnehmer mit geringer Bonität vergeben wurden. Solange die Immobilienpreise stiegen wurde  das Problem nicht akut.

Doch vor etwa einem Jahr, im Frühjahr 2007, erreichten in den USA die Zahlungsausfälle auf diese Kredite den höchsten Stand der letzten Jahre. Das Problem: kontinuierliche Zinserhöhungen bei gleichzeitig stetigem Verfall der Immobilienpreise in den USA. Damit gingen etliche Baufinanzierer, die sich gerade auf die Finanzierung von weniger beleumundeten Kunden spezialisiert hatten, in die Knie.

berlin-magazin.info:
Aber woher die Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte?

Hansgeorg Hauser:
Die Baufinanzierer mussten sich ja auf dem Kapitalmarkt refinanzieren. Die Hauskredite, also die Rückzahlungs- und Zinszahlungsansprüche gegen die Schuldner, wurden als Wertpapiere verbrieft und als forderungsbesicherte Wertpapiere (englisch asset-backed securities, kurz ABS oder mortgage-backed securities, MBS) verkauft,  bzw. zu weiteren Derivaten umstrukturiert und  zu neuen Einheiten zusammengepackt.
Die Aufkäufer waren überwiegend Fonds, Versicherungen und andere Banken, die glaubten, damit ein gutes Geschäft machen zu können.

Mit dem Platzen der Blase mussten alle Marktteilnehmer hohe Abschreibungen tätigen. Als dann aufgrund der angefallenen Verluste Baufirmen Pleite gingen und  Hedgefonds geschlossen werden mussten, führte das auf dem sehr sensiblen Kapitalmarkt zu einer Abnahme der Risikobereitschaft privater und institutioneller Anleger.

Geld wurde aus dem Kapitalmarkt abgezogen. Der durch die Krise ausgelöste hohe Liquiditätsbedarf spiegelte sich am Geldmarkt durch einen Anstieg der Geldmarktzinsen wider. Am Geldmarkt beschaffen sich große Akteure wie Banken und Großunternehmen kurzfristige Liquidität beispielsweise durch Geldmarktkredite. So wurde aus einer Krise der Baufinanzierer eine Kapitalmarkt - und Geldmarktkrise, wobei die Amerikaner lange Zeit nur von Tubulenzen sprachen.

berlin-magazin.info:
Warum merken wir davon was in Deutschland?

Hansgeorg Hauser: 
Unsere Banken,vor allem die staatlichen Landesbanken hatten sich mit den diversen Papieren reichlich eingedeckt, weil diese ja eine gewisse Zeit gute Renditen brachten. Ob ein jeder da sein Geschäft verstanden hat, mag ich mal dahingestellt lassen. So schwappte die Krise nach Deutschland über.

berlin-magazin.info:
Was werden die Folgen bei uns sein?

Hansgeorg Hauser:
Einige Auswirkungen merken wir ja schon jetzt. Zunächst wird die Kreditvergabe noch sorgfältiger werden. Wir haben mit Basel II dafür ja ein wirkungsvolles Instrument in der Hand. Eines ist klar. Im Hypothekenmarkt wird man sich stärker die finanzielle Ausstattung des Darlehensnehmers und das diesbezügliche Risiko anschauen.

Bislang war der Blick eher auf den Wert der finanzierten Immobilie gerichtet. Außerdem wird es zu einer Überprüfung der Bilanzierungsverpflichtungen kommen, damit künftig Risiken nicht mehr außerhalb der Bilanz dargestellt werden. Schließlich muß die Rolle der Ratingagenturen überprüft werden.

berlin-magazin.info:
Und die Konjunktur?

Hansgeorg Hauser:
Wir können froh sein, dass wir eine starke Gemeinschaftswährung, den Euro, haben. Zwar ist der Wechselkurs zum Dollar für die deutsche Exportwirtschaft momentan nicht besonders attraktiv. Doch der Löwenanteil des Exports wird ja im Euroraum getätigt, Energiekosten überwiegend aber im schwachen US-Dollar. Darüber hinaus ist die Währungsunion und der Vertrag vom Maastricht, der die Defizitobergrenze der Teilnehmerstaaten bei drei Prozent begrenzt, ein Segen. Weil er zu Disziplin zwingt. Deshalb ist Europa erheblich robuster aufgestellt, als andere Märkte.

In diesem Zusammenhang muss die Rolle der Zentralbanken gewürdigt werden. Sie stellten blitzschnell dem Geldmarkt kurzfristig Liquidität in einem hohen dreistelligen Milliardenbetrag zur Verfügung, um zu verhindern, dass die Subprime-Krise eine allgemeine Kreditkrise oder Finanzkrise auslöst. Die Europäische Zentralbank hat beispielsweise 200 Milliarden Euro durch sogenannte Schnelltender zur Verfügung gestellt. Das Geld ist längst wieder aus dem Markt, aber diese Eingriffe haben sich bewährt.

berlin-magazin.info:
Wie stehen Sie denn zu den jüngsten Äußerungen des Deutsche Bank Chefs Josef Ackermann, dass der Staat in die Krise eingreifen müsse.

Hansgeorg Hauser:
Nun, man kann Verluste, die die Geschäftsbanken haben, nicht sozialisieren. Ich denke, die Instrumente, die uns zur Verfügung stehen, sind nach wie vor ausreichend. Viel wichtiger ist die Frage, wo eigentlich die Kontrolle versagt hat. Wie konnte es dazu kommen, dass eine IKB in Schwierigkeiten gerät. Und noch wichtiger: Vor allem bei den Landesbanken muss die ganze Wahrheit auf den Tisch. Das scheibchenweise Herausrücken mit der Wahrheit über die tatsächliche Höhe der zu tätigenden Abschreibungen macht den Markt nicht vertrauenswürdiger.

berlin-magazin.info:
Wird es Konsequenzen geben?

Hansgeorg Hauser:
Ich denke, am Ende des Prozesses wird es insbesonders bei den Landesbanken eine Reihe von Fusionen geben und es werden vor allem auf dem amerikanischen  Markt einige Banken, Baufinanzierer und Versicherer verschwinden.

berlin-magazin.info:
Schon jetzt hört man aus Kreisen amerikanischer Pensionsfonds, dass ein erhöhter Anlagedruck herrscht und dass die Fonds ihr Geld loswerden müssen.

Hansgeorg Hauser:
Vereinzelt ist das auch schon dem Berliner Immobilienmarkt zugute gekommen. Ob die hier zu erzielenden Mietpreise die Kaufpreise rechtfertigen und mit den Erwartungen der Anleger übereinstimmen, wird sich noch zeigen.

Aber lassen Sie mich noch etwas anderes sagen: Die deutschen Geschäftsbanken werden sich nicht, auch wenn der eine oder andere das unken mag, aus der Finanzierung deutscher Unternehmen zurückziehen. Es steht nach wie vor genügend Kapital bereit, um die Finanzierung der Wirtschaft ausreichend zu sichern. Das gilt besonders auch für die deutsche mittelständische Wirtschaft.

Für die Commerzbank als Mittelstandsbank möchte ich ausdrücklich betonen, daß wir bei der Kreditvergabe bei passender Bonität keinerlei Einschränkungen machen.



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