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Hitlers 9. November

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von Frank Tetzel

Nun wird der Flut der Hitlerliteratur noch ein neues Buch hinzugefügt, dachte ich, als ich von Joachim Rieckers "Hitlers 9. November" hörte und das Buch zur Hand nahm. Dementsprechend skeptisch näherte ich mich diesem Thema.


Riecker geht der Fragestellung nach, woher Hitlers wahnsinniger Judenhass stammt. Seine Antworten findet der Journalist, der Leitender Redakteur der Märkischen Allgemeinen ist, vor allem in der Zäsur des für Deutschland verloren gegangenen Ersten Weltkrieges. Riecker trägt als Beleg dazu zahlreiche Zitate, Reden und Äußerungen Hitlers zusammen, wobei die Gefühle der Niederlage 1918 zunächst von Linken und Rechten eigentümlich gleich waren. So vergleicht Riecker Aussagen von Ernst Toller mit denen Hitlers und zeigt dabei erstaunliche Parallelen in der Gefühlswelt der sehr unterschiedlichen Protagonisten auf.

Seit dem Frühjahr 1919 glaubte Hitler, Deutschland habe den Krieg verloren, weil die Juden das deutsche Volk von innen »vergiftet« hätten. Dieses Thema zieht sich dann bis zur "Endlösung der Judenfrage" durch. Am 1. September 1939, dem Tag des Überfalls auf Polen, kündigte Hitler in seiner Reichstagsrede vor der deutschen Öffentlichkeit an, dass er die Juden mit Giftgas ermorden lassen werde: »Wer mit Gift kämpft, wird mit Giftgas bekämpft!« Mit der Ausrottung des europäischen Judentums wollte er den Zusammenbruch vom November 1918 sowohl rächen als auch rückgängig machen. Hitler verglich sich selbst mit einem Tuberkulose-Arzt. Hitler habe die Tötung der Juden als "Heilung", erst Deutschlands, dann ganz Europas gesehen, so Riecker. 

Die Gleichsetzung von "Volksgesundheit" und der Beziehung Hitlers zu seiner Mutter widmet sich Riecker intensiv. Hitlers Mutter starb 1907 an Brustkrebs, die Erkrankung wurde aber vielfach als Blutvergiftung dargestellt . Für Riecker ist der Tod der Mutter einer der wichtigsten Momente im Leben Hitlers, der damals gerade 18 Jahre alt geworden war. In den Reden des Diktators fiel dem Autor auf, dass auffallend oft das Bild von der "Vergiftung" des "Volkskörpers" verwendet wurde. Und wie wichtig die Mutterbeziehung für Hitler war; zeigt Riecker durch ein Zitat aus "Mein Kampf" heran. "Seit dem Tage, da ich am Grabe der Mutter gestanden, hatte ich nicht mehr geweint," schreibt der spätere Diktator über seine Gefühle nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 9. November 1918.

Fazit: Die anfängliche Skepsis wich während des Lesens in eine immer größer werdende Aufmerksamkeit. Ein kluges Buch.

Joachim Riecker
Hitlers 9. November
Wie der Erste Weltkrieg zum Holocaust führte

296 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
Format 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-937989-57-0
EUR 22,00

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