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Was passiert am Gasometer?


© Oberg

von Lars Oberg

Der Käufer des Gasag Geländes und damit des Gasometers stellte sich und seine Pläne vor.

Der Berliner Architekt Reinhard Müller empfing zahlreicheBezirkspolitiker am Fuße des Gasometers, um im Rahmen eines "Werkstattgesprächs" seine Pläne für das Gasag-Gelände an der Torgauer Straße in Schöneberg vorzustellen.

Müller hatte das Gelände Ende März erworben und von seiner Firma "REM+tec" ein Zukunftsszenario entwickeln lassen. Zunächst pries er die Lagegunst des Standortes: Perfekte S-Bahn-Erschließung, der Fernbahnhof in Spaziergangsweite und über die Stadtautobahn in 20 Minuten am künftigen Großflughafen BBI.



Blick in den Gasbehälter ©Oberg

In der Tradition des Geländes

Er wolle diese hervorragende Lage nutzen, um hier einen Verwaltungs- und Entwicklungsstandort für alles zu entwickeln, was mit Energie zu tun hat. Dies entspräche zum einen der Tradition des Geländes, zum anderen sei der Gasometer ein ideales Wahrzeichen einer solchen Ausrichtung, quasi sein eigenes Markenzeichen.

Er wolle am Ende über 100.000 Quadratmeter Mietfläche anbieten, verteilt auf eine Reihe von Baukörpern entlang der Wannseebahn und durch Ausbau des Gasometers selbst. Dabei solle der Gasometer erhalten bleiben, sein Inneres jedoch mit einem runden transparenten Gebäude gefüllt werden.

Auch ein Park entsteht
Die Baukörper sollen von einer parkartigen Grün- und Wasserlandschaft umgeben sein. Für die Öffentlichkeit soll vor dem Gasag-Areal der schon seit langem auch vom Bezirk geplante Cherusker-Park entstehen. Dieser würde die Fläche zwischen der Ringbahn-Trasse, dem Gasag-Grundstück und der künftigen S-Bahn Linie 21 umfassen. Müller strebt an, dass die Torgauer Straße zwischen Gasag-Eingang und Gotenstraße aufgegeben und dem Park zugeschlagen wird.

Verkehrliche Erschließung
In Bezug auf die künftige Erschließung des Geländes denkt Müller auch eher groß als bescheiden. Er möchte, dass der ungenutzte Stummel der Westtangente am Schöneberger Kreuz als Stadtstraße genutzt und unter der Sachsendamm-Brücke durchgeführt wird.

Nördlich anschließend könne dann unter dem Ringbahn-Damm hindurch gerade auf das zu erschließende Gelände zugeführt werden, ohne dass zusätzlicher Verkehr etwa für die Rote Insel entstünde. Dies würde zugleich die Schöneberger Linse rund um den Tempelhofer Weg besser an den Verkehr anbinden.

Altlasten
Ein schwerwiegendes Problem stelle zur Zeit die Altlastenfrage dar, da der Boden an vielen Stellen mit Schwermetallen, Cyaniden und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet sei. Müller will die Bodensanierung auf hohem Standard durchführen lassen, da er ansonsten fürchtet, potentielle Mieter zu verschrecken.

Müller ist bekannter Objektentwickler
In seinem Vortrag verwies Müller häufig auf seine Referenzen bei der Entwicklung von Standorten, um die Bedenken der Anwesenden zu zerstreuen, er beschreibe schöne Visionen, ohne die Umsetzungskompetenz zu haben.

Prominentestes Beispiel ist gewiss der ehemalige Eierspeicher am Osthafen, der heute von Universal Music genutzt werde. Er betrachte seine Ideen-Schau als "Werkstatt-Gespräch" und würde sich freuen, wenn dies der Einstieg zu einer Diskussion wäre, die seine und die Interessen des Bezirks zu möglichst großer Übereinstimmung brächte.

Sanierung schon 2007
Zur Freude der Bezirksvertreter kündigte Müller an, noch in diesem Jahr mit einem Aufwand von 3,5 Mio. EURO den Gasometer sanieren zu wollen, der erheblich mit dem Rostfraß zu kämpfen habe.

Zur teilweisen Gegenfinanzierung wolle er mit einer Werbeanlage aus tausenden Leuchtdioden nachts Werbung in Richtung Autobahn ausstrahlen. Das Leuchtdiodennetz sei während der Tagesstunden quasi unsichtbar.

Der Probebetrieb der Anlage habe am 23. Mai auf 30 mal 30 Metern mit einer Werbung für die aktuelle Ausstellung der Nationalgalerie begonnen. Im Erfolgsfalle soll das Diodennetz auf 40 mal 50 Meter vergrößert werden.



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Der Schöneberger Gasometer

Er wird Gasometer genannt, ist aber ein Niederdruck-Gasbehälter und wurde bis Mitte der neunziger Jahre benutzt.

Die technische Anlage der späteren Gasag wurde zwischen 1908 und 1910 von der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau AG (BAMAG) von Alfred Messel errichtete und war damals einer der drei größten des Kontinents.

In dem Behälter konnten bis zu 160 000 Kubikmeter Gas gespeichert werden. Der Durchmesser beträgt 61 Meter. Die Höhe 78 Meter. Über dem Wasserbassin aus genieteten Stahlplatten erhebt sich in sechs Stockwerken ein filigranes Führungsgerüst aus 24 senkrechten, ringartig miteinander verbundenen Stahlfachwerk-Masten.

Die Funktionsweise des Gasometers ist einfach: Das Gas dringt durch ein Rohr von unten in den Gasbehälter ein und drückt da es leichter als Luft ist, die nach dem Teleskopprinzip ausfahrbaren, mit einem Deckel versehenen Stahlwände nach oben. Dazu war lediglich ein Druck von etwa 40 Millibar notwendig.

Im Sommer 1994 wurde der Gasometer und das angrenzende Betriebsgebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Lars Oberg


Lars Oberg
© SPD


Der Autor ist Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin.

Geboren am 27. April 1979 in Stuttgart

Bis 1998 Schulbesuch in Stuttgart, Abitur am Gottlieb-Daimler-Gymnasium

1998/1999 Wehrdienst bei der Fernspählehrkompanie 200 in Pfullendorf

Umzug nach Berlin im Oktober 1999 und Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin

Von 2002 bis 2004 Studium der Philosophie, VWL und BWL an der Humboldt-Universität zu Berlin

2004 Abschluss als Diplom-Kommunikationswirt an der UdK-Berlin

Seit 2004 Referent im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, zunächst im Referat Grundsatzfragen neue Länder und seit Dezember 2004 im Referat für Wirtschafts- und Förderpolitik für die neuen Länder

Seit 2000 Mitglied der SPD - unter anderem Kreissprecher der Jusos Tempelhof-Schöneberg, Landesparteitagsdelegierter, Mitglied des Abteilungsvorstandes

2002 bis 2006 Bürgerdeputierter im Ausschuss für Wirtschaft und EU-Förderung der BVV Tempelhof-Schöneberg

Seit September 2006 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhaus und ordentliches Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft und Forschung sowie im Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie

Seit Juni 2007 Vorsitzender des Kuratoriums der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin


Berlin-Magazin.info ist ein Internet-Magazin von Hayit Medien, einer Unit von Mundo Marketing GmbH

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