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Liebeskummerpraxis


von Claudia Niessen

Ohne Praxisgebühr, aber nicht auf Krankenschein sieht der Liebeskranke jetzt Chancen einer Heilung. Silvia Fauck eröffnete im jüngst eine Liebeskummerpraxis am Hohenzollerndamm. Das Konzept bewährte sich bereits in Hamburg. In Berlin haben es zumindest die Wilmersdorfer nicht weit zu ihrer ’Ersten Hilfe’.

’Liebeskummer lohnt sich nicht, my darling – schade um die Tränen in der Nacht…’ ein Evergreen, ein Ohrwurm, der dennoch nichts nützt. Liebeskummer ist nicht weg zu singen. Aber es gibt Linderung.

Liebeskummer in Berlin
„Mit Liebeskranken habe ich nicht gerechnet.“ Silvia Fauck dachte an Menschen nach einer schweren Krankheit oder in einer persönlichen Krise, als sie ihre erste Praxis vor sechs Jahren in Hamburg eröffnete.

Die psychologische Beraterin hatte ihre Ausbildung an der Paracelsus-Schule in der Hansestadt abgeschlossen und machte sich sofort selbständig.

„Meine Klienten waren eben Menschen, die einen Personal Trainer oder Coach brauchten.“ Auch Firmen zählen zu ihren Kunden. Der große Erfolg brachte Silvia Fauck auf die Idee, eine weitere Praxis in Berlin zu eröffnen.

So konnte sie auch ihren zwei Töchtern, die in der Hauptstadt leben, näher sein. Seit Januar 2007 arbeitet sie nun am Wilmersdorfer Hohenzollerndamm. Eine gut platzierte Radiosendung und zwei Zeitungsartikel bescherten ihr schon am Neujahrstag zehn Klienten in Berlin.

„Männliche Klientel erreiche ich hauptsächlich über meine Stimme“, so Silvia Fauck, die auch ein Buch zum Thema ’Liebeskummer’ herausgegeben hat. „Sie lesen nicht. Wenn sie aber hören, wie lustig ich mit den Moderatoren bin, dann ist ihr Interesse geweckt.

Eine Radiosendung war der Auslöser für den Besuch eines ihrer ersten Kunden in Berlin. „Er hatte das Autoradio eingeschaltet, hörte das Wort ’Liebeskummer’ und machte das Radio sofort aus. An der nächsten Straßenecke hielt er jedoch an um zu hören, ob das Thema immer noch auf dem Sender lief. Als er dann unser lustiges Gespräch hörte, schrieb er sich Notizen auf und schaute später im Internet nach.

Am Neujahrstag um zehn Uhr stand er in der Praxis.“ Silvia Fauck lächelt. „Seine Ehe konnte ich retten.“


Liebeskummer in Hamburg
Nach dreijähriger Praxis in Hamburg stellte Silvia Fauck fest: „Am häufigsten kamen die Menschen mit dem ’Herzthema’.“ Da wusste sie, sie musste ihre Arbeit anders ausrichten.

Zur gleichen Zeit erreichte sie ein fünfseitiges Fax. „Ich wurde per Fax verlassen!“ Eine viereinhalbjährige Beziehung endete ohne Vorwarnung auf diese schnöde Art. „Es gab keine Anzeichen, dass etwas nicht stimmte. Wir hatten gerade Urlaub gemacht. Ich glaubte, wir würden heiraten. Das ist das Schlimmste - wenn man gar nichts ahnt. Ich war damals ganz unten.“

Drei Monate später nahm sie offiziell die ’Liebeskummer-Therapie’ in ihr Programm auf. Die Medien stürzten sich auf Silvia Fauck. „Nach den ersten Zeitungsberichten, da war was los. Hamburg stand Kopf“, staunt sie heute noch.

In- und ausländische Medien berichteten über „die erste Liebeskummerpraxis Europas“. Sie trat in Rundfunk und Fernsehen auf – unschätzbare Werbung. Die Praxis an der Eppendorfer Landstraße blühte.

„Viele Klienten bekennen sich nicht gleich zu ihrem Liebeskummer. Es gab Top-Manager, die klagten, dass es in der Firma nicht stimmt. Schnell stellte sich in Gesprächen heraus, dass zu Hause ’die Ehe brennt’. In der Arbeit war alles in Ordnung.“


Wie im Segelboot
Liebeskummerheilung gibt es nicht auf Krankenschein. Silvia Fauck bietet Einzelsitzungen, „Manchmal reicht bereits ein Besuch.“, und ’Pakete’ mit fünf Terminen an.

Sie läßt sich ihre Dienstleistung im Voraus bezahlen. Mit dem überwundenen Kummer ist die Rechnung der Retterin gerne einmal vergessen worden. Auf diese Erkenntnis hat die Beraterin reagiert. Frauen und Männer sind gleichermaßen vom Liebeskummer betroffen. Das Verhältnis ist ausgewogen. „Nach einer Radiosendung habe ich immer ’einen Tick’ mehr Männer in der Praxis.“

Silvia Faucks Erfahrung ist, dass „etwa 35 Prozent der Ehen nach Beratung wieder zu kitten sind. Ein großer Bedarf besteht bei Menschen, die ihren Partner oder ihre Partnerin wieder haben wollen.“ Am häufigsten kommen Klienten in die Praxis, die verlassen wurden, gefolgt von Menschen, die verheiratet sind, aber einen zweiten Partner lieben und sich nicht entscheiden können.

„Manche Männer erwarten, dass ich für sie entscheide, was gar nicht geht“, wundert sich Frau Fauck. Der einsame und unfreiwillige ’Single’ ist fast so oft Besucher der ’Liebeskummer-Praxis’ wie derjenige, der mit seiner Scheidung nicht zu recht kommt. Die wachsende Anzahl der ’Singles’ sieht Silvia Fauck als ein großes Problem.

„Gut ausgebildete Frauen mit hoch dotierten Jobs treffen auf selbstbewusste, intelligente Männer. Zwei starke Persönlichkeiten können für eine Beziehung gefährlich werden. Das ist wie in einem Segelboot. Da kann es auch nur einen Kapitän geben.“

 



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