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Berlin als Autorenstadt

von Detlef Bluhm*

Berlin ist Deutschlands Hauptstadt der Autorinnen und Autoren. Dies belegen allein die Mitgliederzahlen der beiden wichtigsten Autorenvereinigungen.
Das Deutsche Zentrum des P.E.N. (Poets, Essayists, Novelists), die weltweit bedeutendste und in über 140 Landesgruppen organisierte Schriftstellervereinigung,
zählt 661 Mitglieder, davon leben 186 in Berlin. Ähnlich sieht es beim VS, dem Verband Deutscher Schriftsteller, aus, der insgesamt 4.000 Mitglieder hat, von denen über 500 in Berlin organisiert sind.

Doch die Mitgliederzahlen dieser beiden Autorenvereinigungen vermitteln aufgrund ihrer relativ geringen Datenbasis nur ein undeutliches Bild von der Attraktivität Berlins für Autorinnen und Autoren.

Berlin ist attraktiv
Nimmt man die aktuelle Ausgabe von Kürschners Deutschem Literatur-Kalender zur Hand und addiert die dort verzeichneten belletristischen und Sachbuchautoren in
Deutschland, so findet man darin 20.417 Autorinnen und Autoren verzeichnet, von denen nach Auskunft des Verlages 1.873 Berlin zu ihrem Lebensmittelpunkt erkoren haben.

Wenn man dazu noch die in Kürschners Deutschem Gelehrten-Kalender erfassten Personen addiert, kann man schlussfolgern, dass mindestens 10 Prozent aller in Deutschland lebenden Autorinnen und Autoren in Berlin leben.

Prägend
Die Autorinnen und Autoren aus Berlin sind nicht nur zahlreich, sie sind auch einflussreich und prägen das Bild der gegenwärtigen Literatur. Dies gilt vor
allem für die mittlere und jüngere Generation.

So unterschiedliche Autorenpersönlichkeiten wie Thomas Brussig, Ulrike Draesner, Tanja Dückers, Julia Franck, Durs Grünbein, Judith Hermann, Wladimir Kaminer, Emine Sevgi Özdamar, Alexander Osang, Inka Parei, Ingo Schulze oder Christa Wolf genießen hohe literarische Anerkennung im In- und Ausland.


Literaturpreise
Ganz ähnlich sieht es bei den überregional beachteten Literaturpreisen aus, die im deutschsprachigen Raum vergeben werden. In den letzten fünf Jahren wurde der Ingeborg-Bachmann- Preis drei Mal nach Berlin vergeben.

Junge Szene
Im gleichen Zeitraum konnten sich zwei Berliner Autoren über die Auszeichnung mit dem Georg-Büchner-Preis freuen. Beim Bremer Literaturpreis standen in den letzten beiden Jahren ebenfalls zwei Berliner auf dem Siegerpodium. Und beim Open Mike, dem bedeutendsten deutschen Förderpreis für Autorinnen und Autoren bis zum Alter
von 35 Jahren, stammt beinahe jeder zweite jurierte Text aus Berlin, ein Zeichen
dafür, dass sich vor allem die junge Literaturszene inzwischen nach Berlin verlagert hat.

Literaturagenturen
Berlin ist gleichzeitig Zentrum der literarischen Agenturen in Deutschland. Die auf deutsche Autoren spezialisierte Agenturtätigkeit hat 1995 mit der Gründung der Agentur Graf & Graf in Berlin ihren Anfang genommen.

Heute gibt es 120 Literaturagenturen in Deutschland. Zu den bedeutendsten zählen Eggers & Landwehr, Graf & Graf, Mohrbooks Berlin und The Berlin Agency – alle mit Sitz in Berlin.

Zuzug reißt nicht ab
Der Zuzug junger Autorinnen und Autoren nach Berlin reißt nicht ab. Der Fall der Mauer und der architektonische und geistige Ausbau Berlins haben neue Perspektiven eröffnet.

Berlin ist nicht allein das Exerzierfeld des Zusammenwachsens von Ost und West. Die Stadt ist wie keine andere in Europa in Bewegung geraten, unterwegs auf der
Suche nach einer neuen Identität.

Es ist dieser Prozess mit offenem Ausgang, der die Kreativen aller Kunstsparten anzieht. Vor allem in der Literatur wächst Berlin längst über sich hinaus. Seine Autorinnen und Autoren sind dabei, den ästhetischen Diskurs und die Themen der Zeit nicht nur in Deutschland maßgeblich zu prägen.
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* Der Autor ist Geschäftsführer des Landesverbandes Berlin des Börsenvereines des Deutschen Buchhandels



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