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Anhalter Bahnhof


Vom Anhalter Bahnhof, einst der prächtigste der Stadt, stehen nur noch Ruinen. © Frank Tetzel


170 Meter lang, 62 Meter breit und 34 Meter hoch – bei seiner Einweihung war der Anhalter Bahnhof der größte Europas. Entworfen von Franz Schwechtem, der auch Architekt der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche war.

Es gab großen Bahnhof zur Eröffnung der neuen Station am 15. Juni 1880. Zusammen mit seinem Reichskanzler Otto von Bismarck erschien der Deutsche Kaiser Wilhelm I. zum Empfang. Ihren Namen erhielt die Fernstation, weil der Kopfbahnhof der Ausgangs- und Endpunkt der Berlin-Anhaltinischen Eisenbahn war, und hier die Züge in südliche Richtung abfuhren.

Berlin hielt lange an dem System des Kopfbahnhofs fest, wie es Paris heute noch hat. Der Bahnhof stand an einer belebten Stelle: Nur wenige hundert Meter vom Potsdamer Platz entfernt und das damalige Regierungsviertel mit der Wilhelmstraße quasi in Rufweite.

Damals erste Adresse
Der Askanische Platz war erste Adresse. Auf der gegenüberliegenden Seite der heutigen Stresemannstraße stand damals das größte Hotel Europas, das Exelsior mit 600 Zimmern, neun Restaurants und einem Bierkeller für 1.500 Gäste. Im Bahnhof hatte seine kaiserliche Majestät übrigens eigene Räume. Vom Anhalter Bahnhof gab es direkte Verbindungen nach Dresden, von dort weiter nach Wien, Rom und Athen und auf direktem Weg nach Neapel. Die Station war natürlich auch die Kulisse für Staatsbesuche. Schließlich fuhr man damals standesgemäß mit dem Sonderzug, die Fliegerei kam erst später.

Abriss geplant
Im Rahmen der Germania Pläne zum Ausbau der Reichshauptstadt in der braunen Diktatur sollte der Bahnhof abgerissen werden: Hitlers Pläne sahen an dieser Stelle eine Badeanstalt vor. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges wurde der Bahnhof schwer zerstört.

Vor allem die verheerenden Luftangriffe vom 3. Februar 1945 vernichteten große Teile der Anlage. Aus Furcht vor den russischen Truppen, die Berlin eingekesselt hatten, flohen die Menschen in den unterirdischen S-Bahnhof der Station.

Als letzte Wahnsinnstat wurde die Streckenverbindung des Nord-Süd-Tunnels am Landwehrkanal mutmaßlich von der SS gesprengt. Gerüchten nach sollen dabei tausende Menschen im Tunnel ertrunken sein. Einige Augenzeugen berichteten jedoch, dass das Wasser nur langsam stieg und fast alle fliehen konnten.

Nachkriegszeit und Sprengung
Bereits ein Jahr nach Kriegsende wurde der Anhalter Bahnhof wieder provisorisch in Betrieb genommen. Die Züge fuhren in den Ruinen des alten Bahnhofes, das Dach fehlte und die Bahnsteige waren nur notdürftig hergerichtet. Auf dem überirdischen Teil des Bahnhofes sollte kein richtiges Leben mehr einziehen.

Die Berlinblockade und die Lage Westberlins innerhalb des DDR-Territoriums machten es notwendig, dass alle Züge aus Richtung Westen erst einmal den Ostbahnhof, damals Berliner Hauptbahnhof, anlaufen mussten. Dies war das endgültige Aus für den Anhalter Bahnhof. Trotz massiver Proteste ließ der Senat das Gebäude 1960 sprengen. Allein das Vorhaben schlug fehl, das Portalfragment blieb stehen.




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