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Mauerstreifzug I
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Vom Potsdamer Platz zum Checkpoint Charly weiter zur East-Side-Gallery


Die Mauer an der Niederkirchnerstraße führt direkt an der Gedenkstatte Topographie des Terrors entlang. © Frnak Tetzel

Kaum jemand ahnt wenn er im Jahr 19 des Mauerfalls am Potsdamer Platz steht, dass dieser zentrale Ort in Berlin zur Zeiten der Mauer eine Einöde war. Eine kleine hölzerne Plattform ließ den Blick nach drüben zu und nur hin und wieder hielt ein Reisebus davor, um seine Passagiere einen Blick "nach drüben" werfen zu lassen

Wer heute von Potsdamer Platz, an dem inzwischen die beiden 28 Jahre durch die Mauer geteilten Stadthälften wieder zusammengewachsen sind, sich in Richtung Südosten bewegt, erlebt auf einer Strecke von etwa sieben Kilometern einiges aus der Mauer-Geschichte und stösst vor allem auf den einen oder anderen, inzwischen selten gewordenen Mauerrest.

Wachturm
Selbst am Potsdamer Platz weisen eine temporäre Ausstellung, zwei Tafeln der Geschichtsmeile Berliner Mauer und ein – allerdings hinter Neubauten versteckter – Wachturm der DDR-Grenztruppen auf die Zeit der deutschen Teilung hin.

Mauer in der Niederkirchnerstraße
Besser nachvollziehbar wird die Grenzsituation in der Niederkirchner- und Zimmerstraße, an der eine etwa 200 Meter lange Originalmauer auf dem Gelände der Ausstellung „Topographie des Terrors“ (am Martin Gropius Bau) erhalten geblieben sind.

Hier ist auch die Markierung des ehemaligen Mauerverlaufs mit der doppelläufigen Kopfsteinpflasterreihe von Angela Bohnen und dem Kupferband von Gerwin Zohlen deutlich als die Linie erkennbar, an der die vordere Sperrmauer stand. Der bröckelnde Zustand des Mauerrestes ist übrigens den „Mauerspechten“ geschuldet: Mit Hammer, Meißel und Elektrowerkzeug hatten sie sich als Souvenirjäger 1989/90 am schnellen Abriss des verhassten Bauwerks beteiligt.

Checkpoint Charly
Vorbei am ehemaligen Ausländergrenzübergang Friedrichstraße/Checkpoint Charly, an dem das private Mauermuseum viele Besucher anzieht. Das Museumshaus am Checkpoint Charly, vom Historiker Rainer Hildebrandt am 14. Juni 1963 eröffnet, präsentiert neben Dokumentarfilmen und Zeitzeugengesprächen eine fast unüberschaubare Vielzahl an Exponaten und originalen Hilfsmitteln, die Menschen zu ihrer Flucht aus der DDR gebrauchten.

Das Haus am Checkpoint Charly galt lange als eine Insel der Freiheit im letzten Gebäude direkt vor der Grenze. Hier konnten Fluchthelfer durch ein kleines Fenster alle Bewegungen am Grenzübergang beobachten, hier waren Geflüchtete stets willkommen und wurden unterstützt bei der Umsetzung ihrer Fluchtpläne.

Im Anschluss an das Mauermuseum geht die Route weiter zum Gedenkort Peter Fechter.

Vom Verlagshaus Axel Springer ist es nicht mehr weit zum ehemaligen Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße. Hier wurde u.a. der Post- und Güterverkehr zwischen Ost- und West-Berlin abgewickelt und es war die Übergangsstelle für westdeutsche Besucher von Ost-Berlin sowie von akkreditierten Diplomaten.

Von der ehemaligen GÜST (Grenzübergangsstelle) ist nichts mehr übrig geblieben – auf der Ostseite hat sich ein Discount-Markt auf dem Gelände niedergelassen.

Durch Kreuzberg
Durch die Sebastian- und Waldemarstraße geht es weiter über das Engelbecken und den ehemaligen Luisenstädtischen Kanal. Über die Schillingbrücke gelangt man in die Holzmarkt- und Mühlenstraße. Dort befindet sich der längste erhaltene Mauerabschnitt in der Berliner Innenstadt. Die hintere Sperrmauer war hier untypischerweise in den neutralweißen Betonelementen ausgeführt, wie sie sonst nur als Mauer Richtung West-Berlin errichtet wurde. Die Grenzanlagen sollten in diesem Bereich besonders ansehnlich wirken, weil die Konvois der Staatsgäste vom Flughafen Schönefeld über diesen Straßenzug in das Ost-Berliner Zentrum fuhren.

East-Side-Gallery
1990 haben Künstler aus aller Welt den 1,3 Kilometer langen Rest der Grenzmauer mit markanten Bildern bemalt. Langfristig ist die East-Side-Gallery nur durch Sanierung des Mauerbetons und eine Rekonstruktion der Bilder zu sichern.

Streckeninformationen
Die Innenstadttour vom Potsdamer Platz zur Warschauer Brücke ist etwa sieben Kilometer lang, wegen der vielen Gedenk- und Erinnerungsorte sollte man aber genügend Zeit einplanen (ca. 4-5 Stunden).



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