Checkpoint Charlie

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Checkpoint Charlie

Checkpoint Charlie hat seine Bedrohlichkeit verloren. Souvenirstände beherrschen heute die Szenerie (Foto: Frank Tetzel)

Wer heute den Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße besucht, der hält die Gegebenheiten dort möglicherweise für ein wenig folkloristisch.

Die originalgetreue Nachbildung des Kontrollhäuschens auf der amerikanischen Seite der damals in vier Sektoren geteilten Stadt, ein paar übereinander getürmte Sandsäcke, die mit Beton gefüllt sind, Souvenierhändler, die sowjetische Militärabzeichen und Mützen, Babuschkas und allerlei anderen Trödel viel zu teuer verkaufen. Checkpoint Charlie, dort wo der Bezirk Mitte an der Ecke Zimmerstraße in Kreuzberg übergeht, ist eine der wichtigsten Touristenattraktionen Berlins geworden.

Der Kontrollpunkt war einer von drei durch die US-Amerikaner genutzten alliierten Kontrollpunkte und lediglich für Militärs und Diplomaten durchlässig. Benannt wurde er nach dem dritten Buchstaben des Fliegeralphabets. Checkpoint Alpha befand sich auf der amerikanischen, später bundesdeutschen Seite in Helmstedt/Marienborn. Der Checkpoint Bravo war die amerikanische Seite des Grenzkontrollpunktes „Dreilinden" am Ende der AVUS.

Name als Verteidigung des Viermächtestatus


Während die Ostberliner Seite gern von Grenzübergangstellen sprach, beharrten die Amerikaner auf dem Begriff „Checkpoint". Hintergrund: Damit erkannten sie die Staatlichkeit Ostberlins als integralen Bestandteil der DDR nicht an.

Nach dem Bau der Mauer am 13. August 1961 versuchte die Ostberliner Führung – mit sowjetischer Rückendeckung – die Bewegungsfreiheit der westlichen Alliierten einzuschränken.

Kurz vor der Katastrophe


Am 25. Oktober 1961 rollten daraufhin am Checkpoint Charlie amerikanische Panzer auf, einen Tag später postierten sich zehn sowjetische Panzer in der Friedrichstraße. Nicht einmal 200 Meter voneinander entfernt standen sich die Streitkräfte der beiden Supermächte gegenüber. Achtundvierzig Stunden lang reckten die Panzer drohend ihre Geschützrohre gegeneinander: Würde ein Dritter Weltkrieg hier an der Nahtstelle zwischen Ost und West ausbrechen?

Am Morgen des 28. Oktober zogen sich die sowjetischen Soldaten zurück, nachdem Staatschef Chruschtschow persönlich den Befehl dazu gegeben hatte. Zuvor hatte sich der US-Präsident telefonisch für eine Entschärfung des Konflikts eingesetzt.

Heute weiß man, dass die Kommandeure beider Seiten den Befehl hatten, ihre Panzer notfalls einzusetzen. Kurz darauf räumten auch die amerikanischen Panzer die Stellung.

Nicht zuletzt wegen dieser Tage im Oktober wurde das politische Bauwerk „Mauer" zum Schauplatz spektakulärer Auftritte, etwa als US-Präsident Kennedy die Stadt besuchte und hier einen Blick über die Mauer warf.

Die Trennlinie zwischen dem amerikanischen und sowjetischen Sektor war immer wieder ein Ort für Demonstrationen. Hier gelangen Fluchten oder scheiterten kurz vor dem weißen Grenzstrich. Am 17. Ausgust 1962 verblutete Peter Fechter vor den Augen der Welt.

Nach dem Fall der Mauer wurde die Originalbaracke in Anwesenheit der vier alliierten und beider deutscher Außenminister abgebaut und in das Alliertenmuseum verfrachtet.

Das Mauermuseum von Alexa Hildebrandt, nur einige Schritte vom Checkpoint Charlie entfernt, erinnert an die Mauerzeiten. Hier ist auch die letzte Kremlflagge zu sehen.

Nützliche Informationen

Checkpoint Charlie

Anfahrt:
U-Bahn: U6 bis „Kochstr."
Bus-Haltestellen „Kochstr./Checkpoint Charlie" mit M29, N6 und „Stadtmitte/Leipziger Str." mit 347, M48

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Dokumentation im Mauermuseum

Das Haus am Checkpoint Charlie, auch Mauermuseum genannt, dokumentiert schon seit zwei Jahren nach dem Mauerbau die Unmenschlichkeit der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Es gehört zu den meistbesuchten Museen Berlins.

Hier gelangen Sie zum

MAUERMUSEUM