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Herr Wolle lässt noch einmal grüßen
Als wir zu Nazis und Juden wurden – ein deutsches Familiendrama


„Herr Wolle läßt noch einmal grüßen, Geschichte meiner deutsch-jüdischen Familie" von Sibylle Krause-Burger, DVA Sachbuch, München 2007
geb. 256 Seiten 13,5 x 23,5 cm, 41 sw Abbildungen, ISBN 978-3-421-05915-4 Preis: € 19,95

Herr Wolle lässt noch einmal grüßen, so lautete der kurze Telefonanruf, den die Familie erhielt, als Sibylle Krause-Burgers Onkel Günter und Großmutter Thekla in Berlin deportiert wurde.

Die standhafte Journalistin, die 2007 mit dem Theodor-Wolff-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, erzählt die Geschichte ihrer Familie im 20. Jahrhundert, die durch ihre „arisch-jüdische" Herkunft geprägt ist.

Was mit einer Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann aus der schwäbischen Provinz und der Tochter eines jüdischen Unternehmers im Berlin der zwanziger Jahre begann, entwickelte sich im »Dritten Reich« zu einem Drama, das bis in die Nachkriegszeit hineinreicht.

Ein Teil des Buches handelt vom Leben der Familien Wolle und Burger in der Berliner Schillerstraße 104 in Charlottenburg, der andere Teil überwiegend im Schwabenland, die Heimat der Familie Burger.

Krause-Burger beschreibt die schleichende Entrechtung der deutschen Juden, aber auch wie die Risse quer durch die Familie gehen. Übrigens nicht nur während der Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch noch danach.

Im September 1941 muss Thekla Wolle zum ersten Mal den gelben Stern tragen. Ihre Enkeltochter, damals fast sechs Jahre alt und nach Maßgabe der Nazis ein »Mischling ersten Grades«, erlebt diesen Moment der Verzweiflung am Anfang eines Weges in den Tod.

Übrigens: Erst 2004 erfährt Sibylle Krause-Burger jedoch in allen Einzelheiten, was ihrer Großmutter damals geschah und wie der jüngere Bruder ihrer Mutter jahrelang vergeblich darum kämpfte, den Häschern zu entkommen.

Alle Hoffnungen richteten sich dabei auf den älteren Bruder, dem die Flucht nach Brasilien noch gelungen war. In Hunderten von Luftpostbriefen, die zwischen 1937 und 1941 jede Woche pünktlich von Berlin an ihn abgingen, außerdem in vielfältigen Aufzeichnungen und Dokumenten, fand die Autorin diese Familientragödie widergespiegelt.

Ein sehr lesenswertes Buch, persönlich und engagiert geschrieben, das Sibylle Krause-Burger jetzt vorgelegt hat. Die Autorin ist in Berlin geboren und studierte politische Wissenschaften in Tübingen. Sie ist Kolumnistin der Stuttgarter Zeitung und schreibt auch für andere große Blätter. Sie wurde ausgezeichnet u.a. mit dem Theodor-Wolff- und dem Karl-Hermann-Flach-Preis.

Zuletzt veröffentlichte sie »Joschka Fischer - Der Marsch durch die Illusionen« und »Wie Gerhard Schröder regiert - Beobachtungen im Zentrum der Macht«.

Hören Sie hier ein Interview mit der Autorin zu diesem Buch.

berlin-magazin.info-Bewertung: ++



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