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Mehr als vier Jahrzehnte Damenwahl


von Franziska Manske
Vor 42 Jahren wurde im legendären Café Keese der erste „Ball Paradox“ gefeiert. Stammgast Helga Simon (80) erinnert sich an die sexuelle Ausgehrevolution in Berlin.

August 1966. Die Pille ist bereits erfunden, der Mini-Rock auch. Da feiern die Berliner an der Bismarckstraße (Charlottenburg) eine Sensation. Zum ersten Mal bitten Damen die Herren zum Tanz!

Die sexuelle Ausgeh-Revolution findet statt, beim „Ball Paradox“ im Café Keese. Das legendäre Tanzlokal feiert inzwischen seinen 42. Geburtstag. Helga Simon (82) war damals dabei. „Ich durfte als erste aufs Parkett der Ehestiftungen“, sagt sie stolz, „Tausende Ehen sind hier entstanden. Mehr als in jeder anderen Berliner Lokalität.“

Die attraktive alte Dame ist berühmt für ihr knallrote Lippen und Fingernägel und die elegante Hochsteckfrisur. Sie ist Berlins älteste noch aktive Fotografin. Vor über 16.000 Tagen kam sie mit ihrer Leica ins Café Keese – und fotografierte die Eröffnung. Danach ging die damals 38-jährige fast jeden Abend hin.




Helga Simon ist Stammgast im Cafe Keese. Noch mit über achtzig ist sie stets dabei Foto links privat, rechts Franziska Manske

„Es war Berlins Kennenlern- Tempel Nr. 1“, sagt Helga Simon, „ich lernte alle meine Affären und Partner hier kennen. Doch der Mann fürs Leben war nie dabei...“

Heute gehört „Oma Keese“ zum Inventar. „Ich komme fast immer noch täglich. Ich brauche den Trubel um mich herum. Das Café ist mein zweites Zuhause.“ Ihre Spiegelreflexkamera nimmt sie immer noch mit. Aber wenn der Hausfotografin ein Lied gefällt, fordert sie die Herren zum Tanz auf. „Oma Keese“: „Wie in alten Zeiten. Manchmal bleibt eben doch die Zeit stehen...“

Nur eins hat sich geändert. Helga Simon guckt bei den Männern nicht mehr so nach dem Aussehen. Charmant müssen sie sein. „Echte Gentlemen eben!”

Cafe Keese
Bismarckstraße 108
10625 Berlin
Tel. 030 - 312 91 11

www.cafe-keese-berlin.de



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Das Cafe Keese ist eine Hamburger Erfindung. 1948 wurde Café Keese in Hamburg auf der Reeperbahn von Herrn Bernhard Keese gegründet und eröffnet. Im August 1966 wurde in Berlin ein Café Keese eröffnet und gehörte bis 1989 zum Hamburger Familienunternehmen.

Seit 1989 führt Familie Ludwig das Café Keese in Berlin als Familienunternehmen und achtet darauf, dass - im Gegensatz zur Hamburger Reeperbahn - das Cafe Keese den ursprünglichen Charakter behält. Das Thema heisst: "Ball Paradox" Damenwahl


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