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Zumwinkel in der Geisbergstraße
... oder wie war das mit der Moral?

von Frank Tetzel

Heute Mittag war ich bei der Post. Filliale Geisbergstraße, Berlin Schöneberg. Ehemaliger Berliner Postzustellbezirk 30. Auch in dieser Filiale war Zumwinkel zugegegen.

Sie wissen schon, der Mann mit den Millionen, die am Fiskus vorbei nach Liechtenstein gewandert sind. Die freundliche Frau am Schalter, auf den Einwand, dass die Post ja jetzt kopflos sei, nachdem Chef Zumwinkel am Morgen seinen Rücktritt erklärt hat: "Nun, der hat seinen Kopf ja eh woanders gehabt. Dem hat die Gier das Hirn weggefressen. Bei uns geht´s normal weiter."

Das Eigenartige: das Geschrei der Politiker und auch vieler Medien nach der Aufdeckung dieses Falles ist wieder einmal groß. Es wird landauf, landab gefordert und krakeelt, wie schlimm doch die Managerkaste im Speziellen und im Allgemeinen sei.

Das Merkwürdige nur: Inzwischen ist die Kluft zwischen oben, der sogenannten "Mitte" und unten so groß geworden, dass das Verhalten der Spitzenmanager keinen aus dem gemeinen Volk mehr wirklich überrascht. Das ist das eigentlich Undenkbare und Unfassbare dieser Affäre.

Und da man sich mit einem dicken Scheckbuch auch gute Anwälte leisten kann und bestimmt ein hübscher Deal zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht abgeschlossen wird, wird wieder ein Stück des allgemeinen "Common sense" dieser Republik über Bord gehen.

Wen wundert es da noch, wenn die radikalen Parteien von dieser Entwicklung profitieren? 



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