Auch Sperrbezirke, in denen Prostitution verboten wäre, gibt es nicht. Das sogenannte "Horizontale Gewerbe" findet man überall in Berlin. Schon in den zwanziger Jahren galt die deutsche Hauptstadt als ausgesprochen freizügig. Nackttänzerinnen waren damals die große Sensation in Berlin.
Der Straßenstrich an der Kurfürstenstraße ist weit über die Stadt hinaus bekannt und zwar nicht erst, seitdem sich einige Fahrer der Berliner Straßenreinigung BSR haben im Dienst von den Damen bedienen lassen. Auch in der Oranienburger Straße begegnen Nachtschwärmer den Damen, die ihrer nächtlichen Beschäftigung nachgehen. Er ist Rest des alten westberliner Milieus, das aus Straßenstrich und Stricherstrich rund um den Bahnhof Zoo, aber auch edlen Luxusbordellen bestand. Dabei war man auch in Ostberlin - in dem es offiziell ein Prostitutionsverbot gab - nicht prüde. In den Interhotels ging es - auch unter den Augen bzw. mit Duldung der Stasi - teilweise heftig zu. Zielgruppe: Westliche Geschäftsleute.
Ein klassisches Rotlichtviertel, wie beispielsweise die Reeperbahn in St. Pauli, findet man in Berlin nicht. Zwar existieren rund um den Stuttgarter Platz in Charlottenburg einige einschlägige, wenn auch nicht besonders niveauvolle Bars mit entsprechenden Dienstleistungen hauptsächlich für Männer. Alle anderen Dienstleistungen von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern in der deutschen Hauptstadt sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt.
Und dann gibt es da noch das "Artemis" in Charlottenburger Stadtteil Halensee direkt neben der Stadtautobahn. Das FKK Artemis ist sowohl ein Saunaclub und eine Wellness-Oase mit Pool, Bio- und Finnische Sauna, Hamam, Sex-Kinos, Solarium, Restaurant. Die Betreiber vermieten Zimmer an die dort arbeitenden Frauen, die alle selbständig sind. Für 80 Euro Eintritt bekommt man einen Bademantel und Badelatschen sowie Essen und alle antialkoholischen Getränke für den Abend. Die jeweiligen Dienstleistungen werden direkt mit den Damen abgerechnet.
Ein Geschäftsmodell, was sich rechnet und so einzigartig in der deutschen Hauptstadt ist. Die Eröffnung des Artemis schlug hohe Wellen, gab es doch in Berlin diese Art von Etablissement bis dato nicht. Die Gäste bestehen zu einem überwiegenden Teil aus Nicht-Berlinern. Meist sind es Messe- oder Kongressbesucher, die das Artemis aufsuchen.
Inzwischen hat sich das Interesse der Medien wieder ein wenig gelegt, der Medienspiegel auf der Website des Artemis endet bei der Fußball WM 2006.