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Berlin - Die 20er Jahre
Bildband über Berlin als Metropole der Moderne


Berlin. Die Zwanzigerjahre
Von Metzger, Rainer
Kunst und Kultur 1918 - 1933.
Mit zahlreichen s/w- und Farbabbildungen, 400 Seiten
dtv, München, 2007
ISBN 978-3-423-34407-4
€ 29,50
Zum Bestellen bitte auf das Bild klicken.

von Frank Tetzel

Einen elementaren Bruch in der deutschen Kunstgeschichte stellen die zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts dar. Während die politische Situation der Weimarer Republik eher grau war, sprengte die Kunst fast alle Grenzen.

Gewiss, Tendenzen der Moderne hatte es schon im Kaiserreich gegeben, doch nach der Abdankung des Monarchen konnte sich die neue Kunst frei entfalten.

Erstaunlich übrigens, dass die Menschen offen waren für die Modernität, die Avantgarde, die Einzug hielt. Und dies ohne die heute bekannten staatlichen Kultursubventionen.

In zahlreichen Ausstellungen und Museen waren Bilder von modernen Künstlern des Surrealismus und Dadaismus wie Max Ernst, Paul Klee oder Hans Arp einem breiten Publikum zugänglich. Es war eine Zeit, in der Politik und Kunst auf das engste verwoben waren. Die KPD erhielt Zulauf von vielen Künstlern und Intellektuellen wie Ernst Toller oder John Heartfield.

Die Hauptstadt als Mittelpunkt des kulturellen Lebens
Berlin war dabei Dreh- und Angelpunkt des künstlerischen Lebens.

Anders als Paris, Rom oder auch Wien ist Berlin ein Emporkömmling, rotzfrech, mit allen Traditionen brechend, sich immer wieder neu erfindend. Der Aufstieg an die Weltspitze der kulturellen Entwicklung war eine Sache weniger Jahre.

Er geht parallel mit der ersten Demokratie in Deutschland: Die Weimarer Republik der Jahre 1918 bis 1933 brachte Berlin an die Spitze.

Reinhard Metzger hat in dem Buch „Berlin: Die 20er Jahre“ einen höchst sachverständigen, guten und lesenswerten Text geschrieben, bei Christian Brandstätter lag die opulente und gelungene Bildauswahl. Ein lesenswertes Buch, das mehr ist, als nur ein Berlin-Buch.

Niemand anders als Erich Kästner, der im Eingangskapitel des Bandes zitiert wird, hat das Berlin der zwanziger Jahre auf den Punkt gebracht: „Diese Autos! Sie drängten sich hastig an der Straßenbahn vorbei, hupten, quiekten, streckten rote Zeiger links und rechts heraus, bogen um die Ecke; andere Autos schoben sich nach. So ein Krach! Und die vielen Menschen auf den Fußsteigen! Und von allen Seiten Straßenbahnen, Fuhrwerke, zweistöckige Autobusse! Zeitungsverkäufer an allen Ecken. Wunderbare Schaufenster mit Blumen, Früchten, Büchern, goldenen Uhren, Kleidern und seidener Wäsche. Und hohe, hohe Häuser. Das also war Berlin!“

Kunst und Politisierung
Das Berlin der 20er Jahre hat entsprechend eine Kultur hervorgebracht, die von Grund auf von der Politisierung lebte. Hier keimten die Utopien auf, die einer Zeit der Krisen die Aussicht auf Progression vorführten; hier entwickelte sich die Populärkommunikation von Foto, Kino, Plakat, Agitprop, von Kabarett, Varieté und Lunapark, mit denen die Millionen, die nicht mehr Masse waren, sondern Staatsbürger, Einzug hielten in die Kulturwürdigkeit; und hier gab es eine Avantgarde, die diese Entwicklungen von unten integrierte in die Praktiken und Prämissen der Hochkunst. Im Berlin der 20er Jahre kam der moderne Traum einer Einheit von Kunst und Leben näher an die Realität heran als jemals vorher und nachher.

 



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