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Funkhaus Berlin
Einzigartige Akustik in der Nalepastraße


von Andrea Setzepfandt

Mit dem Funkhaus Berlin schuf der Architekt und Bauhaus-Schüler Franz Ehrlich (1907 – 1984) sein Meisterstück. In diesem Jahr feiert Ehrlich seinen hundersten Geburtstag.

Unbeeindruckt vom „Zuckerbäckerstil“ der stalinistischen Baudoktrin plante und baute er 1951 für den Rundfunk der DDR ein modernes, streng gegliedertes Gebäudeensemble auf dem Gelände einer ehemaligen Furnierfabrik in Berlin - Oberschöneweide direkt im begrünten Uferbereich der Spree.

Funktional getrennte Gebäudeteile
Entsprechend der Nutzung wurde das Funkhaus in vier funktional getrennte
Gebäudeteile untergliedert, die durch brückenartige, säulengetragene Übergänge
miteinander verbunden sind. Im monumentalen Hauptgebäude mit dem dominanten, neungeschossigen Turmhaus entstanden zahlreiche Büros für die Redakteure und die Verwaltung sowie Aufnahmestudios für Radiosendungen.

Einzigartige Akustik
Das bogenförmige Studiogebäude wurde für eine einzigartige Akustik nach dem Haus-in-Haus-Prinzip gebaut und umfasst mehrere Aufnahme- und Hörspielstudios sowie den berühmten Großen Sendesaal 1.
Ehrlich baute zusätzlich ein großes Mehrzweckgebäude mit einer Kantine und einem zweigeschossigen Veranstaltungssaal sowie eine große Halle mit Sheddach, das eine optimale Ausleuchtung mit Tageslicht ermöglicht. Gemeinsam mit dem so genannten Werksgarten steht das Gebäudeensemble heute als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.




Klar gegliederte Fassade
Der Betonskelettbau der ehemaligen Furnierfabrik erhielt eine neue Fassade aus rotem Klinkermauerwerk, die Franz Ehrlich durch Lisenen aus Sandstein vertikal gliederte. Diese haben zwar keine konstruktive Funktion, verleihen dem Gebäude aber einen klaren und monumentalen Charakter, der durch den elegant schwebenden Dachabschluss eine gewisse Leichtigkeit erfährt.

Ungewöhnlicher Grundriss
Ungewöhnlich sind der Grundriss und die Bauweise des benachbarten Studiogebäudes, der aus einem äußeren Haus und acht inneren Häusern besteht. Der Architekt entwarf einen massiven, fensterlosen Kopfbau, dessen Eckmassive einen fensterlosen Mittelbau umrahmen, der ebenfalls durch vorgelagerte Lisenen vertikal strukturiert ist. Dahinter verbirgt sich der für seine Akustik weltweit berühmte Große Sendesaal 1.

Die angegliederten Studios sind in einem viertelkreisförmigen Bogen zusammengefasst und mit einem durchdachten Erschließungssytem ausgestattet. Der äußere verglaste und lichtdurchflutete Bogengang mit den großen Stahlfenstern ist eine Reminiszenz Ehrlichs an das Bauhaus und diente als Foyer und Aufenthaltsraum. Der kleinere, innere Bogengang erschloss die technischen Räume.

Durchdacht...
Die Studios selbst haben einen trapezförmigen Grundriss und separate Fundamente, um Schallübertragungen zu vermeiden sowie angegliederte Regie- und Aufenthaltsräume. Bereits in der Planungsphase arbeitete Franz Ehrlich eng mit dem Rundfunktechniker Gerhard Probst zusammen. Die Innenausstattung erfolgte unter maßgeblicher Beteiligung der renommierten Deutschen Werkstätten Hellerau in Dresden.

Perfektion
Trotz Zeitdruck und beschränkten finanziellen Mitteln ist den Erbauern ein akustisch perfektes Gebäudes gelungen, das auch heute noch Musiker und Orchester aus der ganzen Welt zu Studioaufnahmen in die Nalepastraße zieht.

Ungeachtet der Größe der Gebäude verzichtete der Architekt bewusst auf repräsentative Zufahrten oder Eingänge zu den Gebäuden. Tritt man jedoch durch die zum Teil fast versteckt liegenden Eingänge in die Gebäude, eröffnen sich großzügige Foyers mit Freitreppen und repräsentative Eingangshallen mit Säulen.



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