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Macht und Freundschaft heisst die Ausstellun, bei der es um die preußisch- russischen Beziehungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geht. © spsg |
Die Wiederentdeckung einer Epoche europäischer Geschichte, so lautet der Untertitel dieser Ausstellung.
Zum Hintergrund:
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der deutsch-russische Kulturaustausch sehr stark. Das lag zum einen an den politischen Konstellationen in Europa, zum anderen aber auch an den dynastischen Bindungen zwischen dem preußischen und dem russischen Herrscherhaus durch die Heirat Charlotte von Preußens, der Tochter der sehr beliebten Königin Luise, nach Russland. (siehe nebenstehender Kasten)
Frankreichs Vormarsch nach Russland
Durch die Niederlage Preussens im Krieg gegen Napoleon im Jahre 1806 und den Russlandfeldzug der Grande Armée 1812 mit zur Teilnahme gezwungenen preußischen, österreichischen und Rheinbundtruppen, änderten sich die Koalitionen gegenüber Frankreich. So spricht man zwischen 1812 und 1814 vom sechsten Koalitionskrieg, obwohl zu Beginn des Russlandfeldzuges noch nicht alle Koalitionspartner (Großbritannien, Russland, Preußen, Schweden, Österreich und zahlreiche deutsche Kleinstaaten) als Gegner Frankreichs beteiligt waren.
Am 23. Juni 1812 überschritt die französische Armee die Memel. Die russischen Truppen zogen sich immer weiter ins Landesinnere zurück und hinterließen verbrannte Erde.
Am 14. September wurde Moskau eingenommen, das nahezu menschenleer war und in Flammen aufging. Der russische Zar Alexander I. weigerte sich, Verhandlungen mit Napoleon aufzunehmen und der Korse musste sich verlustreich zurückziehen.
Im November 1812 verblieben 70.000 Soldaten, die nur unter hohen Verlusten die Beresina überquerten.
Konvention von Tauroggen
In der Konvention von Tauroggen wechseln die preußischen Truppen die Seiten. Ein Waffenstillstand wird am 30. Dezember 1812 bei Tauroggen (Tauragė in Litauen) vom preußischen Generalleutnant Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg und von Hans Karl von Diebitsch, General der russischen Armee unterzeichnet.
Yorck handelte dabei ohne Absprache mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm III., einen Waffenstillstand zwischen seinem französischer Seite kämpfenden preußischen Hilfskorps und der russischen Armee aus.
In der Konvention erklärten sich die preußischen Truppen ab sofort für neutral, bis der König weitere Anordnungen treffen würde. Faktisch bedeutete das den Abfall Preußens vom erzwungenen Militärbündnis mit Frankreich.
Maßgeblichen Anteil am Zustandekommen dieses Vertrages hatte der in Diensten der Russen stehende spätere preußische General Carl von Clausewitz.
Abfall von Frankreich und Befreiungskriege
Preußen verstand dies als Beginn eines Aufstandes gegen die französischen Besatzer, der in der Folge zu den Freiheitskriegen gegen das napoleonische Frankreich führte.
Österreich und Preußen griffen erneut in die Kriegshandlungen ein. In der Schlacht bei Großgörschen am 2. Mai und in der Schlacht bei Bautzen im Mai 1813 gelangten dem französischen Heer zwar kleinere Siege über die inzwischen koalierenden russisch-preußischen Truppen. In der Schlacht bei Großbeeren verhinderten die Verbündeten die Besetzung Berlins durch die Franzosen. In der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. Oktober bis zum 19. Oktober 1813 (210.000 Franzosen, bis zu 310.000 Alliierte, über 110.000 Tote und Verwundete) fügten die verbündeten österreichischen, preußischen, russischen und schwedischen Truppen Napoleon die kriegsentscheidende Niederlage zu.
Was die Ausstellung zeigt
Eine Fülle von Kunstschätzen und kulturgeschichtlichen Zeugnissen beleuchtet die Ausstellung erstmals umfassend diese besonderen Beziehungen zwischen Preußen und Russland.
Seit längerem bereitet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin - Brandenburg in Zusammenarbeit mit Partnern wie der Staatlichen Eremitage St. Petersburg und dem Staatlichen Museumsreservat Peterhof sowie weiteren fünf russischen und zahlreichen in- und ausländischen Leihgebern die Ausstellung "Macht und Freundschaft. Berlin – St. Petersburg 1800-1860" vor, die vom 13. März bis zum 26. Mai 2008 im Martin-Gropius-Bau Berlin zu sehen sein wird.
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li:Das Innere der russischen Kapelle bei Potsdam Friedrich Wilhelm Klose, nach 1840,Aquarell, 21,2 x 15,6 cm, SPSG, Aquarellslg. 1807 re:Das Wohnzimmer der Großfürstin, Alexandra Fjodorowna im Anitschkow-Palast Maxim Worobjow (zugeschrieben), um 1817-1820, 39,8 x 53,2 cm, Aquarell, SPSG, GK I 40371 |
Nach der wiederholten Fokussierung auf Moskau wird der Blick nun auf jene Stadt gerichtet, die seit ihrer Gründung im Jahre 1703 als das "Fenster nach Europa" galt und von 1712 bis 1917 die Hauptstadt des Russischen Reiches war.
Im Mittelpunkt der Ausstellung "Macht und Freundschaft. Berlin – St. Petersburg 1800-1860" stehen die gleichermaßen von politischem Kalkül wie von intensiven kulturellen Aktivitäten geprägten Beziehungen zwischen Preußen und Russland.
Die Napoleonischen Kriege und die in ihrem Ergebnis geschlossene "Heilige
Allianz" zwischen Russland, Preußen und Österreich, aber auch die revolutionären Ereignisse von 1830/31 und 1848 verliehen ihnen eine gesamteuropäische
Dimension.
Aus politischen Bündnispartnern werden dynastische Verbindungen
Zwischen den Bündnispartnern im Kampf gegen Napoleon, Zar Alexander I. , König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise, entwickelte sich eine persönliche Freundschaft. Die Beziehungen zwischen den Ländern gewannen einen privaten Charakter durch die 1817 erfolgte Heirat des russischen Großfürsten Nikolai Pawlowitsch, dem späteren Zarlen Nikolaus I., mit Prinzessin Charlotte von Preußen. Charlotte konverierte zum orthodoxen Glauben und nahm den Namen Alexandra Feodorowna als russische Zarin an.
Beide Ebenen, so wird in der Ausstellung zu erleben sein, bestimmten das kulturelle Klima in Berlin und in der russischen Hauptstadt St. Petersburg.
Preußisch-Russische Gemeinsamkeiten
Besonderes Augenmerk gilt dem regen beiderseitigen künstlerisch-kulturellen Austausch, in den Architekten wie Wassily Stassow und Karl-Friedrich Schinkel, Intellektuelle wie Alexander von Humboldt und Wassily Shukowski, Maler wie Franz Krüger, Eduard Gaertner und Grigori Tschernetzow sowie Bildhauer wie Christian
Daniel Rauch, Carl Friedrich Wichmann und Baron Peter (Pjotr) Clodt von Jürgensburg involviert waren.
Kulturlandschaften, Russland in der Umgebung
Die Entwicklung der Kulturlandschaften und Sammlungen von Berlin und Potsdam, St. Petersburg und Umgebung weist bis heute viele Parallelen auf: In Potsdam wurde ein russisches Dorf, Alexandrowka, gebaut sowie die russisch-orthodoxe Kirche Alexander Newski auf dem Kapellenberg. Eine Bronzekopie des Milchmädchens aus Zarskoje Selo wurde im Park von Schloss Glienicke als Geschenk von Alexandra Feodorowna an ihren Bruder Prinz Carl aufgestellt.
Oberhalb des Wannsees entstanden das russische Blockhaus Nikolskoe (sprich Nikolskoje) und die Kirche St. Peter und Paul (Berlin-Wannsee) auf Nikolskoë.
Und im Jahre 1869 ließ Carl im Angedenken an seine 1860 gestorbene Schwester die Loggia Alexandra auf dem Glienicker Böttcherberg errichten.
Berlin bekam seinen „Alexanderplatz“. Auf der anderen Seite ließ Nikolaus I. die berühmte Sommerresidenz Peterhof zu einer Kulturlandschaft nach Potsdamer Vorbild formen.
Der Baukomplex der Römischen Bäder in Sanssouci wurde zur Vorlage für den Zarinnenpavillon, und in Sanssouci wie in Peterhof wurden die gleichen Skulpturen aufgestellt. Sichtbarstes Sinnbild preußisch-russischer Gemeinsamkeit waren die berühmten Petersburger Rossebändiger von Clodt, 1841 auf der Anitschkow-Brücke in St. Petersburg aufgestellt, deren Zwillinge 1844 vor das Berliner Stadtschloß gebracht wurden.
Bildnerische Zeugnisse auf Leinwand, Papier und Porzellan sowie Requisiten von höfischen Ereignissen wie dem Fest "Lalla Rookh" 1821 in Berlin und dem "Fest der weißen Rose" 1829 in Potsdam und der Parade von Kalisch 1835, aber auch die Reisezeichnungen von Friedrich Wilhelm IV. lassen eine Epoche lebendig werden,
die politisch konservativ und dennoch von Vorboten der Moderne berührt war. Dazu gehört die einsetzende Trennung von "öffentlich" und "privat".
Sie drücken sich beispielsweise im Kontrast zwischen spätklassizistisch geprägten städtebaulichen Großprojekten einerseits und der biedermeierlich anmutenden Gestaltung der Wohnbereiche sowohl der Zaren- als auch der Königsfamilie aus.
Ausstellungskonzeption
Der Rundgang setzt auf einen Wechsel von unterschiedlich strukturierten Themenräumen. Sparsam bestückte, der Politik gewidmete Räume, kontrastieren mit solchen, die mit einer üppigen Fülle von Kunstwerken aus verschiedenen Gattungen den regen Kulturaustausch anschaulich machen. In der Auswahl
der Exponate spiegeln sich auch die medialen Vorlieben der Epoche.
„Macht und Freundschaft . Berlin – St. Petersburg 1800-1860“
Berlin, Martin-Gropius-Bau
13. März – 26. Mai 2008
Geöffnet: Mi - Mo von 10 bis 20 Uhr
Eintritt: 8 € / ermäßigt 6 € (inkl. Audioguide in dt., engl., russ.)
Eine russisch-deutsche Ausstellung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.
Weitere Informationen:
www.spsg.de/macht_und_freundschaft
www.gropiusbau.de
Katalog:
„Macht und Freundschaft. Berlin – St. Petersburg 1800 - 1860“
Ca. 300 Seiten mit ca. 250 Farb- und 30 s/w Abbildungen, 22 x 27 cm
Koehler und Amelang, in der Ausstellung 24,90 €, im Buchhandel 29,90 €
Gefördert wird die Ausstellung in bester deutsch-russischer Kooperation von der Kulturstiftung des Bundes und Gazprom Germania.